Nachruf 

Zella: Fleischermeister Wilhelm Johannes Bechtel ist gestorben

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Unerwartet gestorben: Wilhelm Johannes Bechtel. 

Wilhem Johannes Bechtels Stimme wird künftig in Zella fehlen. Denn was der 83-Jährige sagte, das hatte im Ort Gewicht.

Jetzt ist er nach einem medizinischen Eingriff unerwartet gestorben. Familie und Freunde trauern, auch in den sozialen Netzwerken wird dem geschätzten Fleischermeister gedacht. "Er war ein Freund der Menschen und seinem Geburtsort Zella unglaublich verbunden", sagt sein Sohn Wilhelm Bechtel, Direktor der Stadtsparkasse Schwalmstadt.

Dabei wuchs der Zellaer, den viele als fröhlich, offen und zugewandt beschreiben, unter besonderen Bedingungen auf. Bereits bei seiner Geburt war er Halbwaise, der Vater war bei einem Unfall in Ziegenhain gestorben. 

Im Haus der Großeltern in Ziegenhain waren der Nachwuchs und seine Mutter aber willkommen, hier wuchs Bechtel behütet auf. Auch als die Mutter starb – da war Wilhem Johannes Bechtel gerade 18 Jahre alt – blieben die Großeltern wichtige Ratgeber. Anfang der 1950er-Jahre absolvierte der Zellaer eine Fleischerlehre im nahen Leimsfeld, bei der Metzgerei Hoos. Schon seinerzeit liebte er es, mit auf den Kasseler Wochenmarkt zu fahren. 

Wilhelm Bechter war für seine lockere Art bekannt

„Er hatte immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, das kam bei den Leuten an“, erzählt sein Sohn. 1961 heiratete Bechtel seine Frau Anneliese, das Paar eröffnete im selben Jahr eine Metzgerei in Zella. Als zweites Standbein dienten auch ihnen Markttage in Kassel. 

Drei Söhne bereicherten die Familie. 1974 kaufte Bechtel ein Ladengeschäft in Ziegenhain, hier entstand eine Filiale. Die Produktion blieb in Zella, das Geschäft entwickelte sich prächtig, sodass 1980 am Ortseingang neu gebaut wurde. 

Auch die Söhne seien schon immer eingespannt gewesen, berichtet Wilhelm Bechtel als ältester Sohn. Er und die Brüder Martin und Kurt standen den Eltern zur Seite, „und das war ganz selbstverständlich“. Die Eltern, berichtet Bechtel, seien unermüdlich gewesen: „Die haben abends um neun noch bei der Arbeit gesungen.“

Betrieb um Gaststäte erweitert

1980 wuchs nicht nur die Metzgerei, Bechtels übernahmen auch die Gaststätte der Tante direkt nebenan. Wilhelm Johannes Bechtel setzte auch hier auf die Familie: Die Söhne blieben in der Branche, Martin in der Gastronomie, Kurt im Fleischerhanderk und Wilhelm machte zunächst eine Ausbildung beim Finanzamt, wechselte später zur Bank. „Ich war wichtig für die Buchführung“, erklärt er.

Wilhelm Johannes Bechtel war in Zella und Ziegenhain in verschiedenen Vereinen aktiv, etwa Gründungsmitglied des Gesangvereins Zella. Auch als guter Kirchgänger war er bekannt – „auch wenn er immer als Letzter in die Kirche reinschneite“. 

Auch ansonsten war der 83-Jährige äußerst musikalisch, er spielte Keyboard, in den Mittagspausen und am Abend gern Orgel. Erst küzlich fing er noch an, Akkordeon zu spielen. Auch die Söhne mussten alle ein Instrument lernen, das war dem Vater wichtig.

Auch als der Zellaer im Jahr 2000 die Geschäfte an die Söhne abgab, war er stets ein gefragter Berater. Auf ging der 83-Jährige im Umgang mit den sieben Enkelkindern. Nicht nur sie werden ihn schmerzlich vermissen. Sie wird fehlen, die Stimme von Wilhelm Johannes Bechtel – nicht nur in Zella.

Von Sandra Rose

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