Ärger beim Herzsport: SC Schoningen muss speziellen Kurs einschränken

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Es geht nur eingeschränkt weiter: Die Koronarsportgruppe des SC Schoningen, vorn links mit Sportleiterin Rita Riemenschneider, wird es künftig nur noch für diejenigen geben, die ein entsprechendes Attest vorlegen. Die ärztliche Betreuung während des Sports gibt es nicht mehr.

Schoningen. Nach fast 30 Jahren muss der SC Schoningen eigenen Angaben zufolge eines der wichtigsten Angebote im Gesundheitssport einstellen.

Die 1987 gegründete Koronarsportgruppe (Herzsportgruppe) mit ärztlicher Betreuung wird es nach den Sommerferien in der bisherigen Form nicht mehr geben. Das teilen Sportleiterin Rita Riemenschneider und Vorsitzender Jörg Grabowsky mit.

Dabei geht es um die vorgeschriebene Anwesenheit eines Arztes während des Koronarsports. Zuletzt hätten nur noch drei Ärzte für diese Aufgabe zur Verfügung gestanden. Diesen Aufwand wolle der SC aber niemandem zumuten.

Dennoch geht es beim SC mit dem Sportangebot für herzkranke Menschen eingeschränkt weiter: Die große Gruppe werde geteilt. Die künftigen Teilnehmer müssen ein Attest vorlegen, dass sie in der Lage sind, diesen Sport auszuüben.

Sport nach Vorschädigung

Beim Koronarsport geht es nicht einfach nur ums Sport treiben, um Spaß zu haben, berichten Rita Riemenschneider und Jörg Grabowsky. Viele der Teilnehmer nehmen dieses Angebot an, weil beispielsweise eine Vorschädigung des Herzens vorliegt und daher sehr behutsam und unter genauer Anleitung Sport getrieben werden muss. Auf der einen Seite soll die körperliche Fitness erhalten bleiben. Auf der anderen Seite soll der Körper nicht über Gebühr belastet werden.

Alle Koronarsportler mit einer Verordnung können und dürfen aber nicht mehr teilnehmen. „Eine unglaublich ärgerliche Situation“, kritisieren Rita Riemenschneider und Jörg Grabowsky.

Die Krankenkassen unterstützen und fördern das regional einmalige Angebot des SC Schoningen, in das auch der SC viel investiert habe. Jahrelang sei das Konzept gut aufgegangen, vor allem, weil die Uslarer Ärzteschaft das Angebot gut unterstützt habe. Doch zum Beispiel Ruhestand und wachsende Arbeitsbelastung auf Seiten der Ärzte haben dieses Bild gewandelt, heißt es. Betroffene müssten jetzt nach Northeim, Einbeck oder Göttingen ausweichen.

Rita Riemenschneider und Jörg Grabowsky berichten von zahlreichen Rettungsversuchen. Sie waren aber vergebens. Den Einsatz einer Rettungswagenbesatzung lehne der Turnerbund ab mit dem Hinweis, dass die Verantwortlichen im SC mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt kämen, falls etwas passiert und kein Arzt anwesend ist.

Notarzt wurde abgelehnt

Auch die Verlegung des Notarztes für 90 Minuten nach Schoningen sei abgelehnt worden. Viele Gespräche, unter anderem mit umliegenden Krankenhäusern, hätten zu keinem zufrieden stellenden Erfolg geführt. Als besonders ärgerlich bezeichnet der SC, dass ein Arzt im Ruhestand bereit war, regelmäßig Dienste zu übernehmen, der Berufsverband aber aus Haftungsgründen abgeraten habe.

SC-Chef Grabowsky kritisiert die bürokratischen Hürden. Und: Ehrenamtlich sei das mittlerweile nicht mehr zu leisten „und offensichtlich auch nicht gewollt“. (fsd)

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