Serie: Kaufmann Eckardt machte Amelith und Polier in der Welt bekannt

Luxus vom Spiegelbaron

Baron Ernst Jacob von Eckardstein

Uslar. „Ich will, dass mein Werk von Dauer sei!“ Mit diesem Anspruch arbeitete Ernst Jacob Eckhardt zielstrebig am Aufbau der Spiegelfabrik Amelith-Polier.

Als der 37-jährige Großhandelskaufmann aus Münden im Jahr 1779 zusammen mit seinem Kompagnon Isaac Carios aus Amsterdam Pächter der „Glashütte bey Nienover“ wurde, übernahm er einen maroden Betrieb, den sein Vorgänger Thomas Ziesich aus Grünenplan in nur drei Jahren in den Konkurs geführt hatte.

Luxus statt Massenware

Eckhardt wollte nicht nur mit Glasprodukten handeln, sondern sie selbst herstellen lassen. Nicht mit Massenware, sondern mit dem Luxusgut Spiegelglas wollte er Gewinne erzielen. Als Käufer kamen nicht die kleinen Leute, sondern reiche Bürger, Adelige und die Fürstenhäuser Europas in Frage. Über seine Handelsbeziehungen und Kontore unterhielt er Kontakte zu vielen potenziellen Käufern in Europa. Durch den Einsatz einer gewaltigen Summe aus seinem Privatvermögen gelang es ihm, binnen kürzester Zeit die Fabrik zu großen Erfolgen zu führen.

Fast nebenbei entstanden durch die Aktivitäten des Kaufmanns zwei neue Dörfer im Solling: Um die Glashütte in Amelith ließ Eckhardt Häuser für die Glasmacher errichten und die Poliermühlen am Reiherbach, in denen die Spiegelglastafeln geschliffen und poliert wurden, bildeten die Keimzelle der Ortschaft Polier. Doch der Erfolgreiche hat immer auch Neider. Die weiter greifenden Expansionspläne Eckhardts missfielen der Regierung in Hannover und sie versuchte sie deshalb immer wieder zu durchkreuzen. Schließlich war Eckhardt 1799 dieser Schikanen überdrüssig und verlegte seinen Wohnort nach Charlottenburg.

Der König von Preußen nahm ihn gern in seinem Land auf, denn er brachte ein Vermögen von mehreren Millionen Talern mit. Unter der Bedingung, dass er das Geld in Preußen anlegen müsse, adelte König Friedrich Wilhelm III. den Kaufmann Ernst Jacob Eckhardt sogar zum Freiherrn von Eckardstein. Der neue Baron kaufte die sogenannten Kameckeschen Güter nordöstlich von Berlin und gebot nun über einige tausend Hektar Land. Damit nicht das ganze Geld nach Preußen floss und von Eckardstein sein Engagement in Amelith-Polier aufgab, wandelte die Regierung jetzt den Pachtvertrag der Spiegelfabrik in einen Erbzinsbrief, also in eine Art vererbbaren Pachtvertrag, um.

Im Solling leitete nun sein langjähriger Verwalter, Johannes Bippart, die Geschicke der Fabrik. Ernst Jacob Freiherr von Eckardstein starb 1803 in Charlottenburg. Bis 1837 war die Familie von Eckardstein Erbzinsnehmer in Amelith und Polier. In diesem Jahr kaufte die Familie Bippart den Erbzinsbrief. Die Bipparts führten dann die Hütte bis 1913 auf eigene Rechnung. Ausstellung im Museum Uslar: Die Fabrik im Wald – Glas und Spiegel aus Amelith und Polier, dienstags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

Von Daniel Althaus

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