Autor Fadi Saad wirbt für Toleranz an der Sollingschule

Spannende Schulstunde: Der Deutsch-Araber Fadi Saad berichtete in der Uslarer Sollingschule über seine Vergangenheit als Mitglied einer Jugendgang, den Sinneswandel durch ein Wochenende im Jugendarrest und seine heutige Arbeit als Streetworker in Berlin. Foto:  Schmidt-Hagemeyer

Uslar. Lebensweisheiten sind Jugendlichen schwer zu vermitteln. Doch als Fadi Saad an der Uslarer Sollingschule aus seinem Leben erzählt, hören die Achtklässler zu. Der Streetworker aus Berlin-Neukölln ist als Kind einer palästinensischen Migrantenfamilie in Berlin geboren und aufgewachsen.

Schon früh machte er Erfahrung mit Diskriminierung und Gewalt. Als er an die Hauptschule kam, kannte er die Schüler, „die dort die Macht“ hatten, schon. Schüler, gegen die sich niemand – auch kein Lehrer – traute, etwas zu unternehmen. Der 34-jährige Saad sucht nach Anerkennung, fing an, sich zu prügeln, wurde Mitglied der Jugendgang „Araber Boys“.

„Könnt ihr euch vorstellen, dass sich hier heute Nachmittag die evangelischen und katholischen Schüler treffen und prügeln?“, fragt er die Jugendlichen aus Uslar. Die können sich das nicht vorstellen. „Wir (sunnitische und alevitische Muslims) sind aufeinander losgegangen“, erinnert sich der Berliner an seine Kindheit.

Angst und Respekt

Mit den Uslarer Haupt- und Realschülern redet er über Religionen, Angst und Respekt, Fremdenfeindlichkeit, Toleranz und Zivilcourage. Dabei liest Saad nur kurze Ausschnitte aus seinem Buch „Der große Bruder aus Neukölln.“ Zwischendurch schnappt er sich auch mal einen Schüler und droht, bis dieser sein Handy rausrückt. „Hast du Angst gehabt“, fragt Saad nach der real wirkenden Szene. „Nein, aber in echt wohl schon“, lautet die Antwort.

„Abziehen bedeutet nicht einfach, jemanden etwas wegzunehmen. Das ist ein Raubüberfall“, macht Saad klar. Eindringlich appelliert er an die Schüler, bei Gewalttaten nicht wegzusehen, sich aber auch nicht selbst zu gefährden, sondern die Polizei zu rufen und sich um das Opfer zu kümmern. Er selbst habe schon, bevor er mit 14 Jahren strafmündig wurde, „viel Mist“ gebaut. Eine Anzeige wegen Beleidigung, Nötigung und Körperverletzung brachte ihn mit 15 Jahren erstmals vor Gericht. Doch das Verfahren wurde eingestellt. „Es war fatal. Ich habe weiter gemacht, was ich wollte.“ Erst der achte Gerichtsprozess endete mit einer Verurteilung zu einem Wochenende Jugendarrest.

Sinneswandel im Knast

Die Zeit hinter Gittern führte zum Sinneswandel. Fadi Saad holte den Hauptschulabschluss nach, machte eine Ausbildung zum Bürokaufmann und arbeitet heute als Streetworker und Quartiersmanager in Berlin.

Doch nicht nur in Berlin versucht Saad - heute selbst Familienvater - die Jugendlichen aufzurütteln. Auch den Uslarer Schülern legte er ans Herz, sich nicht auf schwierige Umstände zu berufen, sondern selbst etwas aus ihrem Leben zu machen. „Es wird keiner kommen und euch etwas schenken.“ (shx)

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