Ein Jahr nach dem Aufbau: Noch fließt kein Strom vom Offenser Solarfeld

Offenbar totes Kapital: Die im August 2015 am Fuße des Lichtenbergs bei Offensen montierte Photovoltaikanlage. Sie liefert noch keinen Strom ins öffentliche Netz. Eine Leitung ist bisher nicht verlegt worden. Damit scheint die nagelneue 1,8 Millionen Euro teuere Anlage auf 30 000 Quadratmeter Fläche ein Industriebrache zu sein. Archivfoto: Dumnitz

Offensen. Die seit über einem Jahr auf einer zuvor als Acker genutzten Freifläche fest montierte Photovoltaikanlage bei Offensen ist noch nicht ans Stromnetz angeschlossen. Offenbar wurde von dem Betreiber der Anlage der Aufwand für den Bau einer nötigen Stromleitung fürs Einspeisen unterschätzt.

Verpächter der rund 30 000 Quadratmeter großen Ackerfläche ist der Offenser Landwirt Michael Ahlbrecht. Der hatte schon 2011 die Idee, mehr Geld mit der Fläche parallel zur Bahnlinie zu verdienen, als es durch Ackerbau möglich ist. Zunächst wollte er allein eine Photovoltaikanlage realisieren. Dann suchte er sich finanzstarke Partner und fand einen in der Firma Frankfurt Energy Holding GmbH mit Sitz in Eschborn bei Frankfurt/Main.

Das Unternehmen hat 1,8 Millionen Euro in den Bau der Anlage am Rand des 320-Seelen-Dorfes investiert. Aufgestellt wurden die Module im August 2015. Aber bisher wurde noch kein Cent für das Einspeisen des Stroms ins Netz verdient, im Gegenteil. In Offensen heißt es, dass der Landwirt bereits eine Pacht vom Betreiber aus Eschborn bekomme, die nicht laufende Anlage also schon Geld kostet. Ahlbrecht war bisher nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Bauantrag gestellt

Grund für den Zustand ist ein offenbar schleppendes Engagement des Betreibers für den Leitungsbau, durch den das Einspeisen des ökologisch erzeugten Solarstroms überhaupt erst möglich wird. Derzeit laufe ein Bauantrag beim Landkreis Northeim, von dem auch die Stadt Uslar unterrichtet ist, heißt es aus der Bauabteilung der Stadt.

Vorgesehen ist ein etwa drei Kilometer langes Erdkabel vom Photovoltaik-Feld entlang des Rad- und Feldweges parallel zur Bahnlinie bis nach Verliehausen. Die Erdleitung soll an einer Stelle vor Verliehausen unter den Bahnschienen verlegt werden und an der Weserstraße an einer Übergabestation ins öffentliche Stromnetz der EAM eingespeist werden. Erst ab dem Moment kann der Ökostrom eingespeist werden.

Durch geänderte Gesetze gilt aktuell eine verpflichtende Direktvermarktung. Das bedeutet, dass der Anlagenbetreiber den erzeugten Solarstrom nach dem EEG 2014 (Energie-Einspeisungsgesetz) einen Direktvermarkter wie in diesem Fall wohl der EAM überträgt. Freiflächenanlagen wie die bei Offensen werden seit dem 1. September 2015 nicht mehr über eine „fixe Einspeisevergütung“ gefördert. Die Höhe der Förderung ergibt sich durch ein öffentliches Ausschreibungsverfahren für den Strom, an dem sich der Betreiber oder Direktvermarkter beteiligen muss, wie Doreen Fragel als Geschäftsführerin der Energieagentur Region Göttingen auf Anfrage bestätigte.

Bundesnetzagentur

Geleitet wird das Verfahren von der Bundesnetzagentur. Sie hat für dieses Jahr ein Fördervolumen für Freiflächenanlagen von 400 Megawatt ausgeschrieben. Die Ausschreibungen werden auf der Internetseite der Bundesnetzagentur angekündigt. Investoren können sich mit ihren Projekten/Anlagen bei der Agentur bewerben (maximale Anlagenleistung 10 Megawatt). Den Förderzuschlag erhalten die Projekte mit den günstigsten Angeboten (Cent/Kilowatt) - solange, bis das Jahres-Fördervolumen aufgebraucht worden ist.

Antag für den Leitungsbau ist gestellt

Die Stadt Uslar unterstützt das Vorhaben des Eschborner Unternehmens Frankfurt Energy-Holding GmbH für den Stromleitungsbau von Offensen bis nach Verliehausen. Das sagte Volker Mäder als Leiter des Baumanagements der Verwaltung auf HNA-Anfrage.

Bereits vor Monaten sei ein Bauantrag beim Landkreis gestellt worden. Es müsse aber mit zahlreichen Grundstückseigentümern verhandelt werden und auch mit der Deutschen Bahn, weil das nötige Erdkabel unter der Bahnlinie verlegt werden müsse.

Sören Asmus, Projektentwickler der Firma Frankfurt Energy Holding GmbH, wollte sich zur aktuellen Situation und zum Stand der Dinge nicht weiter äußern. Er bestätigte, dass der Bau für ein Erdkabel „schon vor einiger Zeit“ gestellt worden ist. Wenn eine Genehmigung vorliege, solle „so schnell wie es geht“ mit den Erdarbeiten für die Verlegung des Stromkabels in der Erde begonnen werden.

Frankfurt Energy Holding GmbH ist eine international tätige deutsche, mittelständische Firmengruppe im Bereich der Solar- und Windenergie, die sich für die Entwicklung, Errichtung, Finanzierung und den Betrieb von Solar- und Windkraftwerken in Deutschland und Europa engagiert.

Nähere Angaben zum Betrieb der Solaranlage bei Offensen wollte Sören Asmus nicht machen. „Das sind Betriebsinterna, die niemanden etwas angehen“, sagte er und beendete das Telefongespräch mit der HNA. (jde)

Von Jürgen Dumnitz

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