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Altlasten der Ex-Firma Buder bereiten beim Neubau der Bundesstraße Problem

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Von: Jürgen Dumnitz

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Naturbach im Kerbtal bereitet Straßenbauern Sorgen: Das Wasser aus dem kleinen Bach wird vor der schon aufgebauten Straßentrasse und der parallel verlaufenden Bahnlinie aufgestaut und per Dieselpumpen in ein höher gelegenes Becken gepumpt. Vorgesehen ist eine mehrere Hundert Meter lange Tiefenbohrung (Spülbohrverfahren) unter den Aufschüttungen und der Altlasten-Halde auf der anderen Seite im Volpriehäuser Industriegebiet hindurch. Das Bohrloch soll verrohrt werden und das Bachwasser aufnehmen, das später in den Rehbach fließt.
Naturbach im Kerbtal bereitet Straßenbauern Sorgen: Das Wasser aus dem kleinen Bach wird vor der schon aufgebauten Straßentrasse und der parallel verlaufenden Bahnlinie aufgestaut und per Dieselpumpen in ein höher gelegenes Becken gepumpt. Vorgesehen ist eine mehrere Hundert Meter lange Tiefenbohrung (Spülbohrverfahren) unter den Aufschüttungen und der Altlasten-Halde auf der anderen Seite im Volpriehäuser Industriegebiet hindurch. Das Bohrloch soll verrohrt werden und das Bachwasser aufnehmen, das später in den Rehbach fließt. © Jürgen Dumnitz

Uslar/Volpriehausen – Eine weitere ehemalige Betriebsdeponie der früheren Firma Buder bereitet jetzt den Straßenbauern der neuen Bundesstraße 241 Probleme. Ein Bachlauf, der laut einer alten Landkarte von 1896 offen in einem Tal bis zum Rehbach II unterhalb der Pommernstraße plätscherte, wurde während der Betriebszeit der früheren Glashütte verrohrt.

Über Jahrzehnte verfüllten Mitarbeiter des Unternehmens dann das Tal mit allen Abfällen aus dem Betrieb, sagte Christian Etzler von der Göttinger Firma Awia Umwelt GmbH, die seit Jahren eine Filteranlage für gesammeltes Grundwasser vom Ex-Betriebsgelände an der Schachtstraße betreut.

Über der Deponie sei zum Abschluss nur eine Folie und eine 20 bis 30 Zentimeter dünne Erdbodenschicht verteilt worden. Eine 1989 geplante komplette und fachgerechte Abdeckung sei offensichtlich nicht umgesetzt worden.

Awia war von der Stadt Uslar als Eigentümerin des Areals mit der Untersuchung der inzwischen PAK-Halde (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) bezeichneten Deponie beauftragt. Am Dienstag erörterte Awia-Mitarbeiter Etzler in der öffentlichen Sitzung des Bau- und Brandschutzausschusses vor zwölf Zuhören im alten Rathaus den Sachstand.

Zutritt verboten: Ein Teil der abgesperrten ehemaligen Buder-Deponie wurde Anfang des Jahres untersucht. An der Oberfläche der Gefahrstoffhalde sei „keine Gefährdung“ anzunehmen, hieß es von Diplom-Geograf Christian Etzler.
Zutritt verboten: Ein Teil der abgesperrten ehemaligen Buder-Deponie wurde Anfang des Jahres untersucht. An der Oberfläche der Gefahrstoffhalde sei „keine Gefährdung“ anzunehmen, hieß es von Diplom-Geograf Christian Etzler. © Jürgen Dumnitz

Von der Straßenbaubehörde des Landes Niedersachsen wurden Probebohrungen und Untersuchungen der Gefahrstoffhalde beauftragt. Dabei wurde in etwa acht Meter Tiefe festgestellt, dass die Verrohrung zugesetzt ist und sich das Bachwasser „auf diffuse Weise bis ins Tal schlängelt“, sagte der Diplom-Geograf Etzler. Eine Kamerabefahrung scheiterte.

Der mit Gefahrstoffen belastete Bodenaushub wurde auf Kosten des Bundes auf eine Spezialdeponie transportiert und eingelagert und das Baggerloch mit anderem Boden aufgefüllt. Die Deponie sei jedoch nicht saniert. Das würde laut Etzler mindestens rund eine halbe Million Euro kosten.

Firma Awia
Firma Awia © Stadt Uslar

Geschätzt wird, dass die Deponie unterhalb der Bahnlinie im Volpriehäuser Industriegebiet rund 5300 Quadratmeter groß und vom einstigen Kerbtal bis zu neun Meter hoch aufgefüllt worden ist. Die Menge des Bodengemisches mit Gefahrstoffen wird auf bis zu 25 000 Kubikmeter geschätzt.

Nachgewiesen wurden typische Kokerei- und Produktionsabfälle wie Teer, Koks, Asche, Schamotte, Bleimennige, Arsen, weitere Schwermetalle, Glasreste, ölhaltige Schleifstäube sowie Bauschutt und anderer Müll. Bei früheren Untersuchungen Ende der 1980er-Jahre seien Mengen von 1184 Mikrogramm pro Kilogramm (mg/kg) – ab 30 mg/kg spreche man von „gefährlichem Abfall“ – festgestellt worden. Ob und was von diesen Gefahrstoffen in den Untergrund gelang, sei nicht bekannt.

Auch nicht, ob es zu einer Grundwassergefährdung kommt. Vor Jahren angelegte Kontrollschächte an der alten Bundesstraße hätten bisher keine Auffälligkeiten angezeigt, sagte Etzler. Damit das Bachwasser aus dem Wald und den Feldern darunter wieder auf dem kürzesten Weg bis zum Rehbach II gelangt, soll jetzt weit unter der Deponie im Spülbohrverfahren ein Loch mit einem Durchmesser von 1,40 Meter „gebohrt“ werden, das anschließend verrohrt wird.

So soll das Bachwasser vor der Bundesstraßen- und Bahntrasse durch ein Rohr bis weit ins Tal fließen können. Die Kosten von rund einer Million Euro teilen sich wohl der Bund als Träger der neuen Bundesstraße und die Stadt Uslar, hieß es im Fachausschuss. Foto: Jürgen dumnitz

Von Jürgen Dumnitz

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