Belegschaft soll halbiert werden

Warnstreik mit dem Sensenmann bei der Demag in Uslar

Uslar. Die über 200-köpfige Belegschaft der Demag in Uslar ist am Donnerstag in einen 24-stündigen Warnstreik getreten.

Aktualisiert um 17.30 Uhr - Nahezu die komplette Belegschaft der Demag in Uslar – über 200 Mitarbeiter – sind am Donnerstag in einen 24-Stunden-Warnstreik getreten. Sie besetzen sei Donnerstagmorgen um 6 Uhr die beiden Werkstore und streiken in einem Zelt davor. Dabei sorgte ein Zeitungsartikel aus dem Baltikum für die größte Aufmerksamkeit und machte die vom angekündigten Abbau von 100 Arbeitsplätzen in Uslar ohnehin besorgten Demag-Beschäftigten regelrecht wütend: In dem Artikel steht, dass der estnische Elektromotorenhersteller Konesko sein Werk ausbauen und in zwei bis drei Jahren 100 Mitarbeiter einstellen will, um die Aufträge seines finnischen Minderheitseigentümers Konecranes, zu dem auch die Demag gehört, zu erfüllen. Demag-Betriebsratsvorsitzende Martina Neupert sagte voller Empörung, dass der Artikel schon am 31. Januar 2017 erschienen sei und damit vermuten lasse, dass schon kurz nach der Übernahme von Konecranes am 4. Januar 2017 klar war, was sie mit Uslar vorgehabt hätten: Stellenabbau. 

In Uslar ist der geplante Stellenabbau am 9. Januar 2018 vom Konzern verkündet worden. 100 Stellen sollen abgebaut werden, weil die Großfertigung von Motoren nach Estland zur Firma Konesko verlegt werden soll, erinnerte Martina Neupert am Donnerstagvormittag bei der Kundgebung während des Warnstreiks im voll besetzten Zelt über den Stand der Dinge, der im Uslarer Land überall als große Hiobsbotschaft aufgenommen wurde. Der Beitrag ist in dem russischen Wirtschaftsmagazin Baltic Course zu finden, das seit dem Jahr 2000 vierteljährlich in den baltischen Staaten erscheint. Im Artikel steht, dass eine Produktionsstätte entwickelt werden soll mit großem Potenzial. 1,1 Millionen Euro sollen investiert werden. Konesko hoffe, dass die Zahl von Aufträgen durch Konecranes steigen werde. Die Beschäftigten in Uslar glauben der Unternehmensleitung nicht, dass sie langfristig am Standort Uslar festhalten wolle, wie sie versichert habe. Neupert sagte ganz aufgebracht: „Ausländische Firmen übernehmen deutsche Firmen und vernichten deutsche Arbeitsplätze und klauen uns unser Know-how. Ich verstehe nicht, dass die Politik das zulässt.“ Demag zeigt Geschlossenheit Die Betriebsratsvorsitzende kündigte an, dass die Belegschaft weiter um den Standort Uslar kämpfe und fordert, dass er erhalten bleibt. Bisher habe man mit zwei vorangegangenen Warnstreiks bereits große Geschlossenheit demonstriert. Neupert hatte eingangs die Forderung der IG Metall im aktuellen Arbeitskampf nach sechs Prozent mehr Lohn und einer Arbeitszeitverkürzung gerechtfertigt und die Forderung der Arbeitgeber mit der Rückkehr zur 40-Stunden-Woche als unverschämt bezeichnet.

Solidarität ist sehr groß

„In ganz Uslar herrscht Betroffenheit“, sagte die Demag-Betriebsratsvorsitzende Martina Neupert bei der Kundgebung und sprach von einer großen Welle der Solidarität mit den Beschäftigten, denen der Abbau von 100 Arbeitsplätzen droht. Politiker, Betriebe und Einwohner zeigten sich solidarisch, selbst beim Karneval war die Demag Thema, weil alle um die fatalen Folgen eines Stellenabbaus für die strukturschwache Region Uslar fürchten. So kamen zur Kundgebung Mitarbeiter aus anderen Uslarer und sogar aus Göttinger Betrieben, Kreistagsabgeordnete und Stadtratsvertreter, Vertreter von Parteien und der IG Metall und Uslars Bürgermeister Torsten Bauer. Hinzu kam Unterstützung von örtlichen Geschäftsleuten für die Kundgebung, von Banken, Firmen, Vereinen Verbänden und Lieferanten., die alle namentlich genannt wurden. 

Produktion stand überall still

Als tollen Erfolg wertete Manfred Zaffke, erster Bevollmächtigter der IG Metall Südniedersachsen-Harz, dass während der Warnstreiks in keinem bestreikten Betrieb produziert wurde. Er gab die Devise aus, den heutigen Freitag abzuwarten und das Wochenende und gehe davon aus, dass die Verhandlungen mit den Arbeitgebern wieder aufgenommen werden. Scheitern sie, komme es zum unbefristeten Streik. Zaffke: „Den wollen wir nicht, haben aber auch keine Angst davor.“ Die Uslarer Demag-Beschäftigten ließen lautstarken Applaus folgen. Zaffke gab den niedersächsischen Arbeitgebern eine Mitschuld an den gescheiterten Verhandlungen. Zum Problem der Demag mit dem drohenden Abbau von 100 Stellen sagte der IG-Metall-Chef für Südniedersachsen und Harz, dass ein ganzer Standort auf dem Spiel stehe. Dagegen stehe die Forderung der Gewerkschaft, den Stellenabbau komplett zu verhindern und eine langjährige Garantie für Standort und Stellen zu schaffen. Die Arbeitgeber müssten dafür den notwendigen Druck erfahren, schwor Zaffke die Beschäftigten ein und erntete Applaus. Er glaube auch, dass Konecranes beeindruckt sei von der Entschlossenheit und der großen Resonanz der Belegschaft bei den bisherigen Warnstreiks. Er sei sich sicher, dass erfolgreiche Abschlüsse folgten.

Infos zum Streik der Metaller in Kassel gibt es hier.

Rubriklistenbild: © Foto: Dumnitz

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