Birgit und Bernhard Anthon beenden 150-jährige Geschichte ihres Gasthauses

In der Linde ist Schluss

Feierabend: Die Gastwirte Birgit und Bernhard Anthon mit ihrem Sohn Nils hinter der abgeräumten Theke ihres Gast- und Pensionshauses Zur Linde. Am Samstag schließt die Gastwirtschaft an der Straße und die lange Familientradition geht zu Ende. Foto: Dumnitz

Volpriehausen. In fünf Generationen haben sich die Familie Birgit und Bernhard Anthon und ihre Vorfahren an der Bollertstraße in Volpriehausen Gäste bewirtet. Zum Monatsende schließt das Paar jetzt das traditionsreiche Gasthaus Zur Linde, das eine 150-jährige Geschichte hat.

Die Urgroßeltern von Bernhard Anthon hatten die Gastwirtschaft Honig einst eröffnet. So haben es seine Großeltern erzählt. Dazu gehörten auch ein Pferdestall als Ausspannstation an der Hauptstraße zwischen Uslar und Hardegsen. 1974 hat Bernhard Anthon (68) den Betrieb von seinen Eltern übernommen, zusammen mit seiner Frau Birgit (59), deren Eltern früher eine Bäckerei in Volpriehausen betrieben.

Das Gast- und Pensionshaus Zur Linde betrachten beide als ihr Lebenswerk. Jetzt ist Schluss. Am Samstag geht eine Ära und ein Stück Dorfgeschichte zu Ende. Das hat mehrere Gründe: Wirtschaftliche, gesundheitliche und finanzielle, sagt Bernhard Anthon.

„Wir hätten schon vor zehn Jahren aufhören sollen“, sagt er sorgenvoll. Die vergangenen Jahre ging es mit den Umsätzen stetig bergab. Nach dem Ende der Betriebe Spänex und Buder in Volpriehausen kamen nur noch wenige Übernachtungsgäste. In die Fremdenzimmer wurde nicht mehr investiert.

Andere Gewohnheiten

Durch veränderte Gewohnheiten der Menschen in der Region kamen auch weniger Tagesgäste. „Früher fand ein Großteil des Dorflebens in unserer Kneipe statt“, sagt Birgit Anthon, die wegen einer Krankheit jetzt mit den Anstoß zur Schließung gab.

Vor allem Familienfeiern haben Bernhard Anthon in den vergangenen Jahren noch motiviert, den Betrieb aufrechtzuerhalten, obwohl er immer weniger abwarf. Von der Kindstaufe bis zum Beerdingungs-Kaffee kamen die Familien aus vielen Anlässen auf den Saal oder in die Bauernstube der Linde. Bis vor sechs Jahren gab es noch Kegelclubs. Dann stand eine größere Investition auf der Kegelbahn an, die sich nicht mehr lohnte.

Sohn Bastian Anthon (38) lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Hannover. Er verdient sein Geld in der IT-Branche. Sohn Nils (34) ist gelernter Restaurantfachmann und arbeitet die vergangenen Jahre mit im elterlichen Betrieb. Alleine kann er die Linde aber nicht stemmen. Außerdem muss einiges Geld investiert werden, hieß es. Das fehlt.

Abschied am Samstag

Birgit und Bernhard Anthon wollen am Samstag Abschied feiern mit ihren Gästen. „Solange, bis das Bierfass leer ist“, verspricht Bernhard Anthon sichtlich gerührt. Die Linde war sein Leben. Dann wird der Schlüssel rumgedreht. Einen Käufer oder Pächter haben beide vergebens gesucht.

Ihren Lebensabend wollen Birgit und Bernhard Anthon in einer gemütlichen Wohnung in Uslar verbringen. Und den Kontakt zu ihrem Bollert-Dorf weiter pflegen. „Ich schätze, ich war ein guter Wirt für Volpriehausen“, sagt Bernhard Anthon mit Stolz über sein Lebenswerk.

Von Jürgen Dumnitz

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