Flugsportvereinigung in Ziegenhain

Jugendliche der Drogenhilfeeinrichtung in Leimbach flogen mit Segelflieger

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Zehn Jugendliche der Jugendhilfe Leimbach durften das Segelfliegen kennenlernen. Das außergewöhnliche Erlebnis ermöglichte die Flugsportvereinigung der Schwalm. Das Foto zeigt die Vereinsmitglieder Rainer Nöll, Fluglehrer Gerhard Glaessel, Jugendleiter Johannes Haust und Fluglehrer Jürgen Knüppel. Die Jugendlichen wurden von den Betreuern Joost Loendersloot, Bernhard Fielenbach und Günter Felgenhauer begleitet.

Ziegenhain/Leimbach. Für einige war es eine Premiere: Die Flugsportvereinigung in Ziegenhain lud zehn Jungen der Jugendhilfe zum Fliegen ein.

„Auch die Freizeitgestaltung will gelernt sein“, sagt Bernhard Fielenbach, der mit zehn Jugendlichen der Jugendhilfe Leimbach vom Hof Fleckenbühl zum Segelfliegen auf den Flugplatz der Flugsportvereinigung in Ziegenhain gekommen ist.

„Neben allen Pflichten und Regeln, die unsere Jugendlichen beachten und erlernen müssen, muss es auch schöne Erlebnisse geben“, sagt der pädagogische Leiter Fielenbach. Die Jugendlichen lebten meist nicht freiwillig in der Jugendhilfe-Einrichtung, hätten sie doch meist ernsthafte Suchtprobleme und Gewalterfahrungen hinter sich, sodass das Leben in der Jugendhilfeeinrichtung angeordnet wurde.

In diesem Jahr haben beispielsweise fünf Jugendlichen einen Realschulabschluss mit Note 2 geschafft. Gerade in den Ferien brauche es aber auch Erlebnisse außerhalb des Schulalltages, die den Jungen Perspektiven, Freude und vielleicht auch neue Lebensziele aufzeigen.

Viele waren noch nie geflogen

„Viele Jungs der Gruppe sind noch niemals geflogen, sie sind unglaublich aufgeregt und freuen sich auf dieses außergewöhnliche Erlebnis“, weiß Erzieher Joost Loendersloot. Die meisten hätten nur „Höhenflüge der anderen Art“ im Rahmen ihrer Drogenkarrieren kennengelernt. So stiegen die Jungs im Alter von 14 bis 21 Jahren mit mulmigen Gefühlen in den Motorsegler und kehrten mit strahlenden Gesichtern zurück.

„Das war echt cool. Wir sind über den Knast weggeflogen“, erzählte Dominik, der sich als erstes in den Flieger gewagt hatte und eine Runde über die Schwalm drehen durfte. Am Steuerknüppel saß Fluglehrer Gerhard Glaessel, der als Jugendrichter die Problematiken der Jugendlichen nur allzu gut kennt.

„Segelfliegen kann ein Hobby für jedermann sein. Jugendliche können mit einem Monatsbeitrag von 30 Euro schon dabei sein und das Fliegen erlernen“, erklärte Vereinskassierer Rainer Nöll. Die Flugsportvereinigung hatte den Fleckenbühlern den Flugnachmittag zu Sonderkonditionen ermöglicht. „Wer weiß, vielleicht ist ja einer dabei, der hier seine Flugleidenschaft entdeckt und so eine neue Motivation für sein Leben findet“, meinte Nöll.

Mindestens 18 Monate in der Einrichtung

Den Kontakt zwischen Verein und Jugendhilfe hatte Günter Felgenhauer vermittelt, der die Arbeit der Fleckenbühler unterstützt und gerade als ehemaliger Mitarbeiter des Arbeitsamtes hilft, den Jugendlichen berufliche Perspektiven aufzuzeigen. 

„Bei der Suche nach Praktikas und Ausbildungsplätzen zählen die Kontakte in der Region“, sagt Felgenhauer, der als Vereinsmensch auch schon erfolgreich Kontakte zu Sportvereinen knüpfte. Einer der Jungs spiele beispielsweise inzwischen aktiv Fußball im Verein. „Die Energien der Jungs müssen in sinnvolle Aufgaben fließen. Langeweile birgt Gefahren für Dummheiten“, so die Betreuer.

Meist verbringen die Jugendlichen mindestens 18 Monate in der Einrichtung in Leimbach. „Es braucht Zeit bis neue Lebenskonzepte verankert sind“, sagt Bernhard Fielenbach, der mit seinem Team und seinem Konzept auf eine hohe Wiedereingliederungsquote stolz sein kann.

Von Regina Dörhöfer

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