Staatsminister Michael Roth forderte mehr Geld für die Kreise

Energische Werbung für ein Europa

Obst, gute Schokolade und Käsebrote: Die SPD-Landtagsabgeordnete Regine Müller hatte für Michael Roth einen hübschen Proviantkorb gepackt, rechts Bundestagsabgeordneter und Unterbezirksvorsitzender Dr. Edgar Franke.

Ziegenhain. Es ist das drängende Thema schlechthin, dennoch waren die Veranstalter vom SPD-Unterbezirk überrascht vom Publikumsandrang zum Vortrag von Staatsminister Michael Roth.

Über die Flüchtlingssituation sprach der enge Mitarbeiter von Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Freitagabend in Ziegenhain.

Der 44-Jährige Bad Hersfelder verstand es, mit klaren Worten die Vielschichtigkeit und Wechselwirkungen in der Außenpolitik zu umreißen. Das nachhallende Mikrofon schaltete Roth kurzerhand aus, um fast zwei Stunden lang frei zu sprechen und auf Zuhörerbeiträge zu reagieren.

Europa sei Teil der drängendsten Probleme, „und trotz alledem das Beste, das wir haben“, rief Roth aus. Im nationalen Alleingang sei kaum etwas machbar.

Rhetorisch gekonnt stellte Roth kulturelle Klüfte - festzumachen etwa an der Überforderung vieler Fremder durch ein westliches WC - der Notwendigkeit gegenüber, „das große Rad zu drehen, in den Ländern Frieden und Stabilität zu schaffen". Auch wenn es sehr schwer falle, müsse mit unerträglichen Machthabern verhandelt werden, im Sinne der Menschen. Diplomatie bedeute ein Vorwärtskommen Schritt für Schritt und gelegentlich Rückschritte, „mit Diktatoren an einem Tisch, damit das Morden aufhört“. Außenpolitik sei wahnsinnig kompliziert und nicht in simplen Kategorien von Gut oder Böse, Schwarz oder Weiß möglich.

Zwar rangiere das Flüchtlingsthema klar vor der Griechenland-Problematik, trotzdem widmete Roth den Griechen einen Gutteil seiner Redezeit. Er zeigte sich zuversichtlich, dass der zurückgetretene Ministerpräsident Alexis Tsipras sein Land wegführen werde von Skandalen und Korruption. Tsipras werde gestärkt aus den Neuwahlen am 20. September hervorgehen, „sich loslösen von den Radikalinskis“.

Roth zeigte sich als glühender Bekenner und Verfechter des europäischen Gedankens, „Europa ist immer noch unsere Lebensversicherung in Zeiten der Krise“. Der Anteil deutscher Exporte innerhalb Europas betrage 65 Prozent. Solidarität innerhalb des Kontinents sei mithin keine Ein-, sondern eine „Zweibahnstraße“. Auch für die Flüchtlingsfrage gilt laut Michael Roth: „Es geht nur mit, nicht gegen Europa.“ Was es nicht gebe, sei eine Blaupause für das richtige Handeln, das sei vor der Deutschen Einheit nicht anders gewesen. (aqu)

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