Ausstellung in Ziegenhain: Die Weißstickerei als Hobby

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Ziermuster: Tischdecke bei Barbelies Schäfer.

Erbsloch und Mückenstich: Zwei Weißstickerinnen erzählen von ihrem Hobby. Der Anlass? Eine Ausstellung in Ziegenhain.

Mit gestickten Buchstaben hat es angefangen. Vor beinahe 80 Jahren, als Barbelies Schäfer die dritte Klasse der Grundschule Willingshausen besuchte, lernte die damals achtjährige im Handarbeitsunterricht die Techniken der Weißstickerei. 

Eines ihrer bestickten Tücher wird ab Donnerstag, 20. Juni, Teil der neuen Ausstellung des Schwälmer Heimatbundes. Bis zum 11. August können die aufwendigen Weißstickereien im Museum der Schwalm bewundert werden.

Handlich für unterwegs: Katrin Thiel nimmt ihre Stickarbeit und die Dose mit dem Werkzeug auch gerne mit.

Katrin Thiel gehört zu den jüngsten Weißstickerinnen

Von Katrin Thiel wird noch nichts in der Ausstellung liegen. Die 33-jährige Biologielaborantin hat erst im vergangenen Winter mit der Weißstickerei begonnen. Sie besuchte mit einer Freundin zusammen einen Volkshochschulkurs.

Nicht nur die Techniken musste die Neuentalerin lernen, sondern auch Begriffe wie Erbsloch und Mückenstich. „Es ist eine Sprache für sich“, erzählt Thiel lachend. Mit ihren 33 Jahren gehört sie zu den jüngsten Weißstickerinnen.

Die 87-jährige Barbelies Schäfer hat selbst 40 Jahre lang Kurse gegeben: In Hamburg, Spanien aber auch im Schwalm-Eder-Kreis. So bildete die Willingshäuserin zum Beispiel die Landfrauen auf Landesebene aus. Die weiten Strecken, die sie für ihre Kurse zurücklegte, machten ihr nichts aus: „Tradition verpflichtet“.

Mit 80 Jahren hörte Schäfer auf, Kurse zu geben. Doch so ganz raus ist sie nicht. Denn auch heute kommen noch Weißstickerinnen zu ihr und fragen die 87-Jährige nach Mustern. Dafür hat sie einen ganzen Ordner. 

„Es kamen immer wieder neue Muster dazu“, erinnert sich Schäfer. Denn die Muster mussten immer wieder neuen Bedürfnissen angepasst werden. 

„Heute haben sich die Muster nicht verändert. Sie sind nur aufgelockert und anders angeordnet“, erklärt Schäfer. Katrin Thiel bekam das erste Muster von ihrer Patentante, ebenso wie den Leinenstoff. Ihre Mutter steuerte Garn und einen alten Spannrahmen bei. 

Die Affinität für Handarbeiten brachte die 33-Jährige selbst mit. Die Neuentalerin ist von der Weißstickerei begeistert: Die Aufbewahrung ist platzsparend, auch können Stoff, Rahmen und Werkzeuge überall mit hingenommen werden.

Ein geselliges Hobby: Schnuddeln und Sticken

Doch sie verbindet auch Heimat mit ihrem neuen Hobby. Wer in der Schwalm aufgewachsen ist, der ist umgeben von den Stickereien. Außerdem ist es eine gesellige Tätigkeit, findet die 33-Jährige: „Sticken und Schnuddeln lassen sich gut miteinander verbinden“.

Und wenn keine Zeit ist? „Die Weißstickerei ist die Art von Hobby, die einem auch mal drei Wochen Pause verzeiht“, ist sich Thiel sicher. Aber es ist auch die Art von Hobby, die einen langen Atem benötigt. 

„Es ist mehr so die Langstrecke“, erzählt Thiel lachend. Das kann auch die 87-jährige Willingshäuserin bestätigen. „Das Besticken einer Decke dauert ein halbes Jahr.“

Barbelies Schäfer stickt jeden Abend. Dann macht sie es sich auf dem Sofa unter einer großen Stehlampe gemütlich. Nebenbei läuft Fußball im Fernsehen. Die 87-Jährige zieht eine Brille auf, eine Lupe kommt nur ab und an zum Einsatz. 

Doch jedes Mal finden die Buchstaben, die Schäfer in der Grundschule gelernt hat, Einzug in ihre Werke. Denn auf jedes stickt sie ihre Initialen: „B.S.“.

Service: 

„Hohlsäume, Abschlüsse und Ränder – Bekanntes & Neues in der Weißstickerei sowie Trachten und Teile neu betrachtet“, Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 20. Juni, ab 17 Uhr, Öffnungszeiten: Dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr. Museum der Schwalm, Paradeplatz 1, Ziegenhain.

VON HANNA MAITERTH

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