Forstamt Neuhaus erntet alte Baumbestände zugunsten von jungen Mischwäldern

Fichten müssen weichen

Holzernte mit neuer Technik: Am Ortsrand von Neuhaus im Solling fällt und hebt ein Baggerharvester eine alte Fichte vorsichtig über den nachwachsenden Buchen-Mischwald. Foto: Niedersächsische Landesforsten/nh

Neuhaus. Zwischen Neuhaus und Fohlenplacken müssen 120 Jahre alte Fichten weichen. Ziel der Niedersächsischen Landesforsten ist es, den gleichförmigen alten Fichtenwald in einen Mischwald umzuwandeln.

Im Waldgebiet „Rosshagen“ setzt das Niedersächsische Forstamt Neuhaus dazu einen speziellen Baggerharvester ein, der die rund vier Tonnen schweren und 30 Meter hohen Nadelbäume aus den nachwachsenden Jungbäumen hebt, ohne die nächste Waldgeneration zu beschädigen.

Platz für junge Bäume

Durch die Entfernung der alten Fichten – rund 3000 Kubikmeter werden geerntet – erhalten die verbleibenden Buchen, Bergahorne, Douglasien oder Fichten mehr Platz für Krone und Wurzel. Die Jungbäume sind zehn bis 20 Jahre alt und benötigen den Schutz der Fichten nicht mehr.

Die Baumfällarbeiten dauern voraussichtlich bis Mitte April. „Das Waldbild am nordwestlichen Ortsrand von Neuhaus wird sich verändern“, kündigt Revierförster Dirk Reuter an. „Wo bisher alte, dunkle Fichtenwälder standen, tritt im kommenden Frühjahr das helle Grün junger Buchen und Ahorne ans Licht“, sagt der Leiter der Försterei Wildenkiel.

Bereits vor 20 Jahren haben Reuter und seine Kollegen damit begonnen, die Fichtenwälder im Solling zu verjüngen. Jetzt ist der neue Mischwald bis zu fünf Meter hoch und stabil genug. „Nicht nur wir Bewohner in Neuhaus werden diesen Wandel feststellen. Auch Urlauber und Tagesgäste im Hochsolling erleben die Veränderung der Landschaft mit“, sagt Reuter. Der Förster freut sich über die neue Technik aus Süddeutschland. Der Baggerharvester namens Hanimax hinterlässt keine Schäden, weil er die alten Bäume über die Wipfel der jungen heraushebt. „Fällen wir die riesigen Fichten per Hand, schlagen deren Kronen die jungen Bäume kaputt“, weiß Reuter aus Erfahrung.

Wegen der Arbeiten sind aktuell Wege für Waldbesucher gesperrt. Das gesperrte Gebiet dürfe nicht betreten werden, da Lebensgefahr drohe, so Reuter und erklärt: „Die Maschinenführer haben nur ein eingeschränktes Sichtfeld und arbeiten auch bei schlechten Lichtverhältnissen, deshalb sperren wir den Fällbereich großflächig ab“.

Holz für den Hausbau

Das geerntete Holz wird in den kommenden Monaten am Waldrand gelagert. Das frische Fichtenholz verkauft das Forstamt an Sägewerke in der Region. Aus den Fichten werden Hölzer für den Hausbau. Das Holz von geringerer Qualität wird für Paletten oder Verpackungsmaterial benötigt. Der Rest landet industriell verarbeitet als Papier oder Kosmetiktuch wieder in den Haushalten von Holzminden oder Northeim. (nh/shx)

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