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Böcke vertreiben Geister, Vereine im Solling halten Silvester-Traditionen aufrecht

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Von: Jürgen Dumnitz

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Große Truppe und neues Bock-Kostüm: In Allershausen präsentierte Initiator (und Bock) Florian Pfeiffer den neuen Bock mit echtem Langhaar-Ochsenfell und einer imposanten Kopfmaske.
Große Truppe und neues Bock-Kostüm: In Allershausen präsentierte Initiator (und Bock) Florian Pfeiffer den neuen Bock mit echtem Langhaar-Ochsenfell und einer imposanten Kopfmaske. © Jürgen Dumnitz

Allershausen/Kammerborn/Ahlbershausen – Traditionen zum Jahreswechsel werden in Dörfern des Uslarer Landes teils schon seit vielen Jahrzehnten gepflegt. In einigen Orten ziehen Neujahrsböcke durch die Straßen, mit viel Krach und Getöse auf ihren meist mehrstündigen Touren, um so die bösen Geister des alten Jahres zu vertreiben.

In Ahlbershausen fehlt der Nachwuchs, sagte Philipp Melching als einer der Initiatoren. Die meisten Leute, die teils schon seit vielen Jahren mit dem Bock durchs Dorf laufen, seien über 30 und warten vergeblich auf Nachrücker. Sechs Männer waren am Samstag noch einmal mit Clara unterwegs, alle in Rollen, als Bockführer, als Sammler und so weiter. Typisch in Ahlbershausen: Die Bockgruppe hat Schnaps dabei und stößt mit den Einwohnern vor deren Haustür gemeinsam aufs neue Jahr an.

Neujahrsbock Clara wird im Zaum gehalten: In Ahlbershausen waren sechs Akteure im Dorf unterwegs.
Neujahrsbock Clara wird im Zaum gehalten: In Ahlbershausen waren sechs Akteure im Dorf unterwegs. © Jürgen Dumnitz

In den Jahren zuvor seien meist Jugendliche nach ihrer Konfirmation und junge Männer im Schlepptau des geführten Bocks losgezogen. Jetzt sei zu befürchten, dass der Neujahrsbock Clara – zumindest für eine Zeit lang – das letzte Mal unterwegs war, hieß es am Samstag kurz vor dem Start der Tour am Dorfgemeinschaftshaus.

In Kammerborn fanden sich indes noch genügend Jugendliche und junge Männer, die mit „Hans vom Buchenberg“, wie der Bock in dem Ahledorf heißt, loszogen. Steffen Müller hat die Vorbereitungen organisiert und freut sich, dass „Hans“ wie gewohnt die bösen Geister des alten Jahres vertrieben hat und das 14-köpfige Team mit Geld- und Getränkespenden auf der Tour durch die Straßen von den Kammerbornern versorgt wurde.

Aus Stroh und mit Geweih: Mit dem Kammerbornen Bock Hans vom Buchenberg waren 14 junge Männer unterwegs, die das Gerüst abwechselnd trugen.
Aus Stroh und mit Geweih: Mit dem Kammerbornen Bock Hans vom Buchenberg waren 14 junge Männer unterwegs, die das Gerüst abwechselnd trugen. © Jürgen Dumnitz

Bis zu der zum Kammerborner Gebiet gehörenden Siedlung an der Teufelsmühle wurde Hans im Sprinter transportiert: Das Strohgestell ist sehr schwer und der Weg sei lang, hieß es kurz vor dem Start.

In Allershausen waren am Silvestertag etliche Altböcke aus den vergangenen Jahrzehnten mit dabei. Vom Hof Mascher aus ging es mit dem Neujahrsbock mit lautem Getöse und Peitschenknallen durch den Ort und die Siedlung am Kirchberg. An etlichen Haustüren wurde der Neujahrsbock schon erwartet, freute sich Florian Pfeiffer vom Organisationsteam über das Interesse an dem Brauchtum.

Es bringe Glück, wenn man den Neujahrsbock berührt. Als Dankeschön gab es auch in Allershausen Geld und Getränke für die 28 Akteure.

Der Bock war neu gestaltet. Für den bei einem Kleinanzeigendienst in Österreich ersteigerten Maskenkopf mit Riesenhörnern und dem zweiteiligen Langhaar-Ochsenkostüm wurden 1000 Euro investiert.

Von Jürgen Dumnitz

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