Aufzucht eines Findelkindes

Eschershäuser Jägerin päppelte den kleinen Fuchs Felix auf

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Ein kleiner Fuchs und seine Ziehmutter: Die ehemalige Miss Jägerin Nikola Nent zieht seit einigen Wochen diesen verwaisten Fuchsnachwuchs auf, den sie Felix (lat.: der vom Glück Begünstigte) nennt.

Eschershausen. Seit ein paar Wochen zieht die in Eschershausen lebende Nikola Nent (Miss Jägerin 2013) einen kleinen Fuchswelpen auf. Unfreiwillig, aber mit viel Verantwortung.

Ein Bauer hatte seine Strohmiete mit in Folie eingeschweißten Rundballen von einem Wiesenstück im Ital geholt. Die Zwischenräume hatte eine Füchsin als Nest für ihre Jungen genutzt. Beim Abräumen kam die Kinderstube zum Vorschein – von der Fähe war weit und breit nichts zu sehen. Der Bauer trug den Nachwuchs an den Waldrand und hoffte, dass die Mutter den Nachwuchs findet. Doch schnell kamen Krähen und machten Beute. Als der Bauer das bemerkte, war nur noch ein etwa zwei Tage altes Tierbaby übrig. „Dann stand der Landwirt mit dem kleinen blinden Findelkind vor meiner Tür und bat um Hilfe“, sagt Nikola Nent.

Fütterung

In ihrer Verantwortung als Jägerin wusste sie, dass der kleine am ganzen Leibe zitternde Fuchs alleine keine Überlebenschance hat. Also wurde er mit Hunde-Welpenmilch aufgepäppelt. Mehrmals am Tag bekam Felix, wie ihn die Jägerin nennt, sein Fläschchen. Und Streicheleinheiten unter einer Wärmelampe am Bauch für eine gute Verdauung. Felix entwickelte sich gut, auch wenn er in der häuslichen Umgebung auf dem Bauernhof der Eschershäuserin lebte. Mittlerweile ist seine Ziehmutter die wichtigste Bezugsperson. Fast auf Schritt und Tritt ist er dabei, erkundet nicht nur den Wohnbereich, sondern auch den Stall, die Scheune und hat auch schon die Tiere auf dem Hof kennengelernt.

Lexikonwissen: 

Der Fuchs bei Wikipedia

Wie es weitergeht mit Felix? „Das liegt ganz an ihm; sagt Nikola Nent. Sie hat den Jungfuchs nicht eingesperrt und glaubt, dass Felix eines Tages nicht mehr von seinen Erkundungstouren zurückkommt, weil er seinen eigenen Lebensraum in Wald und Flur wiedergefunden hat. "Füchse sind keine Haustiere“, betont die ehemalige Miss Jägerin, die dem Tier lieber in der freien Natur begegnet wäre.

Die Fuchspopulation im Solling sei sehr hoch, sagt Nikola Nent. Deshalb werde das „faszinierende Tier“ von ihr und anderen Jägern auch bejagt. Das Aufpäppeln des Findelkindes steht für Nikola Nent dazu aber nicht im Widerspruch. „Gerade weil ich diese Tiere liebe, habe ich als Jägerin die Aufgabe, etwa eine Durchseuchung aufgrund einer Überpopulation und ein elendes Hinraffen durch gezielte Bejagung zu vermeiden. Und es geht auch um das Gleichgewicht zwischen Beutetieren und Räubern, der Fuchs liebt nämlich nicht nur Mäuse“, sagt Miss Jägerin.

Als Rat hält sie noch parat, dass Muttertiere ihren Nachwuchs in der freien Natur eigentlich immer im Auge haben. Vermeintlich zurückgelassene und niedliche Tierbabys sollten man deshalb nicht anfassen und in Ruhe lassen, weil sie sonst wegen Fremdgeruch nicht mehr angenommen werden. Ihre Aufzucht sei ein Notfall gewesen und sollte deshalb auch eine Ausnahme sein.

ZUR PERSON:

Geboren wurde Nikola Nent vor 38 Jahren in Goch am Niederrhein. Dort verbrachte sie ihre Jugend auf dem elterlichen Bauernhof. Onkel und Vater nahmen sie schon früh mit zur Jagd. Nach dem Realschul-Abschluss lernte sie Erzieherin und Heilpädagogin in Kleve. Als Erzieherin arbeitete sie in einem Kindergarten, später in der Familienhilfe. Mit zwölf Jahren hatte sie schon einen Angelschein, war Mitglied in einem Schützenverein und bekam mit 24 Jahren den Jagdschein. Das vertiefte ihr Fachwissen für Natur, Umwelt und die Jagd. Mit ihrem Freund kaufte sie einen Hof in Eschershausen, der nach und nach renoviert und von beiden nebenberuflich bewirtschaftet wird. Unter ihrem Netz-Namen Niko Fux stellte sich Nikola Nent vor über zwei Jahren im Internetportal Landlive. de der Jagdmedien des Deutschen Landwirtschaftsverlages zur Wahl als Miss Jägerin. Sie gewann den Titel und wurde von einer Jury gekürt. Im Neumann-Neudamm-Verlag erschien im Frühjahr ihr Buch „Gibt es denn hier Stinktiere? _ Mit der Jägerin unterwegs“. mit einer Auflage von 2000 Exemplaren. Jetzt gebe es die zweite Auflage mit 3000 neuen Büchern (Preis 14.95 Euro im Buchhandel).

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