Vortrag im Uslarer Museum zur archäologischen Forschung im Weserbergland

Blütezeit der Glashütten

Die Glasöfen am Lakenteich: Sie sind heute überdacht und können besichtigt werden. Archivfoto: Dumnitz

Uslar. Das Weserbergland mit seinen waldreichen Höhenzügen beiderseits der Oberweser bildete das größte Glaserzeugungs- und -verarbeitungsgebiet im nördlichen Mitteleuropa zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert.

Das berichtete der Holzmindener Kreisarchäologe Dr. Christian Leiber zur archäologischen Erforschung der alten Glashütten im Solling, Vogler und Hils. Der Beitrag gehörte zum Vortragsprogramm zur Sonderausstellung über die „Spiegelhütte Amelith“, die derzeit mit Erfolg im Stadtmuseum Uslar präsentiert wird.

Die ersten Waldglashütten im Solling stammen aus dem 12./13. Jahrhundert. Ihre heute unter dichter Waldbedeckung hinterlassenen Spuren wieder aufzufinden, bedurfte jahrelanger intensiver Geländebegehungen.

Bei ihrer Wiederentdeckung, besonders im Uslarer Raum, erzielte Roland Henne aus Gieselwerder große Erfolge. Allein elf Hüttenstellen lokalisierte Dr. Klaus Weber in den vergangenen Jahren in Hellental. Meist geben sich diese alten Hüttenplätze durch Erdhügel, unter denen sich die Ofenreste verbergen, zu erkennen.

Glasscherben sind nur selten anzutreffen. Das dort geblasene Hohlglas, auch Holzascheglas genannt, ist sehr zersetzungsanfällig.

Anders sieht es bei den Waldglashütten des 16. und 17. Jahrhunderts aus. Diese Plätze waren in der Regel größer. Dort liegt auch zahlreicher Produktionsabfall von Hohl- und Fachgläsern, deren Formen über die Produktionspalette Auskunft geben.

Eine solche frühneuzeitliche Waldglashütte ist am Lakenteich von Prof. Dr. Hans-Georg Stephan und dem örtlichen Grabungsleiter Radoslaw Miszka freigelegt worden. Sie wurde von dem vorher an einer ebenfalls archäologisch untersuchten Glashütte im Hils bei Grünenplan tätigen Hüttenmeister Franz Seidensticker 1655 gegründet und bis 1681 betrieben.

Dr. Leiber stellte in seinem Vortrag die auffälligen Übereinstimmungen zwischen diesen beiden Hüttenstandorten heraus. Die Öfen der Glashütte am Lakenteich sind heute überdacht und können besichtigt werden. (red/fsd)

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