Der neue Bereitschaftsdienst soll Patienten helfen und die Landärzte entlasten

Die Zentrale soll es richten

Untersuchung: Die Ärzte Dr. Karl-Eckhardt Henkel (sitzend) und Joachim Fleischhut aus Frielendorf behandeln Patienten beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Foto:  Schittelkopp

Schwalmstadt. Außerhalb der Sprechzeiten des Hausarztes finden Patienten aus dem gesamten Altkreis Ziegenhain nun medizinische Hilfe beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD). Die Zentrale befindet sich im Untergeschoss des Ziegenhainer Asklepios-Klinikums. Seit einem Monat läuft das neue Konzept im Kreisteil.

So geht’s: wer krank wird, wenn die Arztpraxen geschlossen haben, ruft als erstes die bundesweite Nummer 116 117 an. Dabei kommt der Patient in der Dispositionszentrale des ÄBD in Kassel raus, dort berät medizinisches Fachpersonal. Entweder wird ein Hausbesuch organisiert oder der Patient wird in die ÄBD-Zentrale ins Klinikum geschickt. „Allein mit dem Anruf in der Kasseler Zentrale kann 80 Prozent bereits geholfen werden“, sagt Dr. Dieter Conrad von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Bei kleineren Beschwerden helfe bereits der Rat, welche Apotheke in der Nähe geöffnet habe oder ähnliches.

Ist der Patient noch mobil und seine Krankheit nicht lebensbedrohlich, werden Menschen aus dem Altkreis Ziegenhain nun in die ÄBD-Zentrale nach Schwalmstadt verwiesen. „Wir haben hier eine Fahr- und eine Sitzbereitschaft“, erklärt Obmann Dr. Martin Karcher. Ein Mediziner erledigt Hausbesuche, der andere behandelt vor Ort.

„Es gab ein paar Startschwierigkeiten, doch wir spielen uns ein“, sagt Karcher. Im Untergeschoss der Asklepios-Klinik empfängt ein Arzthelfer die Patienten. Danach geht es ins Behandlungszimmer. Die Mediziner rechnen damit, dass 40 bis 60 Patienten täglich an den langen Wochenenddiensten zu behandeln sein werden.

Durch die Umstrukturierung soll der Bereitschaftsdienst auch auf dem Land sicher gestellt werden. Durch den Anschluss an die Klinik steht für die Untersuchung der Kranken sofort jegliches medizinisches Gerät bereit. Und: „Die medizinische Hilfe geht schneller“, so Karcher. Früher musste der Bereitschaftsarzt allein entscheiden, was mit dem Patienten passiert, heute hat er ein Team im Rücken.

Für die Landärzte bedeutet die Umstrukturierung Entlastung. 70 Ärzte aus dem Altkreis jeglicher Fachrichtung teilen sich die Dienste, hinzu kommen zehn Mediziner von weiter her. 14 Dienste wird jeder Arzt jährlich schieben müssen, in den ehemaligen Notdienstbereichen war es manchmal einer alle zwei Wochen. Zudem wurde die Vergütung standardisiert. Die örtlichen Ärzte haben die Umstrukturierung mit vorangetrieben. „Wir haben versucht, uns zu helfen, sonst tut es ja keiner“, sagt Karcher.

So besteht auch die Hoffnung, dass sich für die ein oder andere Praxis ein Nachfolger findet, wenn die Arbeitsbelastung durch weniger Notdienste reduziert wird.

Von Claudia Schittelkopp

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