Zeit für Mathetalente

Prof. Dr. Regina Bruder. Foto: Rose

Steinatal. Zwei bis drei Kinder pro Klasse sind mathematisch begabt: Das sagt Prof. Dr. Regina Bruder, die sich seit zehn Jahren mit Untersuchungen zur Weiterentwicklung der Qualität im Mathematikunterricht beschäftigt.

Die Wissenschaftlerin war am Montag zu Gast in der Schwalm. In der Melanchthon-Schule in Steinatal referierte die 56-Jährige vor Kollegen und gab Tipps, wie mathematisch talentierte Schüler besonders gefördert werden können.

„Ich will nicht für Methoden werben, sondern die Lehrer dafür sensibilisieren, sich auch Zeit für die Starken zu nehmen“, erklärt die Pädagogin. Bruder nennt das „den Starken Futter geben“ – aber ohne den Mitschülern das Gefühl zu vermitteln, es handele sich um einen elitären Kreis.

Begabte stören oft

Sorgfalt und Sensibilität sind auch gefragt, wenn es darum geht, talentierte Schüler als solche zu erkennen: „Oft beobachten wir das Phänomen, dass besonders begabte Schüler den Unterricht stören oder auffällig werden, weil sie sich schlichtweg langweilen und sich unterfordert fühlen“, erläutert die Expertin. „Pädagogen sollten nicht allein nach Leistungen schauen.“

Diese Wahrnehmung setze aber einen differenzierten Unterricht voraus. Ziel sei es, im Unterricht jede Leistungsgruppe zu betreuen und zu motivieren.

Als praktisches Beispiel nennt Bruder die Methode der sogenannten Blütenaufgabe. Das ist eine Aufgabe, die viele Teilaufgaben beinhaltet: „Jede weitere Aufgabe öffnet ein weiteres Stück der Blüte“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Diese Aufgaben seien Angebote, um den Schülern Eigenverantwortung zu übertragen: „Sie können selbst entscheiden, auf welchem Level sie arbeiten.“

Eltern mitnehmen

Als zunehmend bedeutender beschreibt Bruder die Beratung der Eltern. „Zu Beginn des Schuljahres sollten Unterrichtskonzepte mit Ihnen besprochen werden“, sagt die Pädagogin. Hier sieht Regina bruder ein deutliches Manko der Lehrerausbildung. Viele Kollegen würden sich für Elternarbeit nicht zuständig fühlen. „Wir müssen daran arbeiten, dass sich in den Köpfen etwas bewegt“, erklärt Bruder.

Vorurteile sind hartnäckig

Mathematisch begabt seien Schüler, die leistungsfähig, aber vor allem auch leistungsbereit seien. Tapfer halte sich das Vorurteil, dass Jungs mathematisch logischer als Mädchen denken könnten. Dazu sagt Regina Bruder: „Wenn Jungs gut in Mathe sind, sind sie begabt. Wenn Mädchen gut sind, sind sie fleißig.“ Wissenschaftlich sei dies aber nicht belegt.

Von Sandra Rose

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