Gasthaus Filmer-Dörigmann in Dinkelhausen schließt - Wirtin hört nach 33 Jahren auf

Kapitel Kneipe ist beendet

Vergangenheit: Lotte Dörigmann hinter Theke im Gasthaus Filmer/Dörigmann in Dinkelhausen. Es ist seit Jahresende geschlossen. Foto: Schneider

Dinkelhausen. Zum Jahresende war Schluss. Dinkelhausen hat kein Gasthaus mehr. Lotte Dörigmann hat nach 33 Jahren als Wirtin die Pforten geschlossen. Das traditionsreiche Gasthaus Filmer ist Geschichte.

„Es lohnt sich nicht mehr“, sagt die 71-jährige Wirtin und nennt Gründe: Es werden immer weniger Stammgäste, und die Nebenkosten steigen. Drauflegen wolle sie nicht, erklärt die Wirtin, die das Gasthaus in den vergangenen zwei Jahren als Rentnerin noch nebenbei führte. Zuletzt waren gerade mal die Kosten gedeckt, berichte Lotte Dörigmann: „Wer arbeitet schon gern umsonst?“

Mit der Schließung ist auch die Konzession erloschen. Damit dürfte das Thema für das Haus wohl erledigt sein. Denn es besteht offensichtlich ein Sanierungsstau. Ein Umbau käme extrem teuer. Dennoch: Das Gebäude in der Ortsmitte ist zu haben.

Seit 1978 in Dinkelhausen

Lotte Dörigmann bleibt auch: Aber nur noch als Mieterin. 1978 war sie mit ihrem Mann Robert von Bodenfelde nach Dinkelhausen gekommen und hatte das Gasthaus übernommen. Die meiste Zeit führte ihr Mann die Kneipe, während sie arbeiten ging. 2003 starb Robert Dörigmann. Von da an führte Lotte Dörigmann das Gasthaus allein.

Früher war noch viel los. Es gab sogar mal zwei Gaststätten im Dorf. Zum Filmerschen Haus gehörte viele Jahre lang noch ein Edeka-Laden. Lotte Dörigmann, gebürtig aus Düsseldorf und von Beruf Groß- und Einzelhandelskauffrau, kam über Holzhausen am Hahn (Schwalm-Eder-Kreis) und Bodenfelde nach Dinkelhausen. Seit 1957 arbeitete sie in der Branche.

Nach dem Tod ihres ersten Mannes heiratet sie 1976 Robert Dörigmann aus Hümme, mit dem sie in Bodenfelde die Wesertaverne betrieb, bevor sie nach Dinkelhausen gingen. Aus erster Ehe stammen die beiden Söhne Klaus und Ralf. Ihr Blick zurück nach 33 Jahren Gastwirtschaft fällt positiv aus: „Es hat mir immer Spaß gemacht, ich hatte immer nette Gäste.“

Die schönsten Zeiten waren die, als man nach dem Fußball noch in die Kneipe ging und es viel mehr Stammgäste gab. Kneipengänger gibt es heute kaum noch. Früher war das Gasthaus wichtige Kommunikationsstätte. Lotte Dörigmann: „Gehste in den Krug, wirst Du klug. Gehste drumrum, bleibst Du dumm.“ Ihr war wichtig, immer auch Kummerkasten gewesen zu sein. Heutzutage komme erschwerend hinzu, dass Sportheime und Dorfgemeinschaftshäuser der Gastronomie zu schaffen machen.

Kapitel beendet

Nun ist das Kapitel in Dinkelhausen beendet, sagt Lotte Dörigmann. Kurz vor Toreschluss waren nochmal die Vereinsvertreter zum Abschied in der Kneipe, tags drauf die Stammgäste. Da habe schon eine gewisse Traurigkeit geherrscht. Lotte Dörigmann bleibt gelassen. Sie widmet sich jetzt voll und ganz ihren Hobbys: Lesen und Handarbeiten. (fsd)

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