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Dorf verabschiedet Wirtin Margrit Steingräber mit Überraschungsfest

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Aufmarsch vor dem Gasthaus Zur Harburg in Schönhagen: So verabschiedeten Vereine, Klubs und Einwohner Wirtin Margrit Steingräber (vorn), im Bild mit (vorn, von links) dem neuen Pächter Albert Voglar, Detlef Krusche und dem neuen Besitzer Dr. Ludolf von Usslar.
Aufmarsch vor dem Gasthaus Zur Harburg in Schönhagen: So verabschiedeten Vereine, Klubs und Einwohner Wirtin Margrit Steingräber (vorn), im Bild mit (vorn, von links) dem neuen Pächter Albert Voglar, Detlef Krusche und dem neuen Besitzer Dr. Ludolf von Usslar. © Gudrun Porath

Schönhagen – Seit über 400 Jahren in Familienbesitz, steht auf der Internetseite des Gasthauses „Zur Harburg“ in Schönhagen. Das ist nun vorbei. Mit Margrit Steingräber verabschiedeten Vereine, Musikkapellen und Einwohner mit einer großen Überraschung die letzte Wirtin aus der Familie. 47 Jahre lang war sie in dem Gasthaus tätig und hatte es seit dem Tod ihres Mannes allein geführt.

Die Überraschungs-Verabschiedung war gelungen. Sie habe noch gedacht, die Musik mache aber einen weiten Umweg, sagte Margrit Steingräber, denn nach ihrem Wissen sollte sie zu einem Geburtstag in Kammerborn aufspielen. Genau genommen war die Musik da vom Unterdorf kommend schon fast um die Ecke gebogen.

Mit Thekenwagen voraus, bildeten der Spielmannszug Schönhagen und die Solling-Blaskapelle die Spitze des Umzugs, dem sich Feuerwehr und Schützenverein, der TSV, der Reit- und Fahrverein, Kegelclubs, der Wirteworkshop Uslar und viele andere mehr angeschlossen hatten. Die jüngsten Teilnehmer wurden im Kinderwagen geschoben, die ältesten im Rollstuhl.

940 Einwohner hat Schönhagen, gefühlt die Hälfte und auch einige Auswärtige marschierten vor dem Gasthaus an der Mittelstraße auf. Dort stand die 68--Jährige auf der Treppe und traute ihren Augen nicht.

Als erster Laudator stieg Detlef Krusche mit Blumenstrauß die Treppe hoch und bedankte sich bei Margrit Steingräber im Namen der Vereine und Bürger, die in der Harburg zu Gast sein durften. Ursprünglich, so Krusche, sei eine Verabschiedung im kleineren Rahmen geplant gewesen, dann hätten sich immer mehr daran beteiligen wollen. Jetzt habe man fast das Dorf sperren müssen.

Ortsbürgermeister Herbert Hühne versagte die Stimme, als er sich im Namen aller Einwohner und Gäste bei der Wirtin bedankte. „Sonderwünsche und späte Bestellungen waren kein Problem für dich. Du bist die gute Fee der Harburg“, so Hühne. „Mit dir konnte man immer nur einer Meinung sein, außer, wann eine Feier zu Ende ist“, erinnerte er sich an Zeiten, wo ihn Steingräber morgens „vom Saal gefegt“ habe.

Für den Dehoga-Kreisverband und den Uslarer Wirteworkshop fand Wilhelm Johanning die passenden Worte. Er wies auf die Wertschätzung hin, die der Aufmarsch der Vereine und Musikzüge für Steingräber zeige. „Das ist toll“, so Johanning. Margrit Steingräber habe ihr halbes Leben im Gasthaus verbracht. Jetzt wünsche er ihr, dass sie an sich denken könne, aber auch, dass sie nicht aufhöre, beim Wirteworkshop mitzuarbeiten.

Angesichts des anwesenden neuen Besitzers Dr. Ludolf von Usslar (Leipzig) und seinem Pächter Albert Voglar forderte Johanning das Publikum auf: „Seht zu, dass ihr die Bude am Laufen haltet.“ Der neue Besitzer und sein Pächter hielten sich im Hintergrund, versprachen aber sogleich, sich zu bemühen, in Steingräbers Fußstapfen zu treten.

Margrit Steingräber nahm all die guten Wünsche, Blumen und Plakate sowie den lang anhaltenden Applaus strahlend entgegen. Sie freue sich sehr und gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, so die Wirtin. „Ich bin ja nicht aus der Welt“, fand sie beruhigende Worte für das Verabschiedungs-Publikum, denn sie wohnt unweit des Gasthauses und bleibt da auch. Für diesen überraschenden Aufzug vor dem Gasthaus habe sie allerdings weder einen Plan A noch einen Plan B. „Und den habe ich sonst immer“, lachte Margrit Steingräber.

An diesem Tag brauchte sie keine Pläne. Denn der Anhänger mit der mobilen Theke war mittlerweile in dem kleinen Park vor dem Gasthaus aufgestellt worden, sodass Bier und andere Getränke ausgeschenkt werden konnten. Dort ging die Party bis Mitternacht weiter. Bis zu den Betriebsferien am 22. Juli wird Margrit Steingräber noch wie immer im Gasthaus Zur Harburg anzutreffen sein. Ab dem 1.  August ist dann das bewährte Team mit einem neuen Chef am Start.

Von Gudrun Porath

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