NDR strahlt am morgigen Dienstag Dokumentation über verhungerten Mann aus

Film: Tod auf dem Hochsitz

Schlarpe/Hannover. Der außergewöhnliche Tod eines Mannes auf einem Hochsitz in Schlarpe ist verfilmt worden. Am morgigen Dienstag wird er im NDR ausgestrahlt. Der Mann hatte im Februar 2008 vermutlich den Freitod gewählt, er war verhungert.

Diese Zeit hat der Fernsehautor Michael Heuer (Hannover) für Recherchen über den verhungerten Toten Peter-Jochen Zschäpe genutzt. Entstanden ist ein 90-minütiger Dokumentarfilm über das Leben des Arbeitslosen, der sich für einen in Deutschland wohl einmaligen und ungewöhnlichen Freitod entschied. Unter dem Titel „Tod auf dem Hochsitz – Ein Arbeitsleben in Deutschland“ wird der Film am Dienstag, 2. Februar, ab 23.40 Uhr im dritten Programm des NDR Fernsehens ausgestrahlt.

Die HNA/Sollinger Allgemeine berichtete damals exklusiv über den Toten vom Hochsitz. Dadurch wurde ein großes Medieninteresse losgetreten. Besonders begehrt war das Tagebuch, für das der Tochter mehrere 10 000 Euro geboten worden sein sollen.

Durch die Eintragungen wurde deutlich, dass Zschäpe aus dem Leben gehen wollte. Der damals 58-jährige Arbeitslose bekam kein Arbeitslosengeld mehr. Dann begann seine Tour in den Tod. In seinem Tagebuch dokumentierte er manche Stationen. Er schreibt – so ein Augenzeuge, der während der Bergungsarbeiten Gelegenheit hatte, in dem Heft zu blättern – von einem Kind, das auf den Hochsitz zu klettern versuchte und dann aber von dem besorgten Vater zurückgeholt wurde.

„Nach meinem Tode ist das Heft an meine Tochter Joana zu übergeben“, hatte er in krickeliger Schrift notiert. Der letzte Eintrag ist vom 13. Dezember 2007. 24 Tage später wurde der stark mumifizierte Leichnam entdeckt. Die Tür stand offen, und auf dem Boden des fünf Meter hohen Hochsitzes lag Zschäpe.

Feuerwehrleute aus dem Heidelbeerdorf holten den Toten vom Hochsitz. Er lag auf dem Rücken auf einer Schaumstoffmatratze, die Hände entspannt über dem Kopf. Neben ihm lagen das DIN A 5 große Heftchen mit dunkelblauem Plastikeinband und eine rucksackähnliche Tasche. Für die Polizei war der Fall mit dem Freitod auf dem Hochsitz bald abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft gab den Leichnam frei, Tage später wurde die Asche von Peter-Jochen Zschäpe auf hoher See bestattet.

Michel Heuer schreibt zu seinem Film: „Der einst erfolgreiche Verkaufsleiter Peter Zschäpe findet sich in den Bedingungen der modernen Arbeitswelt nicht mehr zurecht. Frührente und Hartz IV lehnt er ab. Das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben ist für ihn das Eingeständnis, versagt zu haben. Nach außen hin wirkt er stolz und stark. Das wahre Ausmaß seiner existenziellen Not verschweigt er. In einer Zeit, in der Not leidende Banken vom Staat mit finanziellen Schutzschirmen und Manager abgewirtschafteter Unternehmen mit Bonuszahlungen in Millionenhöhe versorgt werden, ist der einzelne Mitarbeiter nichts wert.“

Der preisgekrönte Fernsehautor Heuer war über ein Jahr lang auf Spurensuche. Er lässt in seinem Film Zeitzeugen und Weggefährten zu Wort kommen. (jdx)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.