Nach dem Krieg bestand großes Unterhaltungsbedürfnis

HNA-Serie über 50er Jahre: Harte Arbeit, frohe Feste

Feierabend Anfang der 50er-Jahre: Hier sind es junge Flüchtlinge, die in einer typischen Arbeiter-Küche in Vernawahlshausen Karten spielen, von links Karl Hasenkopf, Franz Beyer, Ernst Schücker, Josef Dörfler und Adolf Fischer (heute Uslar). Foto: nh

Uslar. Wer feste arbeitet, soll auch Feste feiern! Viele Sollinger gestalteten ihr Leben in den 50er-Jahren nach diesem Motto. Nach Kriegsnot und Nachkriegselend bestand bei allen Altersgruppen ein großes Unterhaltungsbedürfnis.

Die zahlreichen Geselligkeits- und Freizeitvereine fanden deshalb einen regen Zulauf. Auf dem Uslarer Schützenfest und den Kirmesfeiern der Dörfer drängten sich Tausende. Dabei kam es nicht selten zu alkoholischen Exzessen und Schlägereien zwischen rivalisierenden Jugendlichen.

Harte Arbeit, frohe Feste: Die 50er in Uslar

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Auch auf den Familienfeiern ging es manchmal hoch her. So notierte ein Uslarer Wachmann am 2. April 1950: „Durch die Konfirmationsfeiern während der gestrigen Nacht lebhafter Fußgängerverkehr. Angetrunkene Ruhestörer zur Ruhe ermahnt. Um 2.00 Uhr eine Schlägerei zwischen Betrunkenen in der Alleestraße. Tätlicher Widerstand wurde vom Begleithund abgewehrt.“

Gut besucht waren die Sportplätze. Wenn der Amateurligist VfB Uslar oder ehrgeizige Dorfvereine wie der FC Bodenfelde, Tuspo Schoningen und TSV Volpriehausen aufliefen, erlebten die Zuschauer nicht nur guten Fußball, sondern manchmal auch kleine Volksfeste, auf denen Bier, Brause und Bratwürste für gute Laune sorgten.

Bälle und Konzerte

Schlange stehen vorm Kino: So sah es in den 50er-Jahren vor dem Ilse-Theater in Uslar aus.

In den ersten Nachkriegsjahren blühten die Gastwirtschaften auf. Vor allem die mit viel Aufwand inszenierten Vereinsbälle, Theateraufführungen, Konzerte und Tanzveranstaltungen mit Live-Musik am Wochenende sorgten immer wieder für volle Häuser. Sogar Werbeveranstaltungen von Kaffeeröstern und Waschmittelfirmen füllten die Clubzimmer mit neugierigen Hausfrauen, die sich über kleine Präsente oder eine kostenlose Tasse Bohnenkaffee freuten.

An den Wochenenden spielten unterschiedlichste Musikkapellen zum Tanze auf. Bands wie „Die Musikpiraten“, „Die Rhythmiker“ die „Goldene Fünf“ oder „Die Smokeys“ hatten im Solling einen guten Namen. Manchmal kam es nach den Tanzveranstaltungen zu heftigen Nachspielen, vor allem zwischen den Jungmännern aus Nachbardörfern. So attackierten in der Nacht vom 27. auf den 28. Dezember 1956 junge Schoninger nach einem „öffentlichen Tanz“ im Gasthaus Bertram einen Jugendlichen aus Verliehausen, der erhebliche Verletzungen davon trug.

Prügelei wegen Mädchen

Der Grund für diese Prügelei soll ein junges Mädchen gewesen sein. Es war damals nicht ungefährlich, mit einer Maid aus dem Nachbarort anzubandeln. Erst in der zweiten Hälfte der 50er-Jahre wurde die Livemusik zunehmend von der Musikbox verdrängt. Einblicke in das Festleben der 50er-Jahre vermittelt die Sonderausstellung „Die Zeit des Aufbruchs“ im Uslarer Museum, die an diesem Sonntag, 8. Januar, wieder eröffnet wird.

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