Sollinger schicken im Ersten Weltkrieg Liebesgaben an die Front

Der Vaterländische Frauenverein Schoningen: Auf diesem von Heinrich Scholz zur Verfügung gestellten Foto stricken Frauen Soldatenstrümpfe für die Front. Sie trafen sich wöchentlich im Pfarrhaus. Foto: nh

Uslar. Am Beginn des Ersten Krieges spendeten die Einwohner des Sollings begeistert. Die eingezogenen Soldaten überschüttete man mit Geschenken und Lebensmitteln. Auf einem Nebengleis in Uslar wartete 1914 ein Truppentransport auf die Weiterfahrt. Die Uslarer reichten den Soldaten so viele Päckchen in den Waggon, dass sie die Geschenke später wieder aus dem Zug warfen.

So lieferte zum Beispiel Schönhagen nach den Aufzeichnungen des Hauptlehrers Meyer „zur Verpflegung der durch Uslar kommenden Truppen 125 Pfund harte Mettwurst, 30 Pfund Schinken, 5 Pfund Butter, 10 Stück Sülze und einige Brote“ ab.

Sehr schnell zog dann jedoch der Mangel an der Front und in der Heimat ein. Da alle mit einem kurzen Feldzug rechneten, hatte man keine größeren Vorräte angelegt. Trotzdem schickten die Daheimgebliebenen Wurst, Zigarren, Marmelade und Schreibpapier zu ihren Vätern und Söhnen an die Front.

Bald herrschte aber Mangel

Sonderausstellung
im Museum Uslar: 

„Stahlgewitter und Steckrübensuppe. Die Sollinger im Ersten Weltkrieg“

Dienstag bis Sonntag
jeweils von 15 bis 17 Uhr

Kontakt: 

touristik@uslar.de
Telefon 05571-307220

Mit dem einbrechenden Winter mangelte es im Schützengraben auch immer mehr an warmer Kleidung. Deshalb fertigte und sammelte man nun die so genannten „Liebesgaben“ im großen Stil. Auf Initiative von Pastor Lauenstein gründeten deshalb Frauen aus Schoningen einen „Vaterländischen Frauenverein“. Etwa 15 bis 25 Frauen trafen sich wöchentlich im Pfarrhaus, um gemeinsam Strümpfe, Schals und Handschuhe für die Front zu stricken.

Dabei war es wichtig, dass sie Fausthandschuhe mit separaten Zeigefingern strickten, denn nur so konnten die Soldaten damit den Abzug ihrer Gewehre betätigen. Beim gemeinsamen Stricken lasen sich die Frauen Feldpostbriefe vor oder sangen kirchliche und patriotische Lieder. An einige Zeilen erinnerte sich später Karl Fricke sen. (1893 - 1987): „Zur Liebesarbeit sind wir hier, Soldatenstrümpfe stricken wir. Wir stricken Strümpfe nicht allein, wir stricken gute Wünsche ein.“

Auch in Uslar und anderen Ortschaften strickten die Frauen gemeinsam oder nähten Decken für die Front. Im Handarbeitsunterricht beteiligten sich zudem die Schülerinnen an der Herstellung der Liebesgaben. Unter dem Titel „Wie strickt man Soldatenstrümpfe?“ veröffentlichten die Sollinger Nachrichten eine detaillierte Anleitung zum Stricken der Strümpfe.

Das Rote Kreuz sammelte die Spenden und sorgte für die Verschickung. Die 44 Pakete, die am 23. Oktober 1914 von Schönhagen aus an die Front geschickt wurden enthielten jeweils: eine Leibbinde, ein paar Strümpfe, ein Paar Knie- und Pulswärmer sowie eine harte Mettwurst. Der Kriegerverein legte den Sendungen an seine Mitglieder noch ein Dutzend Zigarren, eine Schachtel Zigaretten, Tabak und Schokolade bei.

Schüler basteln Brieftaschen

Die Mitglieder des Turnvereins erhielten ein Dutzend Zigarren zusätzlich. Besonders viele Päckchen mit Liebesgaben fanden zu christlichen Feiertagen den Weg ins Feld. In ihnen befanden sich oft kleine Geschenke, wie die Brieftaschen, die Volpriehäuser Schüler mit ihrem Lehrer bastelten und mit einem Eisernen Kreuz bemalten.

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