222 Jahre arbeiteten in Winnefeld Förster der Familie Steinhoff

Familiengeschichte in Stein gemeißelt: Ein Gedenkstein erinnert an der Weggabelung zum früheren Forsthaus Winnefeld an die Förster-Familie Steinhoff, die hier über sechs Generationen wirkte. Zur Einweihung kamen (von links) Sabine Steinhoff (Tochter des letzten Försters), Jutta Steinhoff, Gisela Steinhoff, Linda Steinhoff (vorn) sowie die Brüder Peter und Dieter Steinhoff. Foto: Schmidt-Hagemeyer

Winnefeld. Am Weg zum ehemaligen Forsthaus Winnefeld erinnert ein Gedenkstein an eine besondere Familiengeschichte: 222 Jahre hießen die Förster, die hier wirkten, Steinhoff.

Zur Einweihung des Steins waren Bekannte der Familie sowie Vertreter der Niedersächsischen Landesforsten gekommen. Peter Steinhoff, der als Bruder des letzten Steinhoff-Försters in Winnefeld noch im alten Forsthaus aufgewachsen ist, erinnerte an die Familientradition.

Die Forstdienststelle Winnefeld sei 1728 gegründet worden, „um den Übergriffen der Bewohner des nahe gelegenen Dorfes Derental auf den hannoverschen Wald Einhalt zu gebieten“, berichtete er. Als im Winter 1767/68 der damalige Förster Allershausen bei der Jagd angeschossen wurde und starb, erhielt Johann Julius Steinhoff die Stelle.

Seine forstlichen Ambitionen wurden durch die Weidewirtschaft im Wald erschwert. Den Vieheintrieb versuchte Förster Steinhoff durch die Aussaat von Fichten einzuschränken. Doch die umliegenden Orte sahen darin eine unzulässige Einschränkung ihrer Huterechte und bekamen vor Gericht Recht.

Noch mehrfach wurden Anträge von Johann Julius Steinhoff, Fichten säen zu dürfen, durch die Forstinspektion abgelehnt, bis er schließlich mit eigenem Geld Fichtensamen kaufte und aussäte. „Dies kann als der Beginn der Fichtenwirtschaft im Süden des Sollings angesehen werden“, sagte Peter Steinhoff.

Hutewald und Fichten

Im 19. Jahrhundert wurde Waldweide uninteressanter, die Bauern gingen zur Stallhaltung über. Darum konnten sich die Steinhoff-Förster der zweiten und dritten Generation um die Entwicklung einer forstlichen Bewirtschaftung im heutigen Sinne kümmern.

1881 folgte Carl Friedrich der vierte Steinhoff, der 1894 von König Wilhelm II den Titel Forstmeister verliehen bekam. Im Ersten Weltkrieg war er zusätzlich Landrat im Kreis Uslar. Als er 1921 in Pension ging, wurde die Stelle ausgeschrieben. Sohn Oskar hatte jedoch keine Konkurrenz zu befürchten. Um die Familientradition nicht zu stören, verzichteten Interessenten auf eine Bewerbung.

Oskars Sohn Wolf wurde 1965 in sechster Generation Förster in Winnefeld. Ihn beschäftigten wie seinen Urahn 200 Jahre zuvor noch einmal die Hutewälder, in denen heute Heckrinder und Wildpferde grasen. Vor 15 Jahren wurde das Hutewald-Projekt gestartet, um die Auswirkungen auf die Artenvielfalt zu untersuchen.

Für den Erhalt der alten Buchen und Eichen hat sich vor etwa 45 Jahren Wolf Steinhoff eingesetzt. Er habe mit seinen Vorgesetzten sogar erhebliche Probleme bekommen, weil er die angeordnete Umwandlung der Huteeichenbestände in eine andere Waldform nicht vollziehen wollte, berichtet Peter Steinhoff, und schloss: „Aus heutiger Sicht gebührt unserem Bruder Wolf Anerkennung für sein eigenmächtiges Handeln zum Erhalt der letzten Eichenhutebestände im Südsolling, die gelegentlich als kulturhistorisches Denkmal angesehen werden.“ 

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