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Die Not wird größer - Diakonisches Werk stark gefordert

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Von: Jürgen Dumnitz

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Kinder beim Mittagessen: Manche Familien geraten angesichts der Preissteigerungen weiter in finanzielle Notlagen. Für Kinder und Jugendliche (Symbolbild) geht es um mehr als eine warme Mahlzeit. ARCHIV
Kinder beim Mittagessen: Manche Familien geraten angesichts der Preissteigerungen weiter in finanzielle Notlagen. Für Kinder und Jugendliche (Symbolbild) geht es um mehr als eine warme Mahlzeit. ARCHIV © DPA

Uslar – Die Evangelische Jugend und das Forum Kinderarmut des Diakonischen Werkes Leine-Solling danken den Spendern des Projektes „Wünsch dir was“. Die Spendenbereitschaft sei erfreulich groß, nur noch einige Wünsche seien offen.

Teils wundern sich Spender über die Wünsche nach Kleidung und Schuhen. Doch die Not der Menschen in der Region wird größer, heißt es dazu von Melanie Schmidt vom Diakonischen Werk, das immer mehr Anfragen zur finanziellen Unterstützung erreichen. Wir geben Antworten dazu.

Was ist der Grund für die zunehmende Notlage der Menschen in der Region?

Aufgrund der Energiekrise und steigenden Lebenshaltungskosten geraten viele Haushalte in finanzielle Schieflage. Die Energiepreisbremse ist laut Schmidt ein wichtiger Schritt, damit die Preise nicht grenzenlos steigen. Dennoch sei die finanzielle Lage von Familien mit nur einem Einkommen, mit mehreren Kindern oder von Alleinerziehenden besonders angespannt. Das Geld ist oftmals knapp.

Warum werden in der Kirchenkreissozialarbeit vermehrt Existenzsorgen und auch -ängste thematisiert?

Ein Grund ist, dass die Bearbeitungszeiten bei den Sozialleistungsbehörden des Landkreises Northeim und der Familienkasse besonders lange dauern. Die Situation ist dramatisch. Es gibt massenhaft Staus, die meist mit „Personalmangel“ begründet werden. Kostenlos hilft das Diakonische Werk im Bereich Uslar, Bodenfelde und Hardegsen bei der Klärung der Ansprüche auf Sozialleistungen, bei der Antragstellung und sogar bei Widersprüchen.

Kann man das an einem Fallbeispiel verdeutlichen?

Die Mutter einer Familie mit fünf Kindern sucht das Diakonische Werk auf, um Unterstützung bei Antragstellung und Problemen mit Behörden zu erhalten. Drei Kinder sind im Schulalter und ein Kind ist unter drei Jahren. Der Vater arbeitet im Schichtdienst, die Mutter ist in Elternzeit und nicht erwerbstätig. Das Familieneinkommen reicht nicht, und es besteht Anspruch auf Wohngeld vom Kreis und einen Kinderzuschlag von der Familienkasse.     Beim Jobcenter wurde zusätzlich ein Antrag gestellt, um die immensen Kosten fürs Gas abzufedern. Die Familie hat ein gebrauchtes Eigenheim im unsanierten Zustand und heizt mit Gas. Wegen der Coronavirus-Pandemie war der Vater von 2020 bis 2021 wechselweise in Kurzarbeit. Dadurch haben sich Ansprüche auf Sozialleistung häufig geändert. Jetzt gibt es wieder geregelten Lohn, und es besteht Anspruch auf ergänzende Sozialleistungen.

Wie stellt sich die Situation in dieser Familie jetzt dar?

Das Geld fehlt, die Bearbeitungszeit läuft schließlich schon seit fünf Monaten. „Ich kann doch nicht die Heizung in den Kinderzimmern ausmachen“, heißt es resigniert vom Vater. Er werde „blöd angemacht“, wenn er bei Behörden, die trotz vorliegendem Antrag viele Unterlagen nachfordern, nachfragt. Dadurch gehe unnötig Zeit ins Land, und die Situation werde immer dramatischer.

Wie groß ist der Verzicht bei den Betroffenen?

Kinder müssen auf Spielzeug und Kleidung sowie die Familie auf Urlaubsfahrten verzichten. Auch die Eltern haben kein Geld für Klamotten, an Markenklamotten sei gar nicht zu denken. Unsäglich seien jeden Monat die Diskussionen mit dem Nachwuchs deswegen. Selbst wenn Familien kompetent wirtschaften können, fällt es schwer, mit zu wenig Geld klarzukommen. Eine achtköpfige Familie gibt 250 Euro pro Woche für Lebensmittel aus. Im Vergleich zum Vorjahr seien das 60 bis 80 Euro mehr. Und weil das Geld fehlt, überlegen die Eltern, wo sie sich Geld leihen können, um die Zeit während der viel zu langen Bearbeitungsphase zu überbrücken – ein unhaltbarer Zustand.

Von Jürgen Dumnitz

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