Wechsel kommt nicht zustande

Leßner bleibt Ortsbürgermeister in Verliehausen

Verliehausen. Eigentlich war für die öffentliche Sitzung des Ortsrates in Verliehausen ein Wechsel im Amt des Ortsbürgermeisters erwartet worden. Jetzt kam alles anders. Ergebnis der 45 Minuten dauernden Sitzung: Friedbert Leßner bleibt Ortsbürgermeister.

Der stellvertretende Ortsbürgermeister Jürgen Nolte, der ursprünglich übernehmen sollte, war im September 2016 mit exakt der gleichen Stimmzahl wie Friedbert Leßner gewählt worden: 152 Wählerstimmen auf der einheitlichen Wählerliste für Verliehausen. Deshalb war der Plan, dass zunächst Friedbert Leßner, der auf Listenplatz eins in die Wahl gegangen war, den Posten übernimmt. Zur Hälfte der Wahlperiode sollte gewechselt werden und Jürgen Nolte Ortsbürgermeister werden.

In der Vorbereitung auf diesen Wechsel habe man festgestellt, dass kein „fliegender Wechsel“ möglich sei, sagte Leßner. Vielmehr habe die Abmachung gegen das niedersächsische Wahlgesetz verstoßen. Um Nolte zum Ortsbürgermeister zu machen, hätte Leßner formell zurücktreten müssen. Das habe die Situation für ihn grundlegend geändert, so Leßner. Er wolle nicht ohne öffentliche Aussprache zurücktreten. Um eine solche hätten auch die Mitglieder des vollzählig anwesenden Ortsrates gebeten und dieses Vorgehen mit dem Büro des Bürgermeisters abgestimmt.

Alle, bis auf Jürgen Nolte, der das Schlusswort hatte, sprachen Leßner ihr Vertrauen aus. Man wolle in dieser Konstellation weiter arbeiten. Das Vertrauensverhältnis sei gut, sagte Michael Karwasz, alle Entscheidungen würden im Konsens getroffen.

In Richtung Jürgen Nolte dagegen gab es Kritik. Die machte Karwasz an einem Brief fest, den Nolte im Februar Bürgermeister Bauer, Ortsbürgermeister Leßner und dem Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft übergeben hatte. Darin war es um die Staubbelastung der Anwohner des oberen Forstweges gegangen.

Nolte hatte angeregt, den Weg asphaltieren zu lassen, den Brief geschrieben und Unterschriften der Anlieger gesammelt, weil das Thema „im Ortsrat kein Interesse finde“. Das kreidete Karwasz Nolte an. Damit habe er das Ansehen des Ortsbürgermeisters untergraben.

Der so abservierte Jürgen Nolte versuchte noch einmal, Werbung für sich zu machen und führte seine zahlreichen ehrenamtlichen Engagements für den Ort auf, die er seit 45 Jahren pflegt. Auch er sprach das Thema Vertrauen an. Wer könne mehr Vertrauen zeigen, als den anderen vorzulassen, so der Schulleiter der Oberschule in Uslar.

In den Äußerungen seiner Ortsratskollegen dagegen erkannte er einen eklatanten Wortbruch. Das sah Ortsbürgermeister Leßner nicht so. Von einem Wortbruch könne keine Rede sein, weil die Entscheidung, mitten in der Legislaturperiode den Ortsbürgermeister zu wechseln, unter falschen Annahmen getroffen worden sei.

Ein fliegender Wechsel sei nicht möglich. Wenn der Ortsrat es wolle, bleibe er Ortsbürgermeister. Dies sei auch sein Wunsch. Leßner führte ferner an, dass er an Nummer eins der Wahlliste gestanden habe. Bei der Abstimmung zur Liste habe er 46 Stimmen erhalten. Zähle man diese zu den 152 bei der offiziellen Kommunalwahl auf ihn entfallenden Stimmen dazu, habe er mehr Stimmen als Jürgen Nolte erhalten.  fsd                        

Rubriklistenbild: © Foto: Jürgen Dumnitz

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