Prof. Dr. Hans-Georg Stephan plant für 2015 weitere Kampagne mit Studenten

Funde der der früheren Glasproduktion

Präsentation der Grabungsfunde: Prof. Dr. Hans-Georg Stephan (rechts) stellte zum Abschluss der sechswöchigen Grabungskampagne die Fundstücke vor einigen Historikern und Interessierten vor. Alle Funde sollen jetzt gesichtet werden. Foto: Dumnitz

Polier. Zentnerschwere Funde mit vielen Kleinteilen von der früheren Glasproduktion in einer mittelalterlichen Glashütte im Reiherbachtal zwischen Polier und Bodenfelde sind das Ergebnis der dritten Grabungskampagne unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Georg Stephan von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Die zu Beginn der Grabungen in diesem Frühjahr erhofften Aufschlüsse über die Brennöfen haben sich durch die Spurensuche jedoch nicht ergeben.

Das sagte Prof. Stephan jetzt bei der Abschlussbesprechung vor Historikern und Heimatfreunden. Er würde gern auch im nächsten Jahr noch einmal mit Archäologie-Studenten weiter graben, um aus den Funden nähere Aufschlüsse über die Anlage zu bekommen. Klar sei, dass man in der Glashütte aus der Zeit von 1420/30 auf die Produktion von Flachglas spezialisiert war. Die Werkzeugfunde wie etwa Scheren deuten darauf hin. Auch Kupferteile, die für die damals typische Grünfärbung verantwortlich waren.

Gefunden wurde auch eine Nadel mit einem weißen Rundkopf, wie sie feine Damen im Mittelalter gern im Haar getragen haben. Erklärung dafür könnte laut Stephan ein Besuch einer Gesellschaft an der Glashütte gewesen sein.

Er sei sich sicher, dass die Hütte zehn, maximal 20 Jahre Bestand hatte. Das ergebe sich auch aus den Fundstücken etwa von Gebrauchskeramik wie Becher, Lampenschirmen und Keramikbehältern, die zudem auf eine Art Milchwirtschaft hindeuten.

Das etwa 25 mal 25 Meter große Areal auf der Wiese neben einem Bachlauf weise Spuren der Glashütten-Struktur auf. Menschen haben demnach nicht nur an der Hütte gearbeitet, sondern wohl auch zeitweise daneben gewohnt. Stephan geht vom Meister, mehreren Gesellen und Lehrlingen sowie Familienangehörigen aus.

Um Kenntnislücken zu schließen, will Prof. Stephan im nächsten Jahr noch einmal graben. Dann soll es um die Spurensuche nach den Strukturen der bis zu drei Öfen gehen. Ob die Grabung 2015 stattfindet ist jedoch noch unklar. Zum einen, weil Prof. Stephan plant, in den Ruhestand zu gehen, und zum anderen stehe die Finanzierung noch nicht. Klar ist hingegen, dass es bald eine Ausstellung mit den Grabungsergebnissen in Bodenfelde oder Uslar geben soll. (jde)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.