Doppelmord: Jan O. leugnete Morde bei Festnahme

Göttingen/Bodenfelde. Mit den Zeugenaussagen mehrerer Polizeibeamter, die mit dem Doppelmord in Bodenfelde befasst waren, wurde der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Nina und Tobias, Jan O., am Freitag vor dem Göttinger Landgericht fortgesetzt.

„Ich war das nicht, ich bin kein Mörder. Ich bin doch kein Kinderschänder“: Das sagte Jan O. kurz nach seiner Festnahme im November 2010. So schilderte am Freitag der Leiter der nach den Morden einberufenen Mordkommission „Rechen“ die Begegnung mit Jan O.

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Der Beschuldigte habe einen äußerst verwahrlosten Eindruck gemacht, seine Kleidung sei verdreckt gewesen, er habe nach Alkohol gerochen, sagte der Beamte weiter. Auch sei Jan O. leicht impulsiv und aggressiv gewesen. Und Jan O. habe Verletzungen an den Händen gehabt. Wie sich später herausstellte, hatte sich der Angeklagte diese zugezogen, als er den 13-jährigen Tobias zwei Tage zuvor mit mehreren Messerstichen ermordet hatte. Gegenüber der Polizei hatte Jan O. zunächst angegeben, er sei in Göttingen mit mehreren Punks aneinandergeraten, bei einem Sturz habe er mit der Hand in eine zerbrochene Bierflasche gefasst.

Geständnis im Internet gefunden

Nach dem Doppelmord von Bodenfelde ist ein Polizist zufällig auf ein Geständnis des mutmaßlichen Täters im Internet gestoßen. Wie beim zweiten Prozesstag bekannt wurde, ist der Angeklagte Jan O. zudem neunfach vorbestraft.

In dem sozialen Netzwerk Facebook sei er auf die Seite von Jan O. gekommen und habe dort gelesen, dass er offenbar ein Mädchen umgebracht hat, sagte der Polizist bei der Fortsetzung des Prozesses gegen den 26-jährigen Jan O. am Freitag vor dem Landgericht Göttingen. “Gestern Mädchen geschlachtet. Jeden Tag eins, bis mich erwischen“, hatte Jan O. dort geschrieben.

aktualisiert um 15.40 Uhr

Unerwartet war die Mutter des Angeklagten im Zuschauerraum. Sie wurde aber vom Gericht mit dem Hinweis darauf, dass sie möglicherweise noch als Zeugin gehört werde, des Saales verwiesen.

Nach der Aussage des Beamten wurde ein Video der Ermittler vom Tatort gezeigt. Bilder der Leichen wurden der Öffentlichkeit zwar erspart. Ein Beamter beschrieb allerdings, wie zugerichtet die toten Körper der 14-jährigen Nina und des 13 Jahre alten Tobias vorgefunden wurden.

Der angeklagte 26-Jährige soll im November vergangenen Jahres im niedersächsischen Bodenfelde die 14-jährige Nina und den 13-jährigen Tobias erstochen beziehungsweise erwürgt haben. Die Tat hat er bereits mehrfach gestanden. Zum Prozessauftakt war am Mittwoch bereits das 19-seitige schriftliche Geständnis verlesen worden. Darin schildert der Angeklagte grausame Details seiner Verbrechen.

Doppelmord in Bodenfelde: Riesiger Medienrummel zum Prozessbeginn

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So soll er der noch lebenden Nina mehrmals Blut aus den Wunden gesaugt und in einen Zeh gebissen haben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der Beschuldigte die Taten “zur Befriedigung seines Geschlechtstriebes, heimtückisch und grausam“ begangen.

Eltern sollen als Zeugen aussagen

Das Gericht erwägt nun, auch die Eltern der getöteten Jugendlichen als Zeugen zu vernehmen. Die Entscheidung stehe den Eltern aber frei, machte Richter Ralf Günther am Freitag klar. Zudem kündigte Günther an, dass ein psychologisches Gutachten zu der schriftlichen Aussage des 26-Jährigen erstellt werden soll.

Einem Gutachten zufolge war der Angeklagte zum Zeitpunkt der Morde nur eingeschränkt steuerungsfähig. Er könnte deshalb entweder zu einer Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt werden oder in eine psychiatrische Klinik kommen. Der 26-Jährige ist mehrfach vorbestraft. Insgesamt zählte Günther am Freitag neun gerichtliche Vorentscheidungen gegen Jan O. auf.

Das Gericht nahm am Freitag auch ein Video von dem Umfeld des Tatorts in Augenschein und befragte einen Polizisten der Ermittlergruppe zu der Auffindesituation der Leichen. Die Mutter des Angeklagten war am Freitag im Gerichtssaal erschienen. Da sie allerdings vermutlich noch als Zeugin vernommen wird, bat Richter Günther sie, den Saal zu verlassen.

Das Landgericht Göttingen hat elf Verhandlungstage für den Prozess angesetzt. Ein Urteil könnte demnach am 25. Mai gesprochen werden. (kat/dapd)

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Rubriklistenbild: © Jelinek

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