Serie über Genossenschaften – heute: Die Schäfereigenossenschaft Schönhagen

Ein Entgelt für Schafskot

Früher ein gängiges Bild: Schafherde und Schäfer, hier der aus Schönhagen. 1961 war jedoch Schluss damit, jedenfalls aus Sicht der Schäferei-Genossenschaft. Foto: nb

Schönhagen. „Wo eine Kuh knapp Futter hat, werden immer noch zehn Schafe satt.“ Dieser alte Merksatz erklärt, warum das Schaf früher das zahlenmäßig am weitesten verbreitete Nutztier im Solling war. Als „Pfennigsucher“ oder „Resteverwerter“ konnte es auch auf Ödland und in steilen Lagen noch sein Futter finden. Erst im 20. Jahrhundert wurde Schaffleisch immer unbeliebter, und der Verfall der Wollpreise machte die Schafhaltung zunehmend unattraktiver.

Große Schafherden zogen schon seit Jahrhunderten durch die Sollingregion, doch im Zuge der Verkoppelungen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts musste auch das Schäfereiwesen neu geregelt werden, da die alten Huteberechtigungen in dem neuen System keinen Platz mehr fanden. In vielen Dörfern gründeten sich daraufhin Schäfereigenossenschaften, um die Pflege der Schafe gemeinsam zu organisieren.

In Schönhagen hat die Schäfereigenossenschaft bis heute überlebt, auch wenn sie sich nicht mehr mit der Schafhaltung beschäftigt. Im Jahr 1891 fanden sich die Schafhalter unter Führung des damaligen Bauermeisters Friedrich Ahlborn zur „Schäfergemeinde Schönhagen“ zusammen, die sich bereits ein Jahr später in die „Schäfereigenossenschaft Schönhagen“ umfirmierte.

1891 gab es 201 Schafe

Die Mitglieder gaben ihre Schafe an den Schäfer, den die Genossenschaft anstellte und der für das Wohlergehen der Herde verantwortlich war. 1891 hielten in Schönhagen 34 Halter 201 Schafe. Der erste Schäfer war Wilhelm Steingräber, der die Schafe in diesem Jahr an 209 Tagen hütete.

Leineschaf und Schwarzschaf

Das heute fast ausgestorbene Leineschaf und das schwarzköpfige deutsche Fleischschaf waren damals die vorherrschenden Rassen. Die Schafe lieferten übrigens nicht nur Fleisch und Wolle, sondern auch den begehrten Dung, den sie vor allem nachts fallen ließen. Deswegen verkaufte die Genossenschaft in diesem Jahr auch 194 „Hürde-Nächte“.

Gegen ein Entgeld, das zum Beispiel 1954 für drei Nächte vier DM betrug, verbrachte die Schafherde die Nacht auf den Feldern und Wiesen des zahlenden Landwirts. Die Hürden, so nannte man den mobilen hölzernen Zaun, mussten von den Bauern auf ihre Äcker gebracht werden, das Aufstellen übernahm der Schäfer.

1960 war die Zahl der Schafe so weit gesunken, dass die Unkosten zu hoch wurden und die Einstellung des Schafweidens beantragt wurde. Heinrich Göbel war der letzte Schäfer, dem die Genossenschaft zum 1. Mai 1961 kündigte. Heute verwaltet die Schäfereigenossenschaft die Grundstücke, die sie im Verlauf ihrer Geschichte erworben hat. Es handelt sich um ehemalige Weiden und Steinbrüche, die in unseren Tagen von Wald bestanden sind.

Sonderausstellung Genossenschaften im Museum Uslar, dienstags bis sonntags 15 bis 17 Uhr, Führungen sind nach Vereinbarung unter Telefon 05571-307220 und 307142 möglich.

Von Daniel Althaus und Henning Steingräber

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