Schimmel und kaputte Terrassentür

Ziegenhainerin wohnt in einer kommunalen Wohnung mit Renovierungsstau 

+
Karin Zimmer wohnt in einer Wohnung der Schwalmstädter Kommunalen Wohnungsgesellschaft in Ziegenhain in der Albert-Schweitzer-Straße.

„Ich kann bald nicht mehr.“ Karin Zimmer ist erschüttert über den Zustand ihrer Wohnung und den Umgang des Vermieters mit ihr.

Sie ist verzweifelt. So verzweifelt, dass sie während des Gesprächs zu weinen beginnt. Eigentümer ihrer Wohnung in der Albert-Schweitzer-Straße in Ziegenhain ist über die Kommunale Wohnungsgesellschaft (KWS) die Stadt Schwalmstadt.

Die 53-Jährige ist auf Barrierefreiheit angewiesen

Seit 1995 wohnt Karin Zimmer mit ihrem Mann in dem KWS-Gebäude. Schlafzimmer, Wohnküche und Bad im Erdgeschoss mit einer Terrasse. Auf Barrierefreiheit ist die 53-Jährige angewiesen. 

Infolge eines Sauerstoffmangels bei der Geburt sitzt sie im Rollstuhl. Sie leidet an Tetraspastik. Insbesondere an ihrer rechten Körperhälfte machen sich die Lähmungserscheinungen bemerkbar. Außerdem sind innere Organe von einer Deformation ihrer Wirbelsäule betroffen. 

Erst vor drei Jahren hatte sie nach einer Operation eine Lungenembolie, auch die Folgen einer Borreliose machen ihr zu schaffen. Trotzdem versucht sie, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das ist ihr insbesondere in einer behindertengerechten Wohnung möglich.

„Hier ist nichts mehr heile und nichts mehr ganz“, beschreibt sie den Zustand ihrer Wohnung in dem Mehrfamilienwohnungskomplex in der Albert-Schweitzer-Straße. Dort wird tatsächlich ein erheblicher Renovierungsstau sichtbar. 

Viele Schimmelstellen weist das fensterlose Badezimmer auf.

Die Wohnung insgesamt wirkt ordentlich und sauber. Das fensterlose Bad ist zwar sehr geräumig, aber insbesondere um den Duschbereich schwarz vor Schimmel. Am gegenüberliegenden Ende des Raumes soll gerade mal eine untertassengroße Öffnung in der Wand die Belüftung regeln. 

Im Schlafzimmer Schimmel an den Wänden, auch an Rollogurten zeugen Stockflecken von regelmäßiger Feuchtigkeit. Die Terrassentür ist im unteren Bereich komplett verfault. Dort dringe bei starkem Regen regelmäßig das Wasser ins Wohnzimmer, erzählt die Ziegenhainerin.

Der Bürgermeister hat zwei Mal eine Änderung versprochen

In den Schwalmstädter Gremien wird derzeit über den Fortbestand der Wohnungsbaugesellschaft diskutiert. Karin Zimmer ist überzeugt: „Wenn man den Zustand dieses Hauses von innen sehen würde, gebe es keine Käufer“.

Die 53-Jährige wünscht sich „einen Vermieter zu haben, zu dem man Vertrauen haben kann, und den man ansprechen kann“. Genau das klappt aus ihrer Sicht mit der Stadt Schwalmstadt nicht. 

Zwei Mal habe sich Bürgermeister Stefan Pinhard persönlich vor Ort ein Bild von der Situation verschafft. „Er hat versprochen, dass sich etwas ändert – passiert ist nichts.“

Regen dringt ein , weil die Terrassentür verfault.

Seit März vertritt Rechtsanwalt Alexander Knapp die Zimmers in dieser Angelegenheit. Aber auch er steht bei der Stadt vor verschlossenen Türen, berichtet von erheblichen Kommunikationsproblemen. 

Mehrfach habe er seitdem die Stadt angeschrieben. „Außer einer Eingangsbestätigung gibt es null Reaktion“, sagt Knapp.

Karin Zimmer indes weiß nicht, wie es weitergehen soll. „Ich könnte alles liegenlassen“, sagt sie und weint.

Das sagt der Bürgermeister: Die Handwerker fehlen

„Renovierungsstau in unserem KWS-Wohngebäude ist bekannt“, so Bürgermeister Stefan Pinhard. Er bestätigt zwei Mal vor Ort gewesen zu sein und die weiteren Schritte erläutert zu haben. Er habe auch l darauf hingewiesen, dass der erforderliche Austausch der Fenster an der Südfassade vordringlich bearbeitet wird und die damit verbundenen Kosten zunächst von der Stadtverordnetenversammlung zu genehmigen seien. Die bauliche Umsetzung sei wegen der konjunkturbedingten Auslastung im Bausektor bisher noch nicht möglich gewesen.

Hintergrund: Gesellschaft schreibt rote Zahlen

Das Gebäude in der Albert-Schweitzer-Straße in Ziegenhain ist das jüngste im Bestand der KWS (Kommunale Wohnungsgesellschaft Schwalmstadt), die tief in den roten Zahlen steckt. Der Komplex wurde 1994 errichtet. Die einzige größere Maßnahme an dem Fünf-Parteien-Haus war bislang eine Fassadensanierung. Erst im Mai beschloss das Stadtparlament den Austausch der maroden Holzfenster. Mieter hatten seit Längerem über Funktionsmängel geklagt. Die KWS besitzt aktuell noch 68 Wohnung. Seit ihrer Gründung vor 27 Jahren ist die Gesellschaft ununterbrochen defizitär.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.