Nutzholz in Öfen laut AG der Rohholzverbraucher schlecht für Klima und Geldbörse

Brennholz stark gefragt

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Holzmachen weiter möglich: Das sagen die Landesforsten. Die Rohholzverbraucher befürchten dagegen eine Brennholz-Knappheit.

Uslar/Oberweser. Brennholz wird knapp. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer bundesweiten Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) mit Sitz in Berlin unter deutschen Forstämtern. Diese könnten demnach den angestiegenen Bedarf kaum abdecken.

Nach Untersuchungen des Zentrums für Holzwirtschaft der Uni Hamburg, auf das sich die AGR beruft, sei der private Holzverbrauch in neun Jahren von elf auf 34 Millionen Kubikmeter gestiegen. Und der Trend zum Heizen mit Holz halte an.

Von Panikmache der AGR spricht dagegen Michael Rudolph, regionaler Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Die AGR sehe Privatholznutzer als Konkurrenten an, die durch ihren Bedarf für kontinuierlich angestiegene Preise auf dem Rohholzmarkt sorgen.

Die Solling-Forstämter Dassel und Neuhaus lieferten in den vergangenen Jahren durchschnittlich 30.000 Kubikmeter Brennholz pro Jahr, berichtet Rudolph. Die Nachfrage sei immer gestiegen, sie sei aber bisher immer bedient worden. Lag der Pro-Kopf-Holzverbrauch bundesweit vor einigen Jahren noch bei einem Kubikmeter, so ist er auf 1,3 Kubikmeter angestiegen, sagte Rudolph. Das beziehe sich aber nicht nur auf Brennholz.

Reserven im Privatwald

Nicht zu unterschätzende Vorräte für Holz als Brennmaterial gibt es laut Pressesprecher Rudolph in Privatwäldern, die meist nicht so gepflegt und bewirtschaftet werde wie etwa der niedersächsische Landeswald.

Die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher rechnet dagegen vor, dass es in deutschen Haushalten 15 Millionen Holzheizungen gebe. Mehr als jeder vierte Haushalt nutze Scheitholz, Hackschnitzel oder Holzpellets zum Heizen. Würden alle, die einen Holzofen besitzen, ausschließlich mit Holz heizen, würden bis zu 300 Millionen Kubikmeter Holz benötigt, sagen die Rohholzverbraucher. Das wäre rechnerisch das Vierfache des jährlich nutzbaren Waldholzes.

Dazu würde die Feinstaubbelastung in der Luft steigen. „Diese Entwicklung ist fatal für Umwelt, Klima und Geldbörse“, sagt Dr. Denny Ohnesorge von der AGR. Er empfiehlt Verbrauchern einen sparsamen Umgang mit Holz.

Die Nachfrage der Privatleute und der AGR-Mitgliedsbetriebe treibe die Nutzholzpreise hoch. Laut statistischem Bundesamt verteuerte sich Energieholz seit 2005 um 90 Prozent, Hackschnitzel aus Nadelholz um 80 Prozent. Der Preis von Holzpellets habe sich in diesem Zeitraum fast verdoppelt. Im Durchschnitt kostet der Raummeter Brennholz in Deutschland 39 Euro.

Entwarnung für den Reinhardswald gibt der stellvertretende Leiter des Forstamtes Reinhardshagen, Dr. Stefan Reccius, wo jährlich 800 Kunden Brennholz kaufen. Hier steigt der Absatz jährlich um zehn bis 20 Prozent, angefeuert durch Erhöhungen bei Öl- und Gaspreisen. Es sei aber genug Brennholz da, notfalls werde es beim Industrieholz eingespart. (tty/jdx)

Das sagt der Waldbesitzerverband

Brennholz, Holzhackschnitzel und Holzpellets bleiben ein relativ preiswerter Konkurrent zu fossilen Energieträgern. Mit dieser Einschätzung widerspricht auch Norbert Leben, Präsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen, den Prognosen, wonach der Nachschub für die Holzheizungen in Privatwohnungen knapp werden könnte.

„Unsere Waldbesitzer nutzen die steigende Nachfrage nach Brennholz zu notwendigen Durchforstungsmaßnahmen. Die Waldpflege kommt stärkeren Bäumen zugute, die sich besser entwickeln und als Stammholz höhere Renditen bringen können“, sagte Norbert Leben gegenüber dem Landvolk-Pressedienst zum Thema Brennholz. (nix)

Tipps zum Heizen

Diese Tipps gibt die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher weiter:

• Haus oder Wohnung richtig wärme-isolieren. Wärmedämmung spart Holz und Geld.

• 75 Prozent der privaten Öfen sind veraltet. Beim Ofenkauf auf die richtige Anlagengröße und einen optimalen Wirkungsgrad achten („Blauer Engel“, „DINplus“).

• Systeme kombinieren: Wärmepuffer einbauen und Solarthermie nutzen.

• Nur getrocknetes Brennholz verwenden. Den höchsten Brennwert hat es nach zwei bis drei Jahren Lagerung.

• Holzprodukte langfristig nutzen, dann verbrennen oder recyceln. (tty)

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