Landkreis Northeim qualifiziert Traditionsfeuer als illegale Abfallbeseitigung ab

Brauchtum sorgt für Ärger

Lodernde Flammen unterhalb des Buchenbergs: In Bodenfelde wird nicht nur jedes Jahr ein Osterfeuer abgebrannt. Außerdem gibt es noch Brauchtumsfeuer zur Sommersonnenwende und zum Erntedankfest. Archivfoto: Dumnitz

Bodenfelde. Eine Anzeige beim Landkreis Northeim führte dazu, dass die Kreisverwaltung die bisherigen Traditionsfeuer anlässlich der Mittsommernachtsfeiern und des Erntedankfestes in Bodenfelde aus abfallbehördlicher Sicht nicht mehr als Brauchtumsfeuer ansehen will, sondern als unzulässige Abfallbeseitigung qualifiziert.

Darüber hat Bürgermeister Mirko von Pietrowski die Mitglieder des Gemeinderates in der jüngsten Sitzung informiert.

Einschätzung der Gemeinde

Weil aber laut von Pietrowski diese Veranstaltungen auch ohne vorhandenen Baum- und Strauchschnitt als Brauchtum gefeiert werden, unterliegen seiner Einschätzung nach die „veranstaltungsbegleitenden Feuer keinen spezifischen abfallrechtlichen Vorschriften“. Die Feste hätten ihre Rechtfertigung allein in der Brauchtumspflege, so der Bürgermeister.

Brauchtumspflege  vorn

Und weiter: Mit den im Flecken gefeierten Brauchtumsfeuern steht die Brauchtumspflege im Vordergrund, deren Zweck nicht darauf gerichtet ist, pflanzliche Abfälle durch schlichtes Verbrennen zu beseitigen. An der geübten Praxis der in der ländlichen Region beliebten Brauchtumsfeuer (Osterfeuer, Mitsommernachtsfeuer und Erntedankfeuer) soll deshalb aus Gründen zur Förderung der örtlichen Gemeinschaft festgehalten werden.

Rechtssicherheit gewollt

Um eine Rechtssicherheit für die Zukunft zu erzielen, soll das Abbrennen von Brauchtumsfeuern jetzt in einer Verordnung geregelt werden, mit der gleichzeitig ein Antrag der Wählergemeinschaft Neue Gruppe vom Juli 2014 umgesetzt werde. Ob eine solche Verordnung erlassen werden darf, soll vorab vom Landkreis als Fachaufsichtsbehörde beurteilt werden, sagte Mirko von Pietrowski.

Zum Hintergrund

Die längste und hellste Nacht des Jahres ist im Juni 2003 an der Straße „Zur Schweinetrift“ unterhalb des Buchenbergs in Bodenfelde noch mehr erhellt worden. Der Flecken hatte in Zusammenarbeit mit dem Freibad-Förderverein am Osterfeuerplatz einen Reisighaufen aufgeschichtet, der nach dem Vorbild aus Skandinavien als Brauchtumsfeuer zur Sonnenwende angesteckt wurde und dessen Flammen ordentlich loderten.

Bürgernahe Lösung

Als „bürgernahe Lösung“ setzte die Ratsfraktion der Wählergemeinschaft im Juli 2014 auf die drei Traditionsfeuern zum kostengünstigen Entsorgen von Baum- und Strauchschnitt. Für die Entsorgung von biologischem Abfall schlug die Fraktion jeweils Schreddertage im Frühjahr und im Herbst vor.

Von Jürgen Dumnitz

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