Serie über Genossenschaften im Solling: Heute geht es um Jagdgenossenschaften

Jagen auf eigenem Boden

Erfolgreicher Jäger: Wilhelm Nägler aus Ahlbershausen mit einem erlegten Bock. Das Bild stammt aus den Jahren um 1935. Foto: nh

Uslar. Die Geschichte der Jagdgenossenschaften reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück. Eine zentrale Forderung in der Revolution von 1848 stellte die Aufhebung des adeligen Jagdrechts dar. Im Königreich Hannover wurde dieser alte Traum der Bauern 1850 mit dem „Gesetz betreffend Aufhebung des Jagdrechts auf fremden Grund und Boden“ wahr. Es regelte, dass das Jagdrecht unlösbar an die Grundstücke gebunden wurde und der jeweilige Eigentümer Inhaber des Jagdrechts auf seinen Flächen war.

Damit aber nicht jeder kleine Grundbesitzer auf seiner Fläche unkontrolliert jagen konnte, wurde verfügt, dass jeder, der nicht mindestens über eine zusammenhängende Fläche von 300 hannoversche Morgen (rund 75 Hektar) verfügte, Zwangsmitglied in einer „Feldmarksgenossenschaft“ wurde. Diese verwalttete das Jagdrecht auf der Gesamtfläche.

Diese Regelungen fanden in abgewandelter Form auch Eingang in das Reichsjagdgesetz von 1934, das Bundesjagdgesetz von 1953 sowie das Landesjagdrecht in Niedersachsen und bestehen damit bis heute.

Aufgaben wenig verändert

Mit dem Wandel in der Gesetzgebung wurden aus den alten hannoverschen „Feldmarksgenossenschaften“ die modernen Jagdgenossenschaften. Noch immer sind die Grundstückseigentümer eines gemeinschaftlichen Jagdbezirks Zwangsmitglied in dieser „Genossenschaft des öffentlichen Rechts“, und auch ihre Aufgaben haben sich nur wenig geändert. Die Jagdgenossenschaft nutzt ihr Jagdrecht in der Regel durch Verpachtung an einen Jagdausübungsberechtigten.

Dabei richtet sich der Pachtpreis nach der Größe des Reviers und den dort vorkommenden Wildarten. Hochwildreviere (das sind hier im Solling in erster Linie Reviere, in denen Rotwild vorkommt) erzielen höhere Preise und werden meist auf zwölf Jahre verpachtet. Niederwildreviere sind günstiger und haben eine Pachtdauer von neun Jahren. Mit dem Pachterlös unterstützen die Jagdgenossenschaften größtenteils den Wegebau und sorgen damit für die Instandhaltung der Feldwege in ihren Jagdbezirken.

Konflikte wegen der Reviere

In den 1930er-Jahren entspannen sich in vielen Sollingdörfern Konflikte um die durch das Reichsjagdgesetz verfügten Abrundungen der Jagdreviere. Besonders stark war Bollensen von den neuen Regelungen betroffen. Der Distelgrund sowie die Wöseke sollten an den Staatsforst fallen und das Revier Bollensen um die jagdlich attraktivsten Flächen verkleinert werden. Friedrich Schormann stemmte sich massiv gegen diese Pläne und erreichte, dass der strittige Fall sogar dem Reichsjägermeister Hermann Göring vorgelegt wurde. Sein Widerspruch blieb jedoch erfolglos und führte zu erheblichen Repressalien gegen ihn.

Erst nachdem er selbst in den 1950er-Jahren Kreisjägermeister wurde, setzte er sich für neue Lösungen ein und zog für sich selbst das Fazit: „Ich habe dann in vielen anderen Gemeinden ebenfalls einen gerechten Flächenaustausch erreicht.“ Bis zum 29. Juli ist die Sonderausstellung „Genossenschaften im Solling“ im Museum Uslar zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 05571-307142

Von Daniel Althaus und Heinrich Schormann

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