Stipendiatin Marven Graf verabschiedet sich nach drei Monaten mit Ausstellung

Im Zeichen der Tracht

Sichtweisen auf Schönheitsideale: Marven Graf nutzte ihre Willingshäuser Zeit dazu, ihre Techniken neu anzuwenden. Foto: Diehl

WILLINGSHAUSEN. Dass sie sich im Hirtenhaus oder in ihrem Atelier im Gerhardt-von-Reutern-Haus versteckt hätte, kann man von ihr nicht behaupten. Seit Marven Graf Ende August nach Willingshausen kam, ist sie mit offenen Augen und Ohren durch den Ort gegangen und hat den Kontakt gesucht – und gefunden. „Die Menschen nehmen einen hier offen auf“, freut sich die Künstlerin am Ende einer „superintensiven Zeit“.

Noch nie zuvor habe sie sich drei Monate lang nur auf ihre Kunst konzentrieren können. Dabei war es anfangs eine Umstellung, von der Stadt in die Provinz, ohne Internetanschluss in ihrer Herberge Hirtenhaus. Doch auch daran hat sie sich gewöhnt.

„Schiehed vergedd, Agga bestedd – Schönheit vergeht, Acker besteht“ lautet der Titel ihrer Ausstellung in der Kunsthalle zum Abschluss ihres Aufenthalts in dem Künstlerdorf. Ab Freitag zeigt die Stipendiatin, wie Willingshausen auf sie gewirkt hat.

Was ist Schönheit?

Bislang hatte sich die in Göttingen geborene und seit sieben Jahren in Kassel lebende Künstlerin nur im urbanen Kontext mit Schönheitswahn und Schönheitsidealen befasst. „Was ist Schönheit? Gibt es auf dem Land andere Einflüsse in punkto Schönheitsideal?“ – auf der Suche nach Antworten hat sie bei vielen Willingshäuserinnen nachgefragt, sich mit den Landfrauen, der Tango- und der Yoga-Gruppe unterhalten.

Auf der Suche nach dem weiblichen Schönheitsideal im Dorf ist sie schnell auf die alte Bauernweisheit mit dem Acker, der besteht, gestoßen, „Schiehed vergedd, Agga bestedd“, war einer der ersten Sätze, der ihr dabei begegnete.

„Das weibliche Schönheitsideal ist hier noch eng verbunden mit der Schwälmer Tracht, sodass ich mich dann ersteinmal mit der Tracht auseinander gesetzt habe.“ Das Leben einer Frau in verschiedenen Farben darzustellen, wie es in der Schwälmer Tracht typisch ist, hat die 29-Jährige gereizt.

Entstanden sind so Collagen aus Modezeitschriften, deren unterschiedlichen Lagen die verschiedenen Schichten der Tracht symbolisieren. Die Farben der Tracht und ihre Bedeutung haben Marven Graf inspiriert. Doch nicht nur das, auch die Strickmuster der Strümpfe und hier besonders das Seufzermuster, das sie auch als Grundlage für eine Leinwandkunst nutzte. Und beim Stöbern über Literatur zur Schwälmer Tracht unterlief ihr immer wieder der Begriff „Stolz“.

Fotografie war einer der Schwerpunkte ihres Studiums der Bildenden Kunst an der Universität Kassel, auch dies ließ sie in ihren Aufenthalt in Willingshausen einfließen. Sie fotografierte typische Orte wie die Metzgerei, ein altes Tor, ein Fachwerkhaus oder einfach nur eine Weide vor dem Ort und nutzte dies als Projektionsfläche für Abbildungen von Models.

Von Kerstin Diehl

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