Besuch des Projekts Provinzoffensive

Bollert-Dörfer kommen ins Handbuch gegen Landflucht

Die Bollert-Dörfer hatten Besuch vom Projektbüro für ländliche Zukunftsfragen, genannt Provinzoffensive. Es arbeitet an einem Handbuch gegen Landflucht. 

Landflucht zu bekämpfen und Leben in den Dörfern und kleinen Städten zu erhalten, ist keine leichte Aufgabe und liegt häufig in der Hand von Bürgerinitiativen. Ein Handbuch soll ihnen zukünftig dabei helfen. Damit es entstehen kann, hat das Projektbüro für ländliche Zukunftsfragen, die Provinzoffensive, Station in den Bollert-Dörfern gemacht. In Volpriehausen ging es um das Freibad.

Ein großer Einkochtopf voller Flaschen mit warmem Apfelsaft dampft langsam vor sich hin. Den kann man gut als kleine Wärmequelle gebrauchen, denn es ist kalt und zugig an diesem November-Vormittag vor dem Bergmann mitten im Ort.

Gut sichtbar hat die Provinzoffensive mit der Dokumentarfilmerin Antje Hubert, der Kommunikationsdesignerin Barbara Schubert und Moderatorin Ulrike Hermenau einen großen Tisch mit zwei Beinen und einem großen Rad sowie einem Bilderbaum aufgebaut.

Der Tisch erfüllt gleich mehrere Funktionen. Er dient als Abstellfläche, als Tafel für Notizen und als geselliger Treffpunkt. Hier wollen die drei Frauen aus Cadenberge bei Cuxhaven von den Volpriehäusen hören, was sie über das Freibad zu erzählen haben.

Ein ganzes Kapitel ihres Buches wollen sie dem Thema widmen, schließlich ist das Projekt ein gutes Beispiel dafür, wie solche ehrenamtlich getragenen Initiativen große Hürden und lange Durststrecken überwinden können.

Volpriehausens Ortsbürgermeister Gerd Kimpel ist schon da. Er berichtet, dass die Einwohnerzahlen in Volpriehausen anders als in vielen anderen Dörfern konstant geblieben sind. Nach der Schließung des Freibades habe es einige Zeit gedauert, bis die Bürgerinitiative Bollert-Dörfer es vor zehn Jahren wieder eröffnen konnte.

Wenn es das einzige Freibad in Uslar ist, will Antje Hubert wissen, helfen dann auch Uslarer Bürger beim laufenden Betrieb? Kimpel überlegt nur kurz, nein, das ist seines Wissens nach nicht der Fall. Die Dokumentarfilmerin fragt auch, ob man mit der Besucherfrequenz zufrieden sei. In warmen Sommern schon, schmunzelt Gerd Kimpel, und berichtet von veränderten Besuchsgewohnheiten. Die meisten Besucher kämen in den letzten Jahren erst am späten Nachmittag ins Freibad und nur, wenn es sehr warm sei. Anders als früher, wo die Kinder im Sommer fast bei jedem Wetter dort tobten.

Einen kleinen Schatz haben Mira und Udo Sprenger mitgebracht. Sie legen eine CD mit einem Film von der Neueröffnung des Freibades auf den Tisch. Das freut die Filmemacherin besonders.

Barbara Schubert benutzt den Tisch unterdessen als Notizzettel, den alle um den Tisch versammelten einsehen können. Schließlich geht es um Austausch, denn Austausch ist wichtig, um gemeinsam Lösungen zu finden. Dafür tauschen sich die drei Frauen nicht nur in Volpriehausen mit den Bürgern aus, sondern sind auch in den anderen Bollert-Dörfern unterwegs. 

Wie ein Rezeptbuch

Aus allem, was die das Projekt Provinzoffensive zusammenträgt, wollen die Projektmitarbeiter Faktoren ermitteln, die die Bürgerinitiativen vor Ort am Leben erhalten und ihnen helfen, schwierige Zeiten zu überwinden. Idealerweise, so Barbara Schubert, soll das Buch, für das sie ihre Eindrücke sammeln, eine Art Rezeptbuch sein, in dem man nachlesen kann, wie Initiativen auf Dauer gelingen und was sie stärkt. 

Neben vielen Projekten vor Ort ist den Bollert-Dörfern eines auf jeden Fall gelungen: Sie haben wirksam auf sich aufmerksam gemacht. Die Initiative für den Besuch ging von der Provinzoffensive aus. Möglicherweise wird das, was die Bürgerinitiative Bollert-Dörfer im Uslarer Land ausmacht, mit dem Buch zu einem Beispiel für viele andere, die diesen Weg auch gehen wollen: ländliches Leben und Kultur erhalten. 

Die Provinzoffensive, die bereits vor einigen Jahren in den Bollert-Dörfern zu Gast war, beschränkte sich nicht auf den Termin in Volpriehausen. Auch in Delliehausen, Gierswalde und Schlarpe gab es Zusammenkünfte mit interessierten Bürgern. zyp

Rubriklistenbild: © Foto: Gudrun Porath

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