Die Kreitbreite war ein von Heisebeckern und Offensenern umkämpftes Fleckchen

Handfester Streit ums Land

Mit Dreschflegel und Rodeaxt: Offensens Ortsheimatpfleger Dietmar Wieneke (links) und Chronik-Autor Heiko Herrmann aus Heisebeck machten den Spaß mit und stellten sich fürs HNA-Foto als Streithähne an der Kreitbreite auf, wo es vor 500 Jahren zu Auseinandersetzungen zwischen den Bauern der beiden Dörfer kam. Im Hintergrund ist ein Teil von Offensen zu sehen. Foto: Nolte

Heisebeck/Offensen. Wenn sich in den hessischen und niedersächsischen Grenzorten östlich der Weser früher zwei Parteien ordentlich „kreiteten“, dann gerieten sie mehr oder weniger handfest aneinander. „Sei kreitet seck allwieer (Sie streiten sich schon wieder)“, schimpfen einige Alte noch heute auf Plattdeutsch über ihre Enkel. Der Begriff ist als Flurname erhalten – bei der so genannten Kreitbreite, gelegen zwischen dem hessischen Heisebeck und dem niedersächsischen Offensen.

Die Streitigkeiten an der Landesgrenze, auf die sich die Flurbezeichnung bezieht, begannen vor 500 Jahren und zogen sich 50 Jahre hin. Heisebeck, damals Hessebecke, befand sich in der Landgrafschaft Hessen. Offensen (Offenhausen) gehörte zum Fürstentum Calenberg-Göttingen, dessen Herrscher dem Hause Braunschweig-Lüneburg entstammten. Es war ein Streit, um ein kostbares Gut – um Ackerland. Streithähne waren die Bauern der benachbarten Dörfer.

Rodende Bauern

Der Grenzverlauf war höchst umstritten. So lange auf den Höhen zwischen Lichtenberg und Harth noch Wald stand, gab es kleinere, aber dennoch hartnäckig geführte Auseinandersetzungen um Holznutzung und Huterecht. Aber die Ackerleute beider Dörfer sannen auf Gewinn von bestellbarem Land. Sie rodeten die Wälder – die Offenser vom Schwülmetal aus, die Heisebecker von der anderen Seite. Der Konflikt verschärfte sich immer mehr. Als die rodenden Bauern aufeinander trafen, eskalierte der Streit.

Im Jahr 1558 seien zwei Bewohner aus Heisebeck „von Braunschweigern geschlagen worden“, heißt es in Akten der hessischen Seite. Außerdem hätten diese ein Pferd der Hessen beschlagnahmt. Im Herbst 1559 beschlagnahmte der hessische Förster dann eine Egge der Braunschweiger. Daraufhin rief Herzog Ernst von Braunschweig und Lüneburg das Reichskammergericht an, um die Angelegenheit zu klären.

Bevor es aber zu einer Entscheidung kam, wurde es noch schlimmer: Im April 1560 bestellten die Offenser das Streitland erneut. Im Juni/Juli 1560 ließ der hessische Amtmann zu Sababurg deren Frucht durch ein Aufgebot zertreten. Die Offenser anworteten prompt und traten ihrerseits das Getreide auf einem hessischen Nachbargrundstück nieder. Nach einem Ortstermin und Verhandlungen einigten sich beide Parteien im August 1560 gütlich; das Kreitland wurde geteilt.

Streitigkeiten an der Landesgrenze gab es allerdings noch viele Jahre – so beispielsweise 1585, als Förster Hans Schmidt aus Heisebeck den Kötner Hans Hohmeister aus dem braunschweigischen Fürstenhagen wegen eines angeblichen Holz-Diebstahls von hinten anschoss. Der Förster wurde wenig später gefangen genommen und schmorte bis 1591 in Braunschweiger Haft. (nh)

Von Jörg Nolte

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