Experten bestätigen: Doktorarbeit des Uslarer Stadtarchivars ergänzt die Glasforschung

Althaus beweist Spürsinn

Glasforschung in Uslar: Dr. Christan Leiber, Dr. Daniel Althaus und Bürgermeister Torsten Bauer in der ersten Reihe bei der Präsentation der Doktorarbeit von Daniel Althaus in der Halle des Alten Rathaus. Foto: Porath

Uslar. Mit seiner Doktorarbeit „Die Fabrik im Wald. Glas und Spiegel aus Amelith und Polier“ schließt Daniel Althaus eine Lücke in der Glasforschung, an die sich bislang kein anderer Historiker herangewagt habt. Das sagte Dr. Christian Leiber, Holzminden, als Festredner der feierlichen Präsentation in der Halle des Alten Rathaus in Uslar.

Bürgermeister Torsten Bauer freute sich, neben dem Autor und Dr. Christian Leiber, Kreisarchäologe in Holzminden und Leiter des Kulturzentrums Schloss Bevern, die Nachfahren jenes Mannes zu begrüßen, der die Glashütte in Amelith erst in eine Spiegelglashütte verwandelte und sich selbst dank seines großen Erfolgs schließlich vom Kaufmann Ernst Jacob Eckhardt in den offiziell geadelten Herrn von Eckardstein.

Nicht nur dessen Geschichte und die Geschichte der Glashütte mit ihren verschiedenen Pächtern und Besitzern erscheint geradezu abenteuerlich, auch die der Recherche für die Doktorarbeit. Die Spiegelglashütte zu erforschen, galt in der Historikerzunft als Wagnis, die Quellenlage als prekär. Krieg und Hochwasser hatten im Landesarchiv in Hannover nur noch wenige Aktenstücke zu dem einst landeseigenen Betrieb übrig gelassen.

Althaus musste deshalb erst einmal detektivischen Spürsinn entwickeln. In den Nachfahren der Besitzerfamilien sowie weiteren Privatpersonen fand er schließlich den Schatz an Papieren und Unterstützung, die nötig waren, um die Arbeit zu vollenden.

Kaufleute bringen Aufschwung

Festredner Dr. Christian Leiber, dass die Gründe, warum Betriebe scheitern, sich seit 300 Jahren nicht verändert haben.

Eine mangelhafte Infrastruktur mit schlechten Straßen, Behörden, die viel zu langsam auf veränderte Umstände reagieren, Wirtschaftsspionage, Misswirtschaft, Fachkräftemangel, Kriege und andere Katastrophen gab es schon, als der zunächst staatliche Betrieb einer Glashütte 1776 gegründet wurde.

So musste der erste Pächter unter anderem deshalb aufgeben, weil das Glas schon den kurzen Weg mit dem Leiterwagen von Amelith nach Bodenfelde nicht unbeschadet überstand und nur noch Scherben am Hafen ankamen.

Mit Ernst Jacob Eckhardt aus Münden und Isaak Carios aus Amsterdam übernahmen 1779 erstmals zwei Kaufleute den Betrieb. Carios stieg bald wieder aus, Eckhardt brachte den Betrieb zu nie geahnter Blüte. Dafür stoppte er den Betrieb des Grünofens, der billiges Flaschenglas produzierte, und setzte ganz auf das Luxusgut Spiegel, die in Polier geschliffen wurden und die er in alle Welt verkaufte. Eckhardt holte Arbeitskräfte ins Land, gründete eine Schule für den Nachwuchs und änderte eigenmächtig Nachfolgeregelungen, die seinen Betrieb gefährden konnten.

Die Konkurrenz-Glashütte in Grünenplan spähte er erst aus, bevor er ihre Märkte angriff und die Hütte schließlich übernahm und abwickelte. Als der schlaue Kaufmann erkannte, dass das starre Kastensystem im Königreich Hannover seinen gesellschaftlichen Aufstieg nicht vorsah, verließ er das Land Richtung Preußen, wo er schnell in den Adelsstand erhoben wurde.

Amelith-Polier hatte er seinen Verwaltern überlassen, die die Hütte zusammen mit Grünenplan erst zu einer kurzen Blüte, dann aber nach und nach in den Niedergang führten. Der endete unter dem letzten Besitzer schließlich spektakulär. Er sah nur noch eine Möglichkeit, sich vor dem Konkurs zu retten und steckte sein eigenes Gut in Brand.

Noch viel mehr Daten, Geschichten und Bilder gibt es in dem Buch von Daniel Althaus „Die Fabrik im Wald. Glas und Spiegel aus Amelith und Polier“. Es ist erschienen im Verlag Jörg Mitzkat und für 22,50 Euro im Buchhandel zu kaufen. (zyp)

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