Carsten Ilsemann will Beeren der winterharte Pflanze regional als Saft vermarkten

Aronia braucht viel Sonne

Erbsengroß: Aronia-Beeren wachsen am Strauch.

Wahmbeck. Bisher grasten auf den Wiesen von Carsten Ilsemann in der Nähe von Wahmbeck Pferde. Weil der 43-jährige Rechsanwalt mit Schwerpunkt Agrarrecht, der in Wolfenbüttel lebt, die Flächen seiner Großeltern nicht billig verpachten wollte, sondern mit für die Region eher ungewöhnlichen Pflanzen extensiv nutzen und höhere Erträge erzielen will, entschied er sich 2013 für den Anbau von Aronia-Pflanzen.

Seither wachsen die Setzlinge, die der Hobby-Landwirt aus Polen holte und selbst angepflanzt hat, auf etwa drei Hektar Fläche auf verschiedenen ehemaligen Feld- und Wiesenflächen. Insgesamt mittlerweile 20 000 Aronia-Sträucher, die bis über einem Meter groß werden sollen. Dieses Jahr lohnt sich die Ernte mit einer Spezialmaschine am Trecker des Jung-Unternehmers noch nicht, aber ab dem kommenden Jahr sollen die Beeren dann maschinell geerntet und anschließend auf dem großelterlichen Hof in Wahmbeck, auf dem sein Bruder Christian lebt, weiterverarbeitet werden.

Kaltgepresster Saft

In den nächsten Jahren soll der Ertrag auf bis zu fünf Tonnen gesteigert werden. Den Fruchtsaft will Ilsemann vermutlich kalt pressen lassen, „weil er so am besten schmeckt“, wie er herausgefunden hat, und dann regional vermarkten. Jüngst wurde seine Aronia-Plantage mit der Echt!-Solling-Vogler-Plakette ausgezeichnet, die das Tourismus-Zentrum des Vereins Solling-Vogler-Region (SVR) im Weserbergland als Regionalmarke vergibt.

Seine Aronia-Pflanzen gedeihen ohne Chemieeinsatz prächtig. Um die Pflege der Flächen (Mulchen) und Pflanzen (Jäten) kümmert sich Carsten Ilsemann selbst. Er hat Spaß am Treckerfahren und den Arbeiten in seinem landwirtschaftlichen Nebenbetrieb. Die eingesetzten Pflanzen können rund 20 Jahre lang genutzt werden, dann müssen sie ersetzt werden. Ansonsten gilt die Pflanze als genügsam. Nur Schatten mag sie nicht. Deshalb sei der Standort an den Weserwiesen ideal, sagt Ilsemann, der gern im Weserbergland ist, das er aus seiner Kindheit kennt.

Frost schade den aus Osteuropa stammenden Pflanzen nicht. Bundesweit wachsen sie laut Ilsemann auf 300 Hektar - in Südniedersachsen bisher nur auf seinen Flächen. Schön anzusehen seien die Aronia-Pflanzen während der Blütezeit Ende April, sagt Carsten Ilsemann

Selbstpflücktag

Für den kommenden Samstag, 5. September, lädt Carsten Ilsemann von 9 bis 16 Uhr zum Selbstpflücktag auf die Plantage am Weserbergland-Radwanderweg zwischen Wahmbeck und Karlshafen unterhalb der Ferienhaussiedlung am Hilkenberg nahe der Weser ein. Fünf Euro soll das Kilo der Beeren kosten.

HINTERGRUND

Die Strauchpflanze Aronia (Aronia melanocarpa) wird bis zu 1,50 Meter hoch, hat ihren Ursprung im östlichen Nordamerika, wird auch Apfelbeere genannt und gehört zur Familie der Rosengewächse. Die blau-rote Aronia-Beere gilt als Pioniergewächs.

Ein russische Botaniker brachte die Pflanzen zu Zuchtzwecken zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit in sein Land. Die erbsengroßen festschaligen Früchte werden seit einigen Jahren auch in Polen angebaut und kommen offenbar immer mehr nach Westeuropa. Im Weserbergland wachsen sie seit 2013 auf Flächen von Carsten Ilsemann, dem weitere Standorte in Südhessen bekannt sind. Etwa ab Ende August werden die Beeren geerntet und schmecken dann süß-säuerlich-herb. Die Beeren sollen einen hohen Flavonoid-, Folsäure, Vitamin-K- und Vitamin-C-Gehalt haben.

Die Aronia-Beeren wächst anspruchslos, mag aber keine schattigen Standorte. Eine Dolde bildet meist im Mai bis zu 20 Blüten. Die reifen Früchte schmecken als Saft und Wein, im Dessert und im Kuchen, als Eiscreme sowie in Salaten, Quarkspeisen, Chutneys, Marmeladen und im Likör. Sie können auch als Trockenobst gegessen werden. (jde)

www.weseraronia.de

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