Klage über Lärm und Erschütterungen in denkmalgeschützten Häusern

Ziegenhain: Anlieger wollen Busverkehr loswerden

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Wollen jetzt Druck machen: Diese Anlieger klagten Bürgermeister Stefan Pinhard (Mitte) ihr Leid und überreichten ihm einen beim Drüberfahren herausgesprengten Pflasterstein – als mahnenden Briefbeschwerer.  

Ziegenhain. Den Anliegern der Kasseler Straße in Ziegenhain platzt der Geduldsfaden: Sie wollen den Linien- und Schulbusverkehr loswerden oder ihn zumindest bremsen und reduzieren, und das bereits seit vier Jahren. 

Jetzt wollen sie ernst machen und haben Bürgermeister Stefan Pinhard und Ordnungsamtsleiterin Doris Heinmüller ihre Forderungen unterbreitet.

Was stört die Anlieger denn so sehr?

Sie beklagen Lärm und Erschütterungen in ihren denkmalgeschützten Häusern. Bis zu 50 schwergewichtige Vehikel fahren laut ihrer Angaben täglich durch ihre gepflasterte 30-er-Zone mit oft viel höherem Tempo und entsprechend laut. Dabei würden die Fahrer häufig auf die Gehwegbereiche steuern, besonders im Busbegegnungsverkehr. Ein Anlieger sagte: „Wir wollen nicht über den Haufen gefahren werden vor unserer eigenen Haustür.“

Wohin sollen die Busse denn ausweichen?

Die Anlieger verstehen nicht, dass sie nicht die Umgehungsstraße zwischen Shell-Tankstelle und dem Abzweig Niedergrenzebach benutzen (B 254).

Und warum fahren die Busse nicht auf der Umgehung?

Laut Ordnungsamtschefin Heinmüller argumentieren NVV und NSE (Nordhessischer Verkehrsverbund und Nahverkehr Schwalm-Eder), dass der Zeitverlust zu groß wäre, der Umweg würde jährlich bis zu 30 000 Euro kosten.

Ist denn dort schon etwas passiert?

Die Anlieger berichten von starken Erschütterungen und Rissbildungen an ihren Häusern, dabei wollten junge Leute im Quartier wohnen und investieren. Ein Schüler erzählte, dass er von einem Bus umgestoßen wurde, die Polizei habe das nicht geahndet, weil er unverletzt geblieben war. Seitdem haben Eltern noch mehr Sorge.

Wenn das Problem schon so lange besteht, warum geschieht dann nichts?

Laut Doris Heinmüller wurden von den Aufgabenträgern NSE und NVV des Öfteren Verbesserungen versprochen, aber es änderte sich bei keinem Fahrplanwechsel.

Was sagt der Bürgermeister?

Stefan Pinhard sagte den Anliegern bei ihrem Protest im Rathaus Ziegenhain, die Kasseler Straße sei für die beschriebenen Belastungen nicht ausgelegt. Er will die Situation innerhalb von vier Wochen neu prüfen lassen, auch die mögliche Streichung von Bushaltestellen. Sogar ein Durchfahrtsverbot für Busse soll gecheckt werden.

Würde es helfen, wenn die Straße zur Anliegerstraße erklärt würde?

Doris Heinmüller sagt nein, das sei kaum zu überprüfen. Auch nach dem Umbau 1995 blieb die Kasseler Straße eine gewöhnliche öffentliche Straße, das Viertel ist kein Wohngebiet. Früher fuhren dort bis zu 3000 Lkw täglich, das empfanden manche Anlieger als erträglicher, weil die Bürgersteige erhöht waren und die Fahrbahn asphaltiert. Heute sind das ebene „gemischte Verkehrsflächen“.

Was ärgert die Leute sonst noch?

Manche Busfahrer würden sich wie die Platzhirsche aufführen und sogar Mülltonnen umfahren, Fußgänger und Behinderte müssten zur eigenen Sicherheit die Straßenseiten wechseln. Busse würden sich im Begegnungsverkehr regelrecht verkeilen. Wegen der Überbelastung bräche immer wieder Pflaster heraus. Die Bodenwerterhöhung in der Kasseler Straße (Ausgleichsbetrag für Stadtsanierung) sei nicht gerechtfertigt unter diesen Verhältnissen.

Wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?

Am 1. Juni will man zusammenkommen, um zu erfahren, wie es weitergeht.

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