Erinnerung an alte Handwerkstradition

Der Delliehäuser Meiler brennt wieder

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Der Meiler ist in Gang gebracht: Alt-Köhler Heinrich Hillebrandt (vorn) mit Luca Kempf (dahinter von rechts), Maik Olschewski, Mika Hengst, Wolfgang Kahnert, Clemens van Valderen und Christian Brüll.

Delliehausen. Der Solling-Heimatverein Delliehausen sorgt dafür, dass das Köhler-Handwerk nicht vergessen wird und hat einen Holzkohlemeiler angezündet und dazu sein beliebtes Meilerfest gefeiert.

Die Blütezeit der Köhlerei in Delliehausen ist in den Jahren um 1880 gewesen, erfuhren die Besucher am Sonntag am 42. Meiler unter der Regie des örtlichen Solling-Heimatvereins. Damals sei das schwarze Gold mit Pferde- und Ochsengespannen abtransportiert worden, berichtete der frühere Förster Winfried Müller in gewohnter Manier oben vom Meiler. Die Holzkohle und die damals auch in Delliehausen abgebaute Braunkohle seien von Glas- und Eisenhütten nahezu verschlungen worden.

Mehrere Hundert Besucher kamen am Sonntag wieder an die alte Meilerstelle im Rehbachtal, darunter auch Vertreter des Kreises Northeim, Uslars Bürgermeister Torsten Bauer und Delliehausens Ortsbürgermeisterin Mareile Molthan sowie Revierförster Thorsten Möhlenhoff.

Die Delliehäuser Hobbyköhler Wolfgang Kahnert, Maik Olschewski, Christian Brüll, Luca Kempf, Clemens van Valderen und Mika Hengst hatten mit weiteren Helfern gut 50 Raummeter gespaltene und etwa einen Meter lange Buchenholzscheite nach dem überlieferten Muster der Köhler zu einem imposanten Meiler aufgeschichtet.

Freigelassen wurde am Boden bis zur Mitte hin der Qandelschacht, der nach der Ansprache von Müller mit einer langen, an der Spitzen brennenden Stange, angezündet wurde. Wie über einen Schornstein stieg nach wenigen Minuten weißer Rauch auf und sorgte so für zufriedene Gesichter bei den Köhlern, die jetzt zehn Tage lang mehrmals am Tag und in der Nacht kontrollieren müssen, ob der Holzhaufen verkohlt und nicht brennt. Am Wochenende 16./17. Juni sollen der Meiler dann geöffnet und die Holzkohle in Säcken abgepackt verkauft werden.

Sehr gut besucht war nach dem Anzünden auch der Freiluftgottesdienst an der Köhlerhütte, den Pastor Karl-Otto Scholz mit dem Posaunenchor Volpriehausen und dem Gemischten Chor Delliehausen gestaltete. Als Vorsitzender des Heimatvereins war Wolfgang Boeder zufrieden mit der Gästeschar.

Er freute sich, dass nachdem die Uslarer Bläser der Jägerschaft verhindert waren, Akteure des Bläserkorps Altes Amt für das Meilerfest eingesprungen sind. Außerdem hatte die Jägerschaft ihren Anhänger „Lernort Natur“ aufgebaut, es gab Wildspezialitäten an einem Verkaufswagen. Das Schmiedefeuer von Bernhard Möller aus Eschershausen brannte mit Holzkohle und lockte zahlreiche Interessierte an die mobile Feldschmiede. Nachmittags sorgten die Gastgeber des Heimatvereins noch für Kaffee und Kuchen und die Brahmwaldmusikanten aus Heisebeck/Fürstenhagen sorgten für Unterhaltungsmusik.

Beliebt waren neben Getränken und Gegrilltem auch das beliebte Mett in Folie, dass in Glut am Boden gegart wurde, und die Erbsensuppe, die als Hauptnahrung der Köhler gilt. Vom Heimatverein kümmerten sich rund 50 Helfer um die Gäste am Meilerplatz.

 jde

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