Ziegenhain

Bahnübergang längst stillgelegt - dennoch bekommt er neue Andreaskreuze

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Neues Andreaskreuz am Bahnübergang Ziegenhain-Nord: Eigentlich ist die Kanonbahn seit vielen Jahren stillgelegt.

Ziegenhain. Es mutet wie ein Schildbürgerstreich an: Obwohl der Bahnübergang in Ziegenhain-Nord stillgelegt ist, wurden dort jetzt neue Andreaskreuze aufgestellt.

Fragt man die Anwohner des Bahnübergangs Ziegenhain-Nord, wann auf der sogenannten Kanonenbahn der letzte Zug gefahren ist, schaut man in ratlose Gesichter. Im hinter dem Bahnübergang gelegenen Hotel und Restaurant Hof Weidelbach heißt es, seit 30 Jahren sei da nichts mehr unterwegs.

Liesel Dietz (83) wohnt in unmittelbarer Nähe des Hofs Weidelbach. Sie kann sich nicht erinnern, seit sie 1962 in ihr Haus einzog, überhaupt schon mal einen Zug auf der Strecke gesehen zu haben. Da sie sorgfältig Dokumente zu allen wichtigen Ereignissen in ihrer Umgebung aufbewahrt, findet sie nach kurzer Zeit einen ausgeschnittenen Artikel aus der Schwälmer Allgemeinen. In der Samstagsausgabe vom 6. Oktober 1984 wird vom Abriss des Ziegenhainer Nordbahnhofs berichtet.

Obwohl die Kanonenbahn seit vielen Jahren stillgelegt ist, wurden dort kürzlich neue Andreaskreuze angebracht. Ein Leser hatte beobachtet, wie die Kreuze dort montiert wurden und uns darauf hingewiesen.

Ein Andreaskreuz warnt Fußgänger, Auto- und Radfahrer vor der von Zügen ausgehenden Gefahr. Doch welche Bedrohung geht von einem stillgelegten Bahnübergang aus?

Keine, teilt ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage der HNA mit, trotzdem sei „der betroffene Bereich noch als Eisenbahnfläche gewidmet“ und daher „nach den geltenden Richtlinien zu beschildern“. Die DB bestätigt, dass keine Reaktivierung der Strecke geplant ist. Die Kosten für das Anbringen der Andreaskreuze betrügen „wenige Hundert Euro“. Auch wenn das keine sehr große Summe ist, fragen sich die Anwohner des Bahnübergangs, ob das Geld nicht besser im noch genutzten Treysaer Bahnhof investiert wäre. (nnx)

Hintergrund

Circa 40 Kilometer lang ist die Strecke der Kanonenbahn im Schwalm-Eder-Kreis zwischen Malsfeld und Treysa. Sie wurde ursprünglich für militärische Zwecke gebaut und im August 1879 eingeweiht. 1981 wurde der Personenverkehr eingestellt, 2002 fuhr der letzte Güterzug. Vor zwei Jahren gab es Rodungsarbeiten an der Trasse der Kanonenbahn. Die Deutsche Bahn ließ Hunderte Bäume „zur Herstellung der Verkehrssicherheit“ fällen. 

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