Renigard Ries erinnert sich an den Schwälmer Grafiker und Maler

Ehemalige Nachbarin: "Vincent Burek war eben ein Künstler"

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Wand- und Fassadengestaltung: In und an diversen öffentlichen Bauten setzte Vincent Burek (Foto) Aufträge um.

Ziegenhain/Loshausen.Das Verschwinden des Burek'schen Wandbildes am Schwalmgymnasium hat bei einigen die Erinnerung an den Künstler hochgespült. Eine Zeitzeugin erzählt. 

Die kleine Renigard Feldpausch besuchte Nachbarstochter Carina zu gern. Man lebte Mietsblock an Mietsblock am Bunten Bock in Ziegenhain, die beiden Mädchen waren Klassenkameradinnen. „Herzlich, zugewandt, großzügig“ – Renigard ist heute 66, lebt in Loshausen, aber die Erinnerung an Vincent Burek, seine Frau Dorle und ihre beiden Kinder ist frisch und überschwänglich. „Und er, er war einfach ein Künstler.“

Renigard Ries wohnte einst neben Vincent Burek. 

In der bescheidenen Wohnung sei davon wenig zu bemerken gewesen, sein Atelier hatte der exquisit ausgebildete Oberschlesier damals in der Kasseler Straße im Haus Elektro-Dietz. Bei den Bureks sei es einfach nur schön gewesen, das wenige, das es gab, wurde ohne Umschweife mit allen Gästen geteilt, erzählt Renigard Ries. Manchmal war ein Paket von einer spendablen Familie eingetroffen, die den Bureks, die mit Nichts in der Schwalm anfingen, unter die Arme griff.

Vincent Burek arbeitete als Bademeister

Sommers strömten alle Kinder ins alte Freibad, „Wir hatten 20 Pfennig in der Hand, zehn Pfennig für den Eintritt, zehn für ein „Nappo“ (rautenförmige Schokoladenschnitte), die verkaufte uns Bademeister Burek.“

Manchmal fuhr Vincent Burek weg, Tochter Carina berichtete von den Studienreisen ihres Vaters nach Spanien und auf den Balkan, die Ziegenhainer Mädchen hörten staunend zu. Oder sie aßen zum ersten Mal Paprikagerichte am Esstisch der Bureks. Wie man dieses selbstverständlich selbst gezogene Gemüse zubereitet, das war in jenen Tagen kaum einem Nordhessen bekannt.

Heute hat Renigard Ries wie so viele ihre Bureks an der Wand ihres Hauses, den bekannten „Jungen mit Katze“ zum Beispiel. Die Linolschnitte fanden als Kunstmappendrucke in den Siebzigern und Achtzigern weite Verbreitung in der Schwalm und darüber hinaus. Der Verlust des Fassadenbildes aus Bureks Hand am Schwalmgymnasium hat Renigard Ries richtig auf die Palme gebracht, „ich hoffe, viele Menschen empören sich darüber“.

Sie ist überzeugt, dass das Andenken Vincent Bureks und seiner Kunst unbedingt hochgehalten werden muss, nicht nur aber auch, weil er ein so umgänglicher, gutherziger und gastfreundlicher Mann war. Und eben ein echter Künstler.

Bureks Sohn bedauert die Sanierung

Für Vincent Bureks Sohn Marcus (Gladenbach) ist die „Wegsanierung“ des Wandbildes („Sgrafitto“) am Schwalmgymnasium eine Respektlosigkeit, wie er der HNA schrieb. „Gleichwohl wird die Frage berechtigt sein, ob nicht die Schule selbst wie auch der Landkreis keine Archive führen, die vor der Ausführung derartiger mit Vernichtung von künstlerischen Werken einhergehenden Baumaßnahmen befragt werden könnten.“ 

Vincent Bureks Grab (1920 bis 1975): Er ist auf dem Ziegenhainer Friedhof beigesetzt, zusammen mit seiner Frau Dorle.

Per E-Mail aus einem Auslandaufenthalt teilte Marcus Burek weiter mit, dass seine Mutter 1996 verstarb und gemeinsam mit dem schon 1975 gestorbenen Vater auf dem Ziegenhainer Friedhof beigesetzt ist. „Leider ist meine Schwester Carina auch vor einigen Jahren in Berlin verstorben. Ich selbst habe fünf Enkel, von denen einer, mittlerweile zwei Jahre alt, auch Vincent Burek (jr) heißt“, schreibt der Sohn des Künstlers weiter.

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