Forstleute beim Sturm 1972 offenbar überfordert

Jahrestag am 13. November: 40 Jahre nach dem verheerenden Sturm Quimburga hat sich der Wald im Solling von den Schäden erholt. Unser aktuelles Bild entstand zwischen Sievershausen und dem CVJM-Heim an der Landesstraße Dassel/Silberborn. Fotos: Dumnitz

Sievershausen. An der Stelle im Solling, wo am 13. November 1972 der Sturm Quimburga seine Schneise der Verwüstung zog, trafen sich am Dienstag zum 40. Jahrestag 44 ehemalige Förster, Waldarbeiter sowie interessierte Einwohner der Region, um die Erlebnisse von damals von Zeitzeugen zu hören.

Im Ergebnis war man sich einig, dass man mit keinen waldbaulichen Maßnahmen verhindern kann, dass ein Jahrhundertsturm auch künftig Schäden im Wald anrichten kann. Wilhelm Wedekind aus Sievershausen war früher Haumeister im Solling. Er erinnerte sich an das große Chaos, dem die Waldarbeiter mit ihrem aus heutiger Sicht spärlichen Gerätschaften gegenüberstanden. Förster Armin Ristau aus Sievershausen sagte, dass sich der Waldbau durch den Sturm grundsätzlich verändert hat.

Quimburga sei durch zahlreiche Vorüberlegungen mit Wegbereiter für das im August 1991 politisch beschlossenen Löwe-Programm (Langfristigen ökologischen Wald-Entwicklung) in Niedersachsen gewesen, sagte Dr. Ingrid Beitzen-Heineke von der Betriebsleitung der Niedersächsischen Landesforsten in Braunschweig.

„Wir sind durch solche Stürme immer ein Stück weit schlauer und sensibler geworden, sagte ein anderer Forst-Senior bei der Zusammenkunft im Wald.

Gespräch mit Zeitzeugen: Landesforsten-Holzverkäuferin Dr. Ingrid Beitzen-Heineke (von links) und Revierförster Armin Ristau waren am Dienstag zum 40. Jahrestag von Sturm Quimburga mit ehemaligen Forstkollegen, Holzarbeitern und Interessierten auf einer früheren Sturmfläche im Solling.

Winfried Müller aus Delliehausen erinnerte sich, dass er nach dem 1972er Sturm waggonweise Eicheln aus dem Spessart in den Forstkamp nach Delliehausen geholt hat, um tausende Eichen für die Ersatzbepflanzung zu züchten. Landesweit fielen dem Sturm 17 Millionen Festmeter Holz zum Opfer, im Solling waren es 800.000 Festmeter, hieß es.

„Wir haben aber bis heute die vor allem vom Sturm in Mitleidenschaft gezogene Fichte nicht verteufelt“, sagte Armin Ristau. „Wir leben damit und verdienen auch gutes Geld damit“, so der Revierförster. Direkt neben einer großen Wurffläche wachsen noch heute rund 160 Jahre alte Fichten, die von Quimburga verschon blieben.

Dr. Ingrid Beitzen-Heineke berichtete von Versuchen der Landesforsten, wie große Mengen Stammholz bei guter Qualität über mehrere Jahre haltbar gelagert werden können. Während sich die Aufräumarbeiten 1972 über viele Monate hinzogen und sich dadurch an etlichen Stellen zum Beispiel der Borkenkäfer ausbreiten konnte, seien heute die Harvester-Gerätschaften schneller im Einsatz. Ziel sei ein rasches Aufräumen und Neubepflanzung der Sturmflächen und die Archivierung des Holzes. Bei Springe werde an einer luftdichten Lagerung unter Spezialfolien experimentiert, weil beispielsweise im Solling eine Dauerbewässerung von Holzstämmen wegen fehlender Wasserlager unmöglich sei.

Beitze-Heinecke bedauerte ebenso wie Winfried Müller, dass viel durch Quimburga erlangtes Wissen bis zu Kyrill im Jahr 2007 verloren gegangen ist. (jdx)

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