Mitglieder des Uslarer Forums Kinderarmut diskutieren mit Bundestagsabgeordneten

Bildungspaket für Berlin

Bildungspaket für Bundestagsabgeordnete: Die Initiatoren der Berlinfahrt des Uslarer Forums Kinderarmut haben ihre Erfahrungen mit dem aus ihrer Sicht unzureichenden Bildungs- und Teilhabepakets aufgeschrieben und in einen Karton verpackt. Foto: Dumnitz
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Bildungspaket für Bundestagsabgeordnete: Die Initiatoren der Berlinfahrt des Uslarer Forums Kinderarmut haben ihre Erfahrungen mit dem aus ihrer Sicht unzureichenden Bildungs- und Teilhabepakets aufgeschrieben und in einen Karton verpackt.

Uslar. Mit gemischten Gefühlen, aber innerlich gestärkt, starten am morgigen Samstag zwölf Mitglieder des Uslarer Forums Kinderarmut zu einem Gespräch mit Bundespolitikern nach Berlin. Die Uslarer haben einen Gesprächstermin mit fünf Bundestagsabgeordneten, die dem Ausschuss für Arbeit und Soziales angehören.

Ziel der lokalen Abordnung: Durch erkennbare Probleme und Hinderungsgründe soll aufgezeigt werden, dass das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung längst nicht bei allen ankommt, für die es gedacht ist.

In der jüngsten Zusammenkunft im Uslarer Gemeindehaus wurden noch einmal Fakten genannt: Bundesweit nehmen das Angebot nur 56 Prozent der Berechtigten an. Im Landkreis Northeim seien es weitaus weniger. Gründe dafür seien zu wenig Informationen, ein kompliziertes und oft entmutigendes Antragsverfahren sowie Angst und Scham von Eltern.

Sieben der engagierten Uslarer dürfen ihre Erkenntnisse vortragen und hoffen in erster Linie auf Gehör. Phasenweise entstehe der Eindruck, es sei vor dem Hintergrund des finanziellen Ausmaßes gar nicht wirklich gewollt, dass das Bildungs- und Teilhabepaket überhaupt bei allen ankommt. Das sei ein Unding, weil die strukturelle Hilfe für Kinder aus sozialschwachen Familien für eine nötige Chancengleichheit unausweichlich seien. Hanna Reiche ist der Ansicht, dass sich nach anderthalb Jahren Praxis mit dem Bildungs- und Teilhabepaket nicht viel zum Vorteil der Betroffenen geändert hat. Deshalb hofft sie auf Ergebnisse in Berlin.

Auf die Basis hören

„Politiker müssen doch auf die Basis hören, wir haben doch die Erfahrungen an vielen Stellen gemacht“, sagt Reiche. Wenn politisch gewollt sei, dass alle Kinder am Schul-Essen teilnehmen, dann zeige die Praxis, dass immer noch zu viele nur daneben sitzen, hieß es.

Laut Recherchen von Antje Siebrecht reiche in manchen Orten die persönliche Vorstellung im Amt aus, um einen Berechtigungsschein zu bekommen, während anderswo lange Einzelanträge gestellt werden müssten. Teilweise stehe sogar Schulen ein Kontingent zur Vergabe zur Verfügung. Das sei sehr praxisnah, weil die Hilfe direkt ankomme.

„Wir fahren nach Berlin, weil wir die Hoffnung haben, dass unsere Erkenntnisse für eine bessere Vergabepraxis sorgen“, bringt Melanie Schmidt als Projektleiterin das Ziel auf den Punkt.

Bürgerbeteiligungsmethode

In Berlin nehmen die Uslarer außerdem an einer Jahrestagung des Vereins Forum Community Organizing teil. Dabei geht es um den Erfahrungsaustausch mit der Bürgerbeteiligungsmethode. (jdx)

Das ist das Forum Kindderarmut

Das Uslarer Forum Kinderarmut ist im November 2007 auf Initiative des Diakonischen Werks gegründet worden. Daraus haben sich Arbeitsgruppen gebildet, unter anderem die Gruppe Frauen- und Familienberatung.

Das Forum Kinderarmut hat unter anderem für Beihilfen für Erstklässler gesorgt und Projekte wie Hausaufgabenhilfen an Schulen ins Leben gerufen. Darüber hinaus bietet das Forum die Möglichkeit für bürgerschaftliches Engagement, wobei Fachleute und ehrenamtlich Engagierte, darunter auch Menschen mit Armutserfahrung, gemeinsam Konzepte und Maßnahmen gegen Kinderarmut entwickeln. (fsd)

Kontakt: Diakonisches Werk Leine-Solling, Telefon 05571-92410

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