Wanderlieder aktuell wie nie

Ziegenhain: Felix Wachter interpretiert Liederzyklus von Franz Schubert

„Die schöne Müllerin“ hat es ihm angetan: Felix Wachter (rechts) hat den Liederzyklus von Franz Schubert mit seinem Gesangslehrer Theodor Hoffmeyer erarbeitet – begleitet von Roswitha Aulenkamp am Flügel. Sobald es Corona erlaubt, ist ein öffentlicher Auftritt geplant.
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„Die schöne Müllerin“ hat es ihm angetan: Felix Wachter (rechts) hat den Liederzyklus von Franz Schubert mit seinem Gesangslehrer Theodor Hoffmeyer erarbeitet – begleitet von Roswitha Aulenkamp am Flügel. Sobald es Corona erlaubt, ist ein öffentlicher Auftritt geplant.

Er habe aufgeatmet, sagt Felix Wachter, als er mit 16 seine ungeliebte Trompete in die Ecke stellen durfte. Mit frischer Puste und einer großen Portion Mut hat der heute 20-Jährige das passende Instrument für sich entdeckt: seine Stimme.

Ziegenhain – Felix Wachter interpretiert Schuberts „Schöne Müllerin“, und dabei beeindruckt nicht nur das Werk. Ein Besuch bei seinem Gesangslehrer Theodor Hoffmeyer in der Casa Aulenkamp. Felix Wachter steht in dem kleinen Salon an den Flügel gelehnt, die Pianistin Roswitha Aulenkampt sitzt an den Tasten. Hier in der Ziegenhainer Muhlystraße ist Felix Wachter seit vier Jahren regelmäßig zu Gast, soweit es Corona erlaubt, um bei Theodor Hoffmeyer Gesangsunterricht zu nehmen.

„Es hat Spaß gemacht, sich mit einem Stück länger zu beschäftigen“, sagt Felix Wachter, der an der Universität in Marburg Geschichte und Politik auf Lehramt studiert und als Schüler im Oberstufenchor der Melanchthon-Schule sang. „Jeder Ton hat ein Pathos, den man treffen muss“, sagt der 20-Jährige zu den Herausforderungen der Gesangsstunden, durch die er Schuberts Werk kennen und lieben lernte. „Es passt, dass ich als junger Mensch den Müllergesellen mit seiner die unerfüllten Liebe interpretiere“, so der Bassbariton, der den Liederzyklus in tiefer Lage singt.

Überhaupt passe das 20 Lieder umfassende Werk in die Zeit, ist Roswitha Aulenkamp überzeugt, die den Gesangsschüler am Klavier begleitet: Das Wandern sei beliebt wie lange nicht, und enttäuschte Liebe, Wechselbäder der Gefühle – „dies ist doch hochaktuell“. Es sei eine Freude, mit Felix zusammen zu arbeiten, sagt Hoffmeyer, der selbst auf eine 40-jährige Karriere als Opernsänger zurückblickt. „Man sieht und hört und spitzt die Ohren“, so der Gesangslehrer.

Außerdem sei es „sehr selten“, dass sich ein Schüler den gesamten, 20 Lieder umfassenden Zyklus von Schubert vornehme.

Dass es sich lohnen könne, an der Stimme zu arbeiten, habe er bei Felix Wachter herausgehört, als er ihn einmal während der Christmette in der Ziegenhainer Schlosskirche mit Familie und Freunden hat singen hören.

Bislang hat Corona eine geplante öffentliche Aufführung verhindert. So entstand die Idee, eine in einem Marburger Tonstudio eine CD aufzunehmen, professionell bedruckt in Ziegenhain. Auch auf Youtube ist Felix Wachter mit der schönen Müllerin zu hören.

Käuflich zu erwerben ist die CD nicht. Es gehe ihm nicht darum, mit seinem Gesang Geld zu verdienen, sagt Felix Wachter, der noch immer froh ist, dass seine Trompete in der Ecke steht.

„Die schöne Müllerin“ ist das erste große gemeinsame Projekt, doch ein weiteres sei im Werden, so Hoffmeyer: „Wir arbeiten schon an Schuberts Winterreise.“

Information: Youtube: Felix Wachter - Franz Schubert: Die schöne Müllerin (Tiefe Ausgabe)

Die schöne Müllerin

Die schöne Müllerin ist ein Liederzyklus für Singstimme und Klavier, den Franz Schubert 1823 komponierte. Das Werk stellt neben Schuberts „Winterreise“ den Höhepunkt der Gattung Liederzyklus des 19. Jahrhunderts dar. Der Liedtext basiert auf der Gedichtsammlung „Die schöne Müllerin“ von Wilhelm Müller aus den 1821 erschienenen „Sieben und siebzig nachgelassenen Gedichten aus den Papieren eines reisenden Waldhornisten“. Der Inhalt ist typisch für die Romantik: Ein junger Müllersgeselle befindet sich auf Wanderschaft. Er folgt dem Lauf eines Baches, der ihn schließlich zu einer Mühle führt. Dort verliebt er sich in die Tochter seines neuen Meisters. Doch die angestrebte Liebesbeziehung zur schönen und für ihn unerreichbaren Müllerin scheitert, sie zieht den angesehenen Jäger vor. Aus Verzweiflung darüber ertränkt sich der unglückliche Müller in dem Bach.

(Kerstin Diehl)

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