HNA-Serie über die 50er Jahre in Uslar: Rückkehr der letzten Kriegsgefangenen

HNA-Serie über die 50er Jahre in Uslar: Rückkehr der letzten Kriegsgefangenen

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Auffanglager Friedland: Das Lager in Friedland war die erste Station der entlassenen deutschen Kriegsgefangenen. Am Bahnhof von Friedland suchte 1955 Hans-Joachim Heime mit einem Schild nach seinem Onkel Joachim Heime.

Uslar. Das Uslarer Land war in den 1950er Jahren in vielen Bereichen noch durch direkte oder indirekte Auswirkungen des Krieges geprägt. Viele Kriegerwitwen mussten sich und ihre Kinder allein durchbringen.

Andere Frauen wussten oder hofften, dass ihre Männer in Gefangenschaft der Siegermächte überlebt hatten.

Getrieben von dieser Hoffnung auf ein Wiedersehen fuhren viele Familien immer wieder in das Auffanglager Friedland bei Göttingen, um nach ihren Männern zu suchen. Dieses Lager war die erste Station der entlassenen ehemaligen Landser.

Am Bahnhof von Friedland entstand 1955 ein Foto, das Hans-Joachim Heime aus Erbsen auf der Suche nach seinem Onkel zeigt. Von dem Fahnenjunker Joachim Heime hatte die Familie 1946 ein letztes Lebenszeichen aus Russland erhalten. Mit einem Schild, auf dem seine Lebensdaten verzeichnet waren, fuhr die Familie in das nahe gelegene Friedland und hoffte, den Vermissten zu finden oder Informationen von Mitgefangenen über sein Schicksal zu erhalten. Obwohl das Foto durch die deutsche Presse ging und viele Menschen der Familie ihr Mitgefühl in Briefen ausdrückten, blieb die Suche erfolglos. Familie Heime hat nie wieder von ihrem Verwandten gehört.

Die letzten Sollinger Kriegsgefangenen kamen im Herbst 1955 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Viele von ihnen hatten in den Arbeitslagern ihre Gesundheit ruiniert.

„Der Krieg und die Gefangenschaft haben mir meine besten Jahre geraubt“, erinnerte sich später Curt Nägeler, der am 5. Januar 1950 als letzter Ahlbershäuser aus sowjetischer Gefangenschaft in sein Heimatdorf zurückkehrte. Als 17-jähriger war er 1943 eingezogen worden und erst sieben Jahre später konnte ihn sein Vater in Friedland abholen. „Unser Haus war voll mit Flüchtlingen und mein Zimmer war vollgestellt mit den Möbeln meiner Eltern. Wenn ich in mein Bett wollte, musste ich erst über die anderen Möbel klettern.“, beschrieb er die Verhältnisse. Da er gelernter Maurer war, fand er in der Zeit des Wiederaufbaus schnell Arbeit und heiratete 1951 seine Frau, die aus dem Memelland in Ostpreußen geflüchtet war.

Die Erinnerungen der ehemaligen Wehrmachtsoldaten blieb für viele ein Trauma. Der körperliche und seelische Zustand der Heimkehrer war oft sehr schlecht. Es dauerte mitunter Jahre bis sie sich einigermaßen von Krieg und Gefangenschaft erholt hatten. Hinzu kam, dass sich einige nur schwer wieder in das zivile Leben einfügen konnten und sie sich auch von ihren Frauen entfremdet hatten.

In den nächsten Tagen erwartet das Museum Uslar den 500. Besucher der aktuellen Sonderausstellung. Dieser Besucher erhält als Geschenk das Buch „Die Fünfzigerjahre in Uslar und dem Solling“ von Gerd Gail.

Die Ausstellung „Die Zeit des Aufbruchs. Der Solling in den 50er Jahren“ ist dienstags bis sonntags von 15 bis 17. Uhr geöffnet.

Von Gerd Gail und Daniel Althaus

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