Drei-Gänge-Menü als Abschlussprüfung 

Häftlinge der JVA Ziegenhain haben Umschulung zum Koch absolviert

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Will sich als Koch eine Perspektive aufbauen: Thorsten (links) und Ausbildungsleiter Gerd Conradi bei der Abschlussprüfung zum Koch in der JVA Ziegenhain. 

Ziegenhain. Kochen, anrichten und servieren – und das alles in der Justizvollzugsanstalt Ziegenhain. Dort haben in dieser Woche sechs Häftlinge ihre Abschlussprüfung zum Koch abgelegt.

Thorsten ist etwas im Stress. Er rührt ein Schmand-Dressing für seinen Feldsalat an. Der 37-Jährige muss ein wenig nachwürzen. Salz, Pfeffer, ein paar Kräuter. Dann passt alles. Der Feldsalat ist Teil der Vorspeise eines Drei-Gänge-Menüs, das Thorsten an diesem Tag zubereitet. Er steht in keiner gewöhnlichen Küche eines Restaurants. Sein Arbeitsplatz ist die Lehrküche der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ziegenhain.

Thorsten sitzt eine Haftstrafe ab und absolviert eine Umschulung zum Koch. Das Drei-Gänge-Menü ist die Abschlussprüfung, die er unter Beobachtung von vier Prüfern der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg ablegt. Er sei zu Beginn seiner Haftzeit Vater geworden, erzählt Thorsten. „Ich will mir eine Perspektive aufbauen, um für mein Kind sorgen zu können“, antwortet der 37-Jährige auf die Frage, warum er sich für die verkürzte Ausbildung entschieden habe.

Einzigartig im Männervollzug in Hessen

Für die Umschulung zum Koch können sich Häftlinge aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland bewerben. Das Angebot sei im Männervollzug in Hessen einzigartig, sagt Georg Bode vom Berufsfortbildungswerk, das als Träger die Umschulung anbietet und organisiert. Die verkürzte Ausbildung wird durch das hessische Justizministerium und mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert. Jedes Jahr werden bis zu acht Plätze vergeben.

Alle Häftlinge haben die Abschlussprüfung bestanden, darunter auch Serdar.

Die Häftlinge sollten sich im letzten Drittel ihrer Haftstrafe befinden, erklärt Ausbildungsleiter und Küchenchef Gerd Conradi, der bei dem Angebot die Resozialisierung betont. „Sie sollten die JVA zeitnah verlassen und auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.“ Auch Thorsten hat seine Strafe nach vier Jahren fast abgesessen. Bald wird er entlassen. „Vielleicht sogar schon im Februar“, sagt er. Einen Job habe er auch schon in Aussicht.

JVA-Beamter überwacht die Prüfung

In der Lehrküche der JVA folgt Thorsten einem Ablaufplan. Diesen mussten alle sechs Häftlinge kurz vor der Prüfung erstellen. Der Plan wird von den Prüfern genauso bewertet wie ein gastorientiertes Gespräch. Dabei müssen die Häftlinge etwa Auskunft über Allergene in ihren Gerichten geben. Sie werden dabei ständig von einem JVA-Beamten beobachtet. Dieser passt unter anderem darauf auf, dass keine Gegenstände wie Messer eingesteckt werden.

Die Grundzutaten waren für alle Prüflinge gleich. Sie konnten aus einem Warenkorb aber zusätzliche Produkte wählen, um ihre Gerichte zu verfeinern. 

Die Grundzutaten wurden für alle sechs Prüflinge festgelegt. Mit zusätzlichen Produkten können die Häftlinge ihre Gerichte verfeinern. Thorsten hat sich für geschmorte Wildschweinkeule mit glasierten Möhren und Serviettenknödeln als Hauptspeise entschieden. Kurz nach dem Servieren erhalten alle Prüflinge bereits eine gute Nachricht: Sie haben bestanden.

Menü im Überblick

Als Vorspeise sollten die Häftlinge einen Feldsalat mit Forelle servieren. Im Hauptgang mussten sie eine Wildschweinkeule verarbeiten. Und als Dessert sollte ein Gebäck aus Brandmasse mit einer Zitruscreme angerichtet werden. Die grundlegenden Zutaten waren für alle Prüflinge gleich. Zusätzliche Produkte standen jedoch zur Verfügung. 

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