Ausstellung in Volpriehausen: Pastor Kühnemund schwamm gegen den Strom

Um ihn geht es: Pastor Otto Kühnemund. Foto: nh

Volpriehausen. Am 26. November 1944 starb Otto Kühnemund, von 1929 bis 1944 Pastor in Volpriehausen, in einem Kriegslazarett. Die evangelische St.-Georg-Kirchengemeinde Volpriehausen nimmt den 70. Todestag dieses mutigen, heute vergessenen Mannes zum Anlass, um an sein Wirken zu erinnern.

Die Ausstellung „Gegen den Strom – Kirche in Verantwortung“ ist zugleich eine Auseinandersetzung mit der Entwicklung unserer Kirche und unserer Region in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, berichten die Organisatoren. Die Geschichte der Gemeinde im „Dritten Reich“ wird ergänzt durch Dokumente und Berichte aus unserer jüngeren Geschichte. Dabei geht es ebenfalls um gesellschaftliche Konflikte, bei denen sich unsere Kirche eingemischt hat.

212 Kirchenaustritte

Seit seiner Amtseinführung im Jahr 1929 beobachtete Otto Kühnemund mit großer Sorge die zunehmende Radikalisierung des politischen Lebens und den wachsenden Einfluss der Nationalsozialisten, heißt es. Bald waren Meinungsverschiedenheiten nicht zu übersehen, so dass die Gottesdienstbesucherzahl stetig zurück ging. Zwischen 1933 und 1944 traten 212 von 2400 Gemeindegliedern aus der Kirche aus.

Aus Kühnemunds Feder erschienen zahlreiche kritische Artikel über die Lage der Kirchen im national-sozialistischen Deutschland. Er war zwar nicht Mitglied der „Bekennenden Kirche“, bekannte sich aber zu ihr und kritisierte die von den Nationalsozialisten geförderten „Deutschen Christen“, die die nationalsozialistische Rassenlehre unterstützten und der Bewegung zuarbeiteten.

Der konservative Nazi-Gegner leistete Widerstand gegen die Gleichschaltung seiner Kirche und seiner Gemeinde und geriet dadurch im Dorf immer stärker in eine Außenseiterrolle. Die Bedrohungen gingen schließlich so weit, dass im Sommer 1943 Unbekannte einen Stein durch das Fenster ins Pfarrhaus warfen.

Steinwurf ins Pfarrhaus

In einem beigefügten Zettel wurde dem Pastor vorgeworfen, sich vor dem Waffendienst zu drücken. Er meldete sich daraufhin freiwillig zur Wehrmacht. Otto Kühnemund starb am 26. November 1944 in Kattowitz an einer Hirnhautentzündung.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 9. November, um 14 Uhr mit einem Gottesdienst in der Kirche Volpriehausen eröffnet und setzt sich in den Räumen des Gemeindehauses fort. Dort werden Kaffee und Kuchen für die Besucher angeboten.

Die Ausstellung, die bis zum 30. November im evangelischen Gemeindehaus zu sehen ist, ist Montag und Freitag von 9 bis 11.30 Uhr und jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 05573-244 geöffnet. (nh)

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