Junger Syrer berichtete im Gemeindehaus über seine Flucht nach Deutschland

Er wollte nicht töten

Berichtete im Treysaer Gemeindehaus: Der 28-jährige Edmund lebt seit Januar in Deutschland, er floh aus Syrien. Foto: Rose

Treysa. 6000 Euro hat Edmund aus Syrien für seine Flucht nach Deutschland zahlen. Ein hoher Preis. Doch für Freiheit und Frieden hat der junge Syrer diese Reise auf sich genommen - mit glücklichem Ausgang. Seit Kurzem hat der 28-Jährige eine Aufenthaltsgenehmigung. „Eine kleine Wohnung und eine kleine Arbeit - es ist alles gut“, sagt Edmund.

Der Geschichtslehrer sprach am Mittwochabend vor vielen Zuhörern im evangelischen Gemeindehaus in Treysa. Veranstaltet wurde der Abend von der AG Schwalm-Eder der weltweit aktiven Kinderhilfsorganisation Terre des Hommes. Zunächst sitzend, dann aber doch stehend und mit immer sichererer Stimme erzählte Edmund zunächst vom Leben in Syrien.

Die Ausbildung

13 Jahre sei er zur Schule gegangen, dann zur Universität, um Geschichte auf Lehramt zu studieren. Nebenher arbeitete er in Firmen, in Restaurants und in der Schmiede des Onkels. „Aber in Syrien ist alles billig. So billig, dass Libanesen und Türken regelmäßig zum Einkaufen kamen.“

Edmund arbeitet schließlich als Lehrer, dann wird er zum Militärdienst eingezogen. 2011 beginnt der Krieg. Und Edmund - jung und sportlich - soll kämpfen.

Andere töten? Vielleicht selbst getötet werden? „Ich suchte nach einer Lösung. Ich bin Christ, ich wollte nicht auf andere schießen“, erklärt er. Der 28-Jährige flieht in den Libanon, arbeitet als Licht- und Tontechniker.

Die Flucht

In Syrien breitet sich unterdessen der Krieg aus. „In meinem Dorf gab es kaum noch etwas zu essen“, berichtet Edmund. Geld verdient er auch im Libanon kaum. Doch Edmund ist auch Organist, besitzt zwei Keyboards. „Die habe ich für 3000 Euro verkauft, um fliehen zu können.“ Die Flucht beginnt - über die Türkei, dann per Flugzeug nach Ecuador, Spanien und schließlich per Bus nach Frankfurt. „Möglich war das, weil ich ein griechisches Visum bekommen hatte.“ Damit kriegt Edmund in Spanien Probleme. Die Polizei greift ihn auf, sechs Tage verbringt er im Gefängnis. Von Frankfurt über Gießen kommt er nach Treysa.

Die Gemeinschaftsunterkunft

Die Situation in der Gemeinschaftsunterkunft beschreibt er als schwierig. „Für 40 Leute ein Bad.“ Und immer sei da die Angst gewesen. Dass die Polizei kommt, ihn abholt, weil der Asylantrag abgelehnt wurde. „Nur warten, warten, warten“, beschreibt er die quälenden Monate seit Januar dieses Jahres. Deutsch hat sich Edmund selbst beigebracht. Ein Deutschkurs steht ihm erst mit der Aufenthaltsgenehmigung zu.

Die neue Heimat

Seit wenigen Wochen hält er das Papier mit seinem Status in Händen, noch wartet er auf seine offiziellen Dokumente. Einen Monat hat seine Flucht gedauert. Jetzt ist er angekommen, sagt er: „Alles ist gut.“

Im Anschluss berichtete Andreas Rister von Terre des Hommes über Flüchtlingsprojekte für Kinder in Jordanien und im Nordirak. Dort leistet die Organisation Hilfe.

Derzeit befinden sich weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Das ist die höchste Zahl an Flüchtlingen seit dem Zweiten Weltkrieg. Fast die Hälfte aller Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche.

Von Sandra Rose

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