Der Wolf kommt heimlich in die Schwalm: Experte gibt Antworten zur Rückkehr des Tieres

Kommt er zurück in den Altkreis Ziegenhain?: Über die Möglichkeit, dass ein Wolf in einem Waldgebiet im südlichen Schwalm-Eder-Kreis gesehen wurde, haben wir mit dem Experten Dr. Wolfgang Föhlich gesprochen. Foto: dpa

Schwalm. Ein Wolf könnte in einem Wald im südlichen Schwalm-Eder-Kreis gesehen worden sein. Darüber haben wir mit Wolfgang Fröhlich, Biologe und Wolfsbeauftagter des Landesjagdverbands (LJV), gesprochen.

Herr Fröhlich, gibt es gesicherte Belege dafür, dass es Wölfe im Schwalm-Eder-Kreis gibt?

Wolfgang Fröhlich: Nein, denn ein wirklich gesicherter Beweis wäre ein Genabdruck oder ein gutes Foto, welches durch Fachleute geprüft worden ist und der Wolf bestätigt wurde. Einen derartigen Beweis gibt es im Landkreis noch nicht. Es kommt allerdings immer wieder mal vor, dass jemand meint, ein Tier gesehen zu haben. Eine derartige Sichtmeldung wird dann als Hinweis angesehen und gilt nicht als Beweis. Denn einen Wolf zu erkennen, ist gar nicht so einfach.

Woran erkennt man das Tier?

Fröhlich: Der Wolf ähnelt stark einem Schäferhund, hat aber einen breiteren Kopf mit einem langgestreckten und spitzen Fang. Die Augen stehen schräg und die Ohren sind relativ klein. Der Brustkorb des Wolfes ist schmaler als beim Schäferhund und der Schwanz buschiger. Aber es gibt leider auch Hunde, die einem Wolf sehr, sehr ähnlich sind.

Könnte es sein, dass der Wolf wieder hier ist?

Wolfgang Fröhlich

Fröhlich: Die Möglichkeit, dass ein Wolf zurück in die Schwalm gekommen ist, besteht in jedem Fall. Bisher sind mir Meldungen aus dem südlichen Landkreis aber nicht bekannt, aber es ist nicht auszuschließen. Jetzt ist auch die Zeit, in der die jungen Wölfe ihre Rudel verlassen und dann können sie überall auftreten. Einzelne Tiere können auch sehr weit wandern. Oft sind sie aber sehr heimlich und lassen sich nicht sehen.

Sind Wölfe in der Nähe nachgewiesen?

Fröhlich: Die nächsten Wolfsvorkommen sind in der Lüneburger Heide und in Thüringen südlich Gera. Einzelwölfe wurden aber schon im südlichen Niedersachsen beobachtet. Auch hat es vor einigen Jahren ja den Wolf „Reinhard“ im Rheinhardswald gegeben, der dort mehrere Jahre gelebt hat. Im vergangenen Jahr wurden bei Frankfurt und im Spessart zwei Wölfe überfahren.

Naturschützer sind begeistert, Jäger und Schäfer warnen. Ist das berechtigte Angst oder Hysterie?

Fröhlich: Der Wolf ist ein Wildtier, aber er wird den Menschen in der Regel meiden. Allerdings lassen sich Begegnungen mit ihm und Probleme nicht ganz ausschließen. Übergriffe an Menschen sind extrem selten und lassen sich meist auf Krankheiten zurückführen. Problematisch könnte er für Nutztierhaltung werden, denn dort wo Tiere eingekoppelt sind, kann der Wolf das ein oder andere Tier reißen. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten, seine Tiere zu schützen.

Warum ist der Wolf so wenig akzeptiert, warum sieht man das Tier so negativ?

Fröhlich: Die Angst ist historisch gewachsen und kommt aus dem Mittelalter. Zudem haben die Märchen ihren Beitrag dazugetan. Bis zum Mittelalter war das Image des Wolfes durchaus positiv besetzt und ist es auch heute noch bei einigen Naturvölkern.

Der germanische Gott Odin hatte neben Raben auch Wölfe als Begleiter. Und man bedenke die römische Mythologie: Die Gründer der Stadt Rom, Romulus und Remus, wurden von einer Wölfin gesäugt.

Wie schafft man Akzeptanz und nimmt Ängste?

Fröhlich: Wichtig ist hier die Öffentlichkeitsarbeit und das Beraten vor Ort. Das Land Hessen baut derzeit ein Wolfbetreuersystem auf. Pro Landkreis soll es dann zwei von ihnen geben, die als Ansprechpartner fungieren und bei vermeintlichen Wolfsrissen gerufen werden sollen. Darüber hinaus wird seitens einiger Naturschutzverbände, z. B. Nabu, BUND und LJV, und dem Land Hessen sehr intensiv informiert.

Zur Person

Wolfgang Fröhlich ist 52 Jahre alt und lebt mit Frau und seinen drei Kindern in Neukirchen. Der promovierte Diplombiologe ist Leiter des Wildparks Knüll und Wolfsbeauftragter des Landesjagdverbandes.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.