Zehn Fragen an die KandidatenRedaktionsgspräch Luca Fritsch und Martin Grein wollen ins Rathaus

Redaktionsgspräch: Luca Fritsch und Martin Grein wollen ins Rathaus der Gemeinde Willingshausen

Die Großgemeinde Willingshausen war das Thema beim Redaktionsgespräch mit, von links, HNA-Redakteurin Anne Quehl, den beiden Kandidaten Martin Grein und Luca Fritsch und HNA-Redakteurin Sylke Grede.
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Die Großgemeinde Willingshausen war das Thema beim Redaktionsgespräch mit, von links, HNA-Redakteurin Anne Quehl, den beiden Kandidaten Martin Grein und Luca Fritsch und HNA-Redakteurin Sylke Grede.

Am 26. September entscheidet sich in Willingshausen, wer als Bürgermeister nach 24 Jahren auf Heinrich Vesper (FDP) folgt. Wir sprachen mit den Kandidaten für das Amt.

Willingshausen. Beide Bewerber, Luca Fritsch (34) und Martin Grein (60) treten unabhängig an. In einem Gespräch in der Redaktion der Schwälmer Allgmeine ging es um die wichtigsten Themen und ihre Antworten.

Ortsteildenken – ist es nach Jahrzehnten in der Kommune Willingshausen noch stark ausgeprägt?

Beide Bewerber nehmen dies wahr. Martin Grein zeigt sich überzeugt, dass die jüngeren Generationen das überwinden werden und dies schon haben. Man müsse Transparenz üben und den Sport zum Vorbild nehmen. Für Luca Fritsch ist es aber „ein Thema von gestern“. Man müsse erklären, was warum Geld kostet und warum sich das für alle lohnt. So profitiere etwa Gastronomie von einer Maßnahme, die in in einem anderen Ortsteil gefördert wird.

Tourismus: Wie sollen Pfunde wie Bahnradweg, Storchendorf und Kulturwanderweg neben der Malerkolonie ausgespielt werden?

Laut Fritsch ist die Weiterentwicklung der Arbeit und die Einbeziehung aller Ortsteile erforderlich. Die Positionierung Willingshausens im Rotkäppchenland sei sehr gut, Tourismusförderung dürfe hinter der Kunst nicht zurückstehen. Doch ist das mit der – sehr guten – ehrenamtlichen WTB zu stemmen? Dass die Schaffung einer vollbezahlten Stelle möglich ist, könne er sich vorstellen, sagt Grein. Besonders aber verweist er auf fehlende Beherbergungsbetten. Diesbezüglich spricht er von einem „Flaschenhals“. Er findet, man solle auf Caravaning und sanften Torismus setzen.

Festivalkultur, hochwertige Touristenradwege und zwei Schlösser bereichern Willingshausen. Wie kann mehr gepunktet werden?

Beide Bewerber sehen in Musikkultur in Loshausen großes Potential, laut Fritsch zieht das viele Auswärtige an, er will „das Kulturangebot stärken“ und sieht es als Klammer, „in der Schwalm sitzen wir alle im selben schönen Boot“. Grein unterstreicht dies, das Angebot solle weiter ausgebaut werden.

Im Kunstbetrieb in Willingshausen gibt es immer mehr Akteure, doch investiert wird besonders ins Gerhardt-v.-Reutern-Haus, ist das gut?

Das Haus ist für Grein der „Platzhirsch“, doch die Initiativen KiWi und Kulturhaus Antreff seien beachtlich. Auch der Bilderschwatz müsse erwähnt werden, an dem die Einheimischen stärker teilnähmen.

Fritsch verweist darauf, dass ein großer Fördertopf gezielt für das G.-v.-Reutern-Haus bestimmt ist, und das sei auch gut, doch auch die anderen Initiativen sollten gut ausgestattet werden, „sie sind eine starke Ergänzung“. Die verschiedenen Kulturinitiativen seien eine Bereicherung.

Das Interesse der Lokalpolitiker am Kunstbetrieb in Willingshausen ist überschaubar, warum eigentlich?

Grein findet auch, dass der Zuspruch größer sein sollte, doch die Wertschätzung sei da. Man solle das bevorstehende Jubiläum 200 Jahre Malerkolonie nutzen, um mehr Interesse zu gewinnen. Fritsch betont das große Alleinstellungsmerkmal, das sie erzeugt, worin Grein ihm beipflichtet.

Kann und muss trotzdem am Malerprofil weitergearbeitet werden?

Ja, meint Fritsch, „man muss immer fragen: Was ist der nächste Schritt?“ Drei bis vier Jahre müsse man immer vorausblicken, um sich neu erfinden zu können. Grein wie auch Fritsch loben die Arbeit der WTB.

Bedrohung durch Regenfluten sind ein drängendes Thema, wie soll es nach ersten Schritten wie der Querrinne in Merzhausen weitergehen?

Grein hat die Hoffnung, dass die Probleme der Kommune in ein Forschungsprojekt der Uni Bonn passen, in dem es um Probleme durch Oberflächewasser geht, nicht um Fließgewässerproblematiken. Man müsse Sickerungsfähigkeit und Bepflanzung in den Blick nehmen.

Fritsch findet es schade, dass seit dem ersten Auftreten vor sieben Jahren nur wenig getan worden sei. Eine einzige Maßnahme werde die Probleme nicht abstellen. Bei einem Ortsbegang in Merzhausen habe er sich ein genaues Bild gemacht, als Bürgermeister werde er die Aufgaben lösen und vor allem die Eigentümer der höher liegenden Grundstücke einbinden, das dulde keinen Aufschub. Die richtigen Experten einzuschalten, sei die Aufgabe des Bürgermeisters.

Grein will alle Beteiligten an einen Tisch bringen, auch die Landwirte.

Wie sind die Bewerber zur Energiegenossenschaft in Wasenberg eingestellt?

Grein erwartet, dass das Modell mit steigenden Energiepreisen immer interessanter wird und ausweitbar sei. Fritsch würdigt den schon 2013 eingeschlagenen Weg, der viel Eigeninitiative erfordert habe. Heute sehe man, wie erfolgreich das Ganze sei, „im Neubaugebiet gibt es kein freies Grundstück mehr“. Mit seiner Anziehungskraft und Vorbildlichkeit habe die Initiative stark gepunktet und aufgezeigt, was möglich sei.

Grein verweist auf das „Streitpotenzial“ und die breite Diskussion. Die Frage, ob der Bürgermeister dabei moderieren kann, beantworten beide mit Ja.

Wie sollen die Gemeindeeinnahmen verbessert werden?

Laut Fritsch muss sich Willingshausen um ein Plus bei der Einkommensteuer durch Zuzug Berufstätiger und die Pflege der ansässigen Unternehmen, unter anderem vier Metzgereien, kümmern. Was Strategien im Demografiewandel angeht, biete die Leader-Region Schwalmaue wichtige Ansätze, auch die Ortskerne sollten bewohnbar bleiben und bebaut werden. Für die Ansiedlung neuen Gewerbes brauche es Anreize. Grein sieht in der „modernsten Grundschule im Kreis“ einen guten Faktor gegen demografische Probleme. Junge Familien seien wichtig. Auch könne er sich die Rückkehr fortgezogener Willingshäuser vorstellen, Motto „zurück in die Heimat“. Junge seien heute so vernetzt, dass gute Veranstaltungen sie locken könnten, zum Beispiel ein neues Festival. Die zentrale Lage sei gut, das könne er aus seiner Tätigkeit für einen Industrieverband sagen.

Was wird die A49 Willingshausen bringen?

Grein glaubt daran, dass die A49 einen Nutzen für die Gemeinde entwickelt, aber nicht durch Groß- sondern mittelständische Unternehmen. Fritsch meint, dass die kommenden Verkehrsströme auch durch Willingshausen beachtet werden müssen. Die Beteiligung an einem interkommunalen Gewerbegebiet sei sehr chancenreich, „davon kann Willingshausen stark profitieren“.

Bürgermeister Vesper hat vier Amtszeiten absolviert, welche Pläne haben die Bewerber?

Grein (60) traut sich zwei Amtszeiten zu und dass er bis ins 73. Lebensjahr als Verwaltungschef bestehen kann. Als Willingshäuser wolle er etwas tun für die Gemeinde. Fritsch sagt, dass er sich langfristig engagieren will, ob es 24 Jahre werden können wie bei Vesper („große Leistung“) müssten die Wähler entscheiden, doch sei er langfristig bereit.

Fazit des Gesprächs aus Sicht der Redaktion

In dem stets sachlichen, gut einstündigen Gespräch gab es keine Schärfen, aber auch keine großen Diskrepanzen. Während Martin Grein auf seine Wurzeln in Willingshausen und seine Erfahrung aus den unterschiedlichsten Stationen in seinem Leben verweist, ist Luca Fritsch mehr mit der künftigen Ausrichtung befasst. Mehrfach ging es um den Ausbau aber auch die Harmonisierung in der Kulturszene und darum, wie mit den Pfunden zu wuchern sei. Es kristallisierte sich heraus, dass das Ehrenamt hoch zu loben sei, doch mehr Mittel auch die Effekte steigern könnten. aqu/syg

(Anne Quehl Und Sylke Grede)

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